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Der aktuelle Newsletter

Newsletter Nr. 12 vom 12. April 2018

 

Beim Frühjahrsputz


Dobryj den'! Vitajemo vas! Vitajem vas!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Eröffnung fiel spärlicher aus als ursprünglich gedacht. Nicht mit einer Partie gegen den FC Schalke 04, die vor einigen Wochen abgesagt werden musste, sondern mit einem Punktspiel zwischen dem FK Baltika Kaliningrad und Krylja Sowetow wurde am vergangenen Donnerstag die WM-Arena im einstigen Königsberg eröffnet. Wie sich die Stadt in der russischen Enklave für die anstehende WM herausputzt, berichten wir in unserem aktuellen Newsletter. Zudem informieren wir über die finanziellen Verbindungen zwischen russischen Staatsunternehmen und den Profiklubs, einen Schweizer an der Spitze des ukrainischen Liga-Verbandes, die Rückkehr von Torpedo Minsk und andere interessante Themen aus Fußball-Osteuropa.

Viel Spaß bei der Lektüre!
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RUSSLAND 

Nur ein "geopolitisches Problem"
Für die Tageszeitung Kommersant gab Alexej Sorokin, Chef des russischen WM-Organisationskomitees, ein ausführliches Interview zum Stand der WM-Vorbereitungen, über den nachhaltigen Gewinn der WM für Russland und das Turnier generell. Dabei zeigte sich Sorokin zufrieden mit dem bisherigen Stand der Vorbereitungen, die er als abgeschlossen ansieht und erklärt, dass man sich jetzt in der "Testphase" befindet. Sorokin betonte auch die Nachhaltigkeit der Infrastrukturprojekte, von denen Städte wie Saransk langfristig profitieren. Der Sportfunktionär äußerte sich auch zum Thema Hooligans. Dabei verwies er auf die Arbeit der russischen Sicherheitsorgane, welche die russische Hooliganszene seiner Meinung nach im Griff hätten. Sein Bedauern zeigte er über die jüngsten rassistischen Vorfälle beim Freundschaftsspiel zwischen Russland und Frankreich, betonte aber gleichzeitig, dass diese seit zwei Jahren abnehmen würden. "Dies zeigen die Statistiken", so Sorokin. Als das größte Problem für die anstehende WM bezeichnet er dagegen die aktuelle politische Situation. "Wir haben ein geopolitisches Problem", sagte Sorokin gegenüber der russischen Tageszeitung, das seiner Meinung nach jedoch keine Auswirkungen auf die Besucherzahlen während der WM haben werde. "Einen Rückgang beim Ticketverkauf haben wir nicht beobachtet."

Auch der Nachrichtenagentur AP gab Alexej Sorokin ein ausführliches Interview, in dem es um die diplomatische Krise und deren Auswirkungen auf die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sicherheitsbehörden in Russland und dem Ausland ging. Diese sei laut den Aussagen Sorokins trotz der Spannungen weiterhin erfolgreich.

Reisewarnung
Der Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal führte zu einer heftigen Krise zwischen Russland und dem Westen, die nach Meinung vieler Experten auch eine Zäsur in den Beziehungen zwischen Ost und West bedeuten könnte. Der bisherige Höhepunkt des Konflikts ist die gegenseitige Ausweisung von Diplomaten. Diese könnte auch Auswirkungen für die zu der WM anreisenden Fans haben. "Ich würde es mir zweimal überlegen, zu der WM zu reisen", erklärte ein Mitarbeiter des Weißen Hauses, der anonym bleiben wollte, gegenüber dem britischen Guardian und begründete dies mit der unzureichenden konsularischen Betreuung. Eine Warnung, die in Russland für Aufsehen sorgte. Die russische Botschaft in den USA wies auf Facebook auf die fast 17.000 US-amerikanischen Fußballfans hin, die trotz der erfolglosen Qualifikation der USA zu dem Turnier nach Russland reisen werden, und erklärte, dass so die Fans merken würden, wie verlogen die "antirussische Propaganda" im Westen sei. Michail Degtjarev, Vorsitzender des Sportausschusses in der Duma, sagte wiederum: "Auf der einen Seite überrascht eine so große Anzahl von Fans aus den USA, da sich ihr Team nicht qualifiziert hat. Auf der anderen Seite weiß jeder, wie gut Russland Sportveranstaltungen organisieren kann. Wir freuen uns auf die Gäste."

Angst vor Terror
Anfang März sorgte in Deutschland ein Gefährdungsbericht des BKA für Schlagzeilen, laut dem wegen der russischen IS-Kämpfer sowie Collagen im Internet, auf denen Fußballstars wie Lionel Messi ermordet werden, eine erhöhte Terrorgefahr für die Zeit der WM bestehe. Auch bei den russischen Behörden ist die Sorge vor Terroranschlägen groß, weshalb die ehrenamtlichen Helfer für das Turnier auf etwaige Kontakte zur Terrorgruppen überprüft werden, wie die englischsprachige Moscow Times berichtet. Während der WM sind insgesamt 6.000 ehrenamtliche Helfer im Einsatz.

Frühjahrsputz in Kaliningrad

Über die zum Teil skurrilen Amtsmaßnahmen, mit denen die russischen Behörden versuchen, das Land während der WM glänzen zu lassen, haben wir bereits ausführlich in unserem Newsletter vom 1. Februar berichtet. Ein weiteres praktisches Beispiel gibt es nun aus der russischen Enklave Kaliningrad. Dort werden während der WM zwar nur Vorrundenspiele stattfinden, trotzdem findet in dem einstigen Königsberg ein regelrechter Frühjahrsputz statt - zumindest auf den Straßen, die zu der neu erbauten Arena führen. So wie dem Lenin-Prospekt im Zentrum der Stadt. Die Fassaden der Häuser wurden zwar saniert, doch nach Ansicht der Regional-Beamten zerstöre die Straßenwerbung der dortigen Geschäfte das Erscheinungsbild. Als "verwirrend" und "hässlich" bezeichneten sie die Werbeschilder. Aus diesem Grund gaben im Januar die Regional-Behörden der Stadtverwaltung drei Monate Zeit, um dieses Problem zu beheben. Diese wiederum stellten die Geschäftsinhaber vor die Wahl: Entweder ändern sie dies von alleine oder es geschieht per Gerichtsbeschluss. Zudem wurde ein Architektur-Büro beauftragt, das ein einheitliches Design erarbeitete. Die Behörden können nun wohl zufrieden sein. Bis zum Ablauf der Frist haben die meisten Geschäftsinhaber einer Vereinheitlichung der Straßenwerbung zugestimmt. Diejenigen jedoch, die sich widersetzten, gaben ihre Geschäfte auf. Dass all diese Schönheitskorrekturen nicht immer gelungen sind und zum Teil gar nicht zu der Architektur passen, zeigt das Beispiel einer ehemaligen Papierfabrik, die Ende des 19. Jahrhunderts entstand und die sich auf dem Weg zum Stadion befindet. Deren zerbrochene Fenster wurden mit Folien überdeckt, auf denen Fenster mit Blumenkästen abgebildet sind. Ähnlich handhaben es die Behörden mit dem Haus der Sowjets, in deren unmittelbarer Nähe die für 15.000 Besucher angelegte Fan-Zone entstehen wird, welche die Verwaltung rund 3.4 Millionen Euro kosten wird. Das nie vollendete und heute vernachlässigte Gebäude wird für die Zeit der WM kurzerhand mit einem riesigen Banner abgedeckt.

Korruption in Kaliningrad
Wir bleiben in Kaliningrad, wo am vergangenen Donnerstag mit dem Spiel FK Baltika Kaliningrad gegen Krylja Sowetow die Baltika Arena offiziell eröffnet wurde. Ein Stadion, das in den vergangenen Monaten für einige negative Schlagzeilen gesorgt hat. Allein schon durch den Umstand, dass die Oktober-Insel, auf der das Stadion entstand, sich wegen ihres moorigen Bodens für Bauprojekte nicht besonders eignet. Daher musste der Grundboden bei Baubeginn mit Sand verstärkt werden. Doch der damals gelieferte Sand hatte nicht die nötige Qualität. Daher kam es zu Verspätungen beim Bau, zu einer Neuvergabe des Bauauftrags sowie Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht. Die endeten für die Brüder Ziyavudin und Magomed Megomedov, Inhaber des Baukonzerns Summa, Ende März mit der Untersuchungshaft. Rund 9.8 Millionen Euro sollen sie beim Bau der Arena veruntreut haben. Bereits im vergangenen Jahr wurden auch einige Vertreter der lokalen Behörden verhaftet, darunter der Bauminister des Oblast Kaliningrad Amir Kushkov.

Subventionsempfänger
Das Stadion in Kaliningrad gehört mit Jekaterinenburg, Wolgograd, Nischni Nowgorod, Rostow, Saransk und Samara zu den sieben WM-Gastgeberstädten, die nach der WM auch weiterhin direkt vom russischen Staat subventioniert werden. Was in Kaliningrad, wo das Stadion wegen des Bodens und dem Pfusch am Bau schon heute absackt ist, sicherlich für Freude sorgen dürfte. Zwischen 2.6 und 6.5 Millionen Euro sollen die jährlichen Unterhaltungskosten je nach Schätzungen betragen. Ob diese Stadien, die laut Planungen bereits 2019 in Regionalbesitz übergehen sollten, jemals unabhängig von Steuergeldern betrieben werden können, wird vom Sovetskij Sport bezweifelt. Russlands größte Sportzeitung geht vielmehr davon aus, dass die Stadien noch auf Jahre von Steuergelden unterhalten werden müssen. Verantwortlich macht die Zeitung dafür die Regional-Beamten, die sich viel zu spät mit der Frage nach der Zukunft der WM-Arenen beschäftigten.

Die russischen Klubs und Staatsgelder
Eine wiederkehrende Debatte in Russland ist diejenige über die Abhängigkeit der Klubs von staatlichen Geldern. Die meisten Klubs der Premjer Liga gehören entweder staatlichen Konzernen wie Gazprom (Zenit St. Petersburg) oder Kommunen und Regionen. Ein Umstand, den Anfang April Jewgenij Giner, Präsident von ZSKA Moskau, offen kritisierte. "Ich denke, Fußballklubs sollten private Eigner haben", erklärte Giner während einer Sitzung der Duma und kritisierte vor allen das Engagement der Gouverneure im russischen Fußball. Doch wie das Portal Sports.ru bemerkte, profitiert ZSKA Moskau selbst von staatlichen Geldern. Der Klub gehört zwar der Firma Bluecastle United, die von Giners Sohn kontrolliert wird, doch drei der sechs Hauptsponsoren sind staatliche Unternehmen. Darunter Hauptsponsor Rosseti, ein Stromversorger, sowie die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot. Das neue ZSKA-Stadion wiederum wäre ohne einen großzügigen Kredit der sich im Staatsbesitz befindlichen Bank VEB niemals entstanden.

Bei dieser Gelegenheit ein Buchhinweis von unserer Seite. Mit der Rolle der Staatsunternehmen und des Staates generell im russischen Fußball befasst sich Timm Beichelt, Professor für Europa-Studien an der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder), in seinem Anfang Mai beim Suhrkamp-Verlag erscheinenden Buch "Ersatzspielfelder. Zum Verhältnis von Fußball und Macht".

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UKRAINE

Ukrainische Fans bei der WM
Auch wenn sich die Ukraine nicht für die WM qualifizieren konnte, wurde in dem Land heftig über den Boykott des Turniers diskutiert. Im Februar warnte der ukrainische Innenminister Igor Zhdanov die ukrainischen Fans vor einer Reise zu dem Turnier nach Russland. Eine Warnung, die einige Fans nicht abschreckte. 4140 ukrainische Fußballfans haben bisher bei der FIFA WM-Tickets erstanden.

Ein Schweizer an der Ligaspitze
Auch wenn Schachtar Donezk das Achtelfinale der UEFA-Champions League erreicht hat, so kann dieser Erfolg nicht darüber hinweg täuschen, dass sich der ukrainische Liga-Fußball aus politischen und wirtschaftlichen Gründen in einer tiefen Krise befindet. Neue Impulse erhofft sich die UPL nun von einem Schweizer. Am 6. April wählten 10 der 12 Premjer Liha-Klubs Thomas Grimm zum neuen Liga-Präsidenten. Der Jurist, der keinen Gegenkandidaten hatte, war in der Vergangenheit unter anderem Präsident der Swiss Football League sowie FIFA-Funktionär. "Ich sehe im ukrainischen Fußball großes Potential", erklärte Grimm seine Motivation. Dass er keine leichte Aufgabe übernommen hat, ist Grimm bewusst. In einem ausführlichen Interview mit dem Sportportal Tribuna bezeichnete der Schweizer die niedrigen Zuschauerzahlen als eines der Hauptprobleme des ukrainischen Fußballs. "Es müssen wieder mehr Fans in die Stadien", so Grimm. Er kündigte auch Gespräche mit den Ultras an. Da die ukrainische Liga nach Ansicht Grimms niemals mit den großen Ligen werde konkurrieren können, will Grimm verstärkt auf die Nachwuchsförderung setzen, um so Spieler auf die Top-Ligen vorzubereiten. "Das ist jedoch nicht einfach, da die hiesigen Spieler keine EU-Bürger sind", so Grimm. Klare Worte richtete Grimm in dem Gespräch auch an die Spitzenklubs Schachtar Donezk und Dynamo Kiew, die sich manchmal Sonderrechte herausnehmen würden. "Alle müssen sich an die Regeln halten. Regeln können zwar manchmal dumm sein, aber ihre Verbesserung kann nur durch einen Dialog zwischen der Liga und den Vereinen erfolgen", erklärte der Sportfunktionär.

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BELARUS

Die Rückkehr von Torpedo Minsk
In den vergangenen Newslettern haben wir eingehend darüber berichtet, dass der Minsker Klub Krumkachy (Die Raben) für die oberste Spielklasse keine Lizenz erhalten hat. Mittlerweile steht fest, dass der beliebte Verein nicht seine Existenz liquidieren wird, sondern in der neuen Saison in der drittstärksten Liga des Landes startet. Nach der üblicherweise langen Winterpause rollt nun auch in Belarus wieder der Ball. Die neue Spielzeit hat begonnen, die üblicherweise bis Ende November dauert. In der höchsten Spielklasse tritt ein Verein an, der das letzte Mal vor 14 Jahren dort gesichtet wurde: FC Torpedo Minsk. Der Klub erhält dank des Ausscheidens der „Raben“ den frei gewordenen Platz in der Vysschaja Liga. Gegründet wurde der Verein 1947 in der damaligen Belarussischen Sozialistischen Sowjetrepublik (BSSR) als Klub der Minsker Automobilwerke (MAZ), die den Klub auch nach der Unabhängigkeit von Belarus lange sponserten. In einem langen Bericht für das Sportportal Tribuna erzählt der Journalist Andrej Maslowskij die wechselvolle Geschichte von Torpedo. „In der ersten Hälfte der 2000er war Torpedo eine gefürchtete Gefahr im belarussischen Fußball. Die Mannschaft zeigte in fast jedem Spiel einen unglaublichen Kampf. Im Jahr 2000 erreichten die ,Autofabrikler´ das Finale des Landespokals, in dem sie durch ein Tor von Vasiljuk in der Extrazeit gegen MPKZ verloren. 2002 und 2003 wurden die Schwarz-weißen vierte in der Meisterschaft. Beide male holten die Minsker genauso viele Punkte wie die Drittplatzierten Schachtjor Soligorsk und Dynamo Minsk.“ Danach begann der langsame Abstieg des Klubs, weil MAZ langsam das Interesse an Torpedo verlor und den Geldhahn immer weiter zudrehte. Ohne seine loyalen Fans, die in schwierigen Zeiten immer wieder Geld für ihren Klub sammelten, um den Spielbetrieb auch in den unteren Spielklassen aufrecht zu erhalten, wäre Torpedo bis heute wohl längst verschwunden. 2015 begann dann der neuerliche Aufstieg des Vereins mit dem russischen Software- und Computertechnologie-Unternehmen Mirkom.

Fußball in der Burg
Eine andere schöne Geschichte aus der Vergangenheit von Belarus präsentiert ebenfalls das Portal Tribuna: Im Westen des Landes, etwa 160 Kilometer von der Hauptstadt Minsk, befindet sich die Stadt Lida. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte rund um eine Burg errichtet, die aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt. Damals gehörte der belarussische Kulturraum zum Großfürstentum Litauen, dessen Herrscher Gediminas die Burg von Lida errichtete. In der Zwischenkriegszeit (1921-1939) gehörte der Westen von Belarus bekanntlich zur Zweiten Polnischen Republik. In dieser Zeit wurde in den Ruinen der Burg, auf dem großen Innenhof, Fußball gespielt. U.a. spielte dort "Litawor", eine Mannschaft aus Lida. Der Blog von Tribuna hat dazu einige schöne alte Fotos ausgegraben.

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DEUTSCHSPRACHIGE MEDIEN

Spielwiese Menschenrechte
Seit dem 7. April tourt der bekannte und preisgekrönte Sportjournalist Ronny Blaschke, den wir auch schon als Moderator und Referent bei unseren Veranstaltungen begrüßen durften, mit seiner Votragsreihe "Spielwiese Menschenrechte - Zivilgesellschaftliche Chancen und Rückschläge durch Sportgroßereignisse" durch Deutschland. Einen ausführlichen Einblick in das Thema gibt Ronny Blaschke auf dem großartigen Fußballblog 120 Minuten. Im ersten Teil der zwöfteiligen Reihe führt Blaschke in die Thematik ein und wirft dabei einen kritischen Blick auf die vergangenen sportlichen Großevents und ihre Folgen. Im zweiten Teil befasst sich der in Berlin lebende Journalist mit zivilgesellschaftlichen Initiativen im russischen Sport und stellt sich die Frage, ob die WM ihren Freiraum vergrößert. Zu Wort kommen in dem Beitrag mit Elena Erkina und Robert Ustian auch zwei ehemalige Teilnehmer unserer Seminare und Workshops. Man darf sich auf die nächsten zehn Texte der Reihe freuen.

Das Duo Putin-Infantino und der WM-Boykott
Der Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter führte zu einer heftigen diplomatischen Krise zwischen dem Westen und Moskau, deren bisheriger Höhepunkt die gegenseitige Ausweisung von zahlreichen Diplomaten ist. Nach Meinung der Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Zacharowa, wollen Großbritannien und die USA mit diesem Vorgehen nur eines erreichen. " Ich habe den Eindruck, dass Russland die Weltmeisterschaft wegzunehmen alles ist, was für sie zählt", erklärte Zacharowa Anfang des Monats. Doch welche Folgen hätte ein diplomatischer Boykott der WM sowohl für Russlands Präsident Wladimir Putin als auch für FIFA-Präsident Gianni Infantino? Die Antwort auf diese Frage gibt der Journalist Robert Kempe in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Drohungen russischer Hooligans
Ein Dauerthema in der Berichterstattung über die anstehende WM sind die russischen Hooligans. Zwei weitere alarmierende Artikel sind nun diese Woche erschienen. Die BILD-Zeitung berichtet über russische Hooligans, die britischen Fans mit dem Tod drohen. Das Portal News.de schreibt wiederum über Trainingscamps, in denen sich russische "Ultras fürs Blutvergießen rüsten". Beide Publikationen berufen sich dabei auf Recherchen zweier britischer Boulevardblätter. Die BILD auf einen Artikel des Daily Express und News.de auf einen Text aus dem Daily Star. Doch die Berichte der beiden in Großbritannien durchaus umstrittenen und von Northern & Shell verlegten Boulevardblätter haben einen großen Makel. Sie beruhen lediglich auf Aussagen und Fotos, die auf VKontakty veröffentlicht wurden, dem russischen Pendant zu Facebook. Genauer gesagt sogar nur in der Gruppe Russian Hooligans. O-Töne von Experten und Kennern der Szene oder weitere Quellen gibt es dagegen nicht.

Als schwuler Fan zu der WM nach Russland?
Bereits in unseren früheren Newslettern wiesen wir auf den WM-Blog der in Moskau lebenden Journalistin Katrin Scheib hin. Seit einiger Zeit verantwortet Scheib auch den WM-Countdown, der auf dem Onlineportal des Nachrichtensenders n-tv erscheint. In einem ihrer jüngsten Texte der Reihe befasste sie sich mit der Frage, ob schwule Fans zu der WM in Russland reisen können. Die Antworten auf diese Frage geben der Journalistin sechs schwule und lesbische Freunde und Bekannte aus Moskau und Umgebung. Die überwiegende Mehrheit sagt Ja, auch wenn darauf hingewiesen wird, dass man als Homosexueller in Russland  keine Zärtlichkeiten mit seinem Partner austauschen oder sich extravagant und auffällig kleiden sollte.

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IN EIGENER SACHE

Fankurve Ost unterstützt deutsche Fanbotschaft
Zu Beginn dieser Woche fand in Frankfurt/Main ein Vorbereitungsworkshop zur anstehenden WM in Russland statt, der von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) zusammen mit dem DFB organisiert wurde. Auch dabei: Fankurve Ost-Mitinitiator Ingo Petz, der im Team der deutschen Fanbotschaft als Kulturvermittler, Berater und Landeskundiger dabei sein wird, um die sozialpädagogischen Fanprojekt-Mitarbeiter bei ihrer Betreuung und Beratung der deutschen Fans vor Ort zu unterstützen. Die Fanbotschaft wird an allen Orten zugegen sein, wo die deutsche Nationalmannschaft spielen wird. In der Gruppenphase also zunächst in Moskau, dann in Sotschi und schließlich in Kasan. Zudem werden ehemalige russische Teilnehmer unserer Seminare "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" an den Austragungsorten den deutschen Anhängern im Rahmen der Fanbotschaft ihre Heimatstädte aus den Augen einheimischer Fußballfans zeigen und erklären. Wir freuen uns auf diese spannende Aufgabe!

Bis in zwei Wochen!

EURE FANKURVE OST