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Newsletter Nr. 45 vom 6. Juli 2020
Liebe Leserinnen und Leser! Lasst uns über Fankultur sprechen (Pogovorim pro fankulturu) - so heißt unser neuestes Projekt, das wir zurzeit umsetzen, da wir bekanntlich aufgrund der Corona-Krise keine Seminare und Workshops organisieren können. Stattdessen treffen wir uns mit Akteurinnen und Akteuren der Fankultur, die uns ihre Arbeit und ihre Projekte erklären. Die Filme dazu werden ca. 20 bis 25 Minuten lang und sollen auf YouTube (mit russischen Untertiteln) einen Eindruck von der vielfältigen Fankultur in Deutschland vermitteln. Für den Pilotfilm haben wir uns mit unserem langjährigen Partnern vom Fanprojekt Berlin getroffen. Ralf Busch und Thomas Jelinski berichten in dem Film eingehend über die sozial-pädagogische Arbeit mit Fans. Alesja Belanovich-Petz moderiert die Gespräche. Die ersten Filme werden wir in den nächsten Wochen veröffentlichen. Seid gespannt!

Foto: http://alexfilm.berlin/

In unserem Newsletter berichten wir von den Skandal-Verhaftungen von Spartak-Fans und darüber, dass sich bis immer noch 2.000 Ausländer in Russland aufhalten, die einst mit dem Fan-ID zu WM eingereist waren. In der Ukraine steht der Traditionsverein Karpaty Lviv vor dem Aus. Und In Belarus leiden einige Vereine massiv unter zahlreichen Corona-Fällen. Zudem präsentieren wir Euch ein weiteres neues Projekt aus unserem Haus: die Video-Challenge "Pass the Ball". 


Viel Vergnügen bei der Lektüre!
 
RUSSLAND
 

Verhaftung von Spartak-Fans wird zum Skandal
Zu der in Russland wohl meist diskutierten Fußballnachricht der vergangenen Wochen entwickelte sich eine beispiellose Polizeiaktion gegen die Fans von Spartak Moskau. Was geschehen war, schildert in aller Ausführlichkeit Sport24. Am 19. Juni hatte eine große Gruppe rot-weißer Fans ihr Team zum ersten Auswärtsspiel nach der Quarantäne ins nicht weit von Moskau entfernte Tula begleitet. Wie die Novaja Gazeta berichtet, verabschiedeten die Spartak-Fans den Mannschaftsbus mit einem Pyro- und Böllerfeuerwerk und demonstrierten auch auf der Autobahn ihre Unterstützung, wie diese Videos zeigen. Zwar wurden bereits vor und während des Spiels drei Personen aus dem Umfeld der Spartak-Fans verhaftet, aber die Überraschung folgte erst am nächsten Morgen. Bei zahlreichen Teilnehmern der Fan-Aktionen gab es Durchsuchungen, Verhöre und Verhaftungen. Es wurde ein Strafverfahren nach Artikel 213 Teil 2 des Strafgesetzbuches eingeleitet, nachdem Beschuldigte mit bis bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft werden können.

In dem Text auf sport24.ru kommt einer von Russlands prominentesten Strafverteidigern, Sergej Zhorin, zu Wort und gibt seine Einschätzung des Vorfalls: „Das sieht alles danach aus, als sollte ein Exempel statuiert werden. Es gibt eine Art nervöse Stimmung, vor allem wenn es gerade jetzt zu Massenversammlungen und Blockaden und das vielleicht noch mit Einsatz von Sprengstoffmitteln kommt. Doch die angedrohten Strafen nach Artikel 213 des Strafgesetzbuches sind in keinster Weise gerechtfertigt.“ In dem Text kommt auch Maxim Schumilow, der Chef des Sicherheitsdienstes bei Spartak Moskau, zu Wort, Moskau, der beklagt, dass „viele Jungs, die drei Monate lang ältere Menschen versorgt haben, nun zwei Tage ohne Grund im Gefängnis sitzen.“ Protest löste der Einsatz auch bei Spartak-Eigentümer Leonid Fedun aus, der offenbar einen Brief an den stellvertretenden russischen Innenminister Alexander Gorowoj schrieb, wie Sports.ru dokumentiert. Darin beschwerte sich Fedun über die überzogene Härte gegenüber der Spartak-Fans und äußerte seine Hoffnung, dass „hier der gesunde Menschenverstand und die einwandfreie Anwendung unserer Gesetze im Vordergrund stehen. Unsere Fans haben nichts getan, was sie zu Kriminellen macht, zumal ähnliche Aktionen in anderen Städten stattfanden und keine Fragen gestellt wurden.“

Unterstützung erhielten die inhaftierten Spartak-Fans auch von Fangruppen der Konkurrenten von Lokomotive, ZSKA und Dynamo Moskau sowie von Liga-Sicherheitsdirektor Oleksandr Meitin und anderen Persönlichkeiten und Verbänden des öffentlichen Lebens. Von Spartak Moskau selbst wurde in einem öffentlichen Statement unter anderem Folgendes erklärt:

„Die Inhaftierung unserer Fans war für den Klub eine ebenso unangenehme Überraschung wie für die gesamte Fußballgemeinschaft. Wir haben unsere Position im Zusammenhang mit den Handlungen der Strafverfolgungsbehörden in Bezug auf die inhaftierten Fans bereits mehrmals öffentlich zum Ausdruck gebracht, und wir können es nur noch einmal wiederholen: Der Verein sieht in diesen Handlungen keine Aggression, Bosheit oder Rowdytum. Im Gegenteil, wir glauben, dass es in der gegenwärtigen epidemiologischen Situation eine der wenigen Möglichkeiten war, das Team zu unterstützen, abgesehen davon, dass die Aktionen in unserem Verein bestimmte Traditionen und Hintergründe haben.“

„Darüber hinaus ist die Führung des FC Spartak Moskau auf Arbeitsebene in einen Dialog mit dem Innenministerium über die Interaktion mit den Fans zur Normalisierung der Situation eingebunden. Dies betrifft nicht nur die Ereignisse vor dem Spiel zwischen Arsenal und Spartak, sondern auch die bekannten Ereignisse um das Spiel im Dezember in St. Petersburg. Wir hoffen, dass der Dialog mit den Strafverfolgungsbehörden zu einer Verringerung der Spannungen mit Fans unseres Vereins führt und dazu beitragen wird, ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden.“

Wie Sport-Express berichtet, äußerte sich allerdings auch das Innenministerium zu dem Vorfall. „Solche Folgen hätten vermieden werden können, wenn der Verein im Namen der Fans die Stadt- und Strafverfolgungsbehörden im Voraus vor der Aktion gewarnt und um die Erlaubnis gebeten hätte, sie durchzuführen.“ Bereits im Dezember hätte es ein Treffen mit Vertretern aller Erstligavereine gegeben, in dem von Seiten des Innenministeriums betont worden war, dass „die Initiatoren von unbefugten Straßensperren im Rahmen von Fan-Aktionen in Zukunft immer strafrechtlich verfolgt werden.“


Corona-Wahnsinn in Premier Liga
Wie schon in unserem vorhergegangenen Newsletter beschrieben, hat die russische Premier Liga am 19. Juni, mit noch verbleibenden fünf Spieltagen wieder ihren Betrieb aufgenommen und wie unter anderem von der Moscow Times beschrieben, bereits im zweiten Spiel ihren ersten handfesten Skandal produziert. Nach sechs positiven Corona-Tests unter der Woche war das gesamte Rostow-Team samt Trainer- und Betreuerstab in eine zweiwöchige Quarantäne geschickt worden. Wie der russische Journalist Slava Malamud via Twitter berichtet, habe Rostow daraufhin den Gegner aus Sotschi darum gebeten, das Spiel zu verlegen. Sotschi, das pikanterweise auch noch als Farmteam des Tabellenführers und Rostow-Rivalen Zenit St. Petersburg gilt, lehnte ab. Das Unglaubliche: Die Liga-Führung ließ dies einfach geschehen, überließ Rostow seinem Schicksal. Nach einigen Überlegungen entschied der Klub, sein Nachwuchsteam antreten zu lassen. So liefen für Rostow 16- bis 19-jährige Jugendspieler auf, die erst drei Tage zuvor davon erfahren – und zudem aufgrund der Corona-Maßnahmen seit März nicht mehr trainiert hatten. Rostow-Trainer Valeri Karpin meldete sich aus der Quarantäne: „Ich weiß nicht mal, wer da nach Sotschi reist.“ Plötzlich mussten diese Jungs gegen eine Profi-Mannschaft ran. Als wäre das nicht schon schlimm genug, wurden sie noch vor dem Spiel vom Gegner auf die Schippe genommen. Sotschi zeigte sich in dieser Situation taktlos, postete bei Instagram das Foto eines Schuljungen in einem Tümpel und schrieb dazu: „Das ganze Land wird heute Schuljungen anfeuern? Wir waren alle mal Schuljungen. Heute spielen wir Fußball. Das Feld ist eben, der Ball ist rund. Spielt, bis Mama euch nach Hause ruft“. Der Post wurde kurz darauf wieder gelöscht, das Spiel fand aber statt und ging 10:1 für Sotschi aus, obwohl Rostow in der ersten Spielminute sogar in Führung gegangen waren.

Rostows Präsident Artasches Arutjunjants wollte Sotschis Entscheidung, das Spiel nicht verschieben zu wollen, nicht kommentieren. Stattdessen dankte er den Jugendspielern: „Unsere Jungs sind großartige Männer“, wird er auf der Internetseite des Klubs zitiert. „Das ist alles, was zählt. Diese Jungs sind zukünftige Meister.“ Wir wollen die Entscheidung des FC Sotschi nicht kommentieren und bewerten. Lass die Sache auf ihrem Gewissen lasten, nicht auf unserem. Für uns ist die Gesundheit unserer Spieler und der unseres Gegners wichtiger als drei Punkte. “ Arutjunjants ließ bisher nur wissen, dass man nicht mehr mit Gegnern verhandeln werde.

Sogar die oppositionelle Novaja Gazeta kommentierte das Skandalspiel. In Sotschi seien erwachsene und bärtige Onkel gegen ihre Kinder angetreten. Und weiter: „Wir können dem russischen Fußball zu seiner lang ersehnten Rückkehr gratulieren - wir haben, wenn überhaupt, selten ein ekelhafteres Spektakel gesehen. Der Neustart im Olympiastadion „Fisht“ wird als ein vulgäres und beschämendes Phänomen in die Geschichte des russischen Fußballs eingehen, welches Menschen zu verdanken ist, die mit den Prinzipien des Fairplay und grundlegenden Konzepten der Moral nicht vertraut sind. Der russische Fußballverband, der mit soviel Selbstlob die bevorstehende Rückkehr unsere Meisterschaft verkündete, hatte, wie üblich, keinen klaren Aktionsplan für den Fall einer solchen höheren Gewalt.“

Einen ähnlichen, nicht minder skandalösen Fall von Wettbewerbsverzerrung gab es dann bereits eine Woche später vor der Partie zwischen dem FK Orenburg und dem FK Krasnodar. Zehn Spieler Spieler von Orenburg waren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Den Spielplan sollen solche positiven Tests natürlich nicht gefährden und so wurde das Spiel von der Liga einfach mit 3:0 für Krasnodar gewertet.

Auf Twitter erklärte TV-Kommentator Georgie Tscherdanzew dazu, dass Orenburg in der Umsetzung der Hygienvorschriften zu nachlässig gewesen sei und das Spiel deshalb zu Recht 3:0 für Krasnodar gewertet worden sei. Wie Sportmail schrieb, blieb dieser Vorwurf allerdings von Seiten des beschuldigten Vereins nicht unkommentiert. Der Pressedienst antwortete ebenfalls auf dem Twitterkanal von Tscherdanzew: „Haben wir irgendetwas zugegeben? Wir sind gesund nach Moskau (Red: zum vorhergegangenen Ligaspiel gegen Lokomotive) geflogen – und haben vorher alle Tests gemacht. Wir hatten alle ständig Masken auf. Wir sind ins Flugzeug (Charter) – zum Flughafen Scheremetjewo – dann ins Hotel – ins Stadion – wieder nach Scheremetjewo ins Flugzeug – und dann zurück nach Orenburg. Wir haben währenddessen keinen einzigen Schritt zur Seite gemacht! Unser Hotel hatte eine separate Etage mit separaten Mahlzeiten. Und trotzdem sind wir mit dem Coronavirius nach Hause gekommen.“

Neben Rostov und Orenburg ist, wie Championat schreibt, auch der FK Ufa von Coronainfektionen innerhalb des Vereins betroffen. Zusammen mit Dynamo Moskau sind damit mittlerweile vier Erstligisten betroffen. Nachdem bei Dynamo Moskau vor dem Restart der Liga ebenfalls drei Spieler positiv getestet worden waren, hatte es der Verein geschafft, den FC Krasnodar zu einer Verschiebung des Spiel zu überreden. Danach gelang es den Verantwortlichen von Dynamo, die Ligaverantwortlichen der RPL zu einer Aufweichung der Quarantänebestimmungen zu überzeugen. Nach den, von der Gesundheitsbehörde aufgestellten Regeln hätte sich die gesamte Mannschaft in Isolation begeben müssen. Doch beim folgenden Derby gegen ZSKA (0:0) lief – abzüglich der drei betroffenen Spieler – die erste Mannschaft auf.

 

Immer noch 2.000 Ausländer von WM in Russland
Die Weltmeisterschaft in Russland liegt nun bereits zwei Jahre zurück. Aber noch immer haben nicht alle einstig willkommenen Gäste das Land verlassen. Etwa 2.000 Ausländer seien seitdem in den Weiten des Riesenlandes verschwunden, das teilt Russlands stellvertretender Außenminister Jewgenij Iwanow in einem Interview mit der Zeitung Kommersant mit. Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden hätten mehr als zweitausend Ausländer, die mit Fan-ID und ohne Pass nach Russland gereist waren, das Land immer noch nicht verlassen und seien jetzt „in Wirklichkeit illegale Migranten“, so Iwanow. Nach Angaben von Rostourism hatten rund 3,4 Millionen Ausländer Russland während der Weltmeisterschaft besucht. In diesem Zusammenhang erinnert Argumenty i Fakty noch einmal an einen unvergessenen Sommer, in dem einige Ausländer dem Charme der russischen Gastgeber, einheimischer Schönheiten oder einfach nur dem Alkohol verfallen waren und deshalb manchmal tagelang vermisst blieben. Im Frühjahr 2019, so stellte es der stellvertretende Leiter der Hauptdirektion des Innenministeriums für Migration Andrei Krayushkin fest, befanden sich immer noch mehr als 5.000 Ausländer, ohne gültiges Visum in Russland. Die meisten der mittlerweile Gesuchten kämen laut Krayushkin aus Asien und Afrika. „Wir können sagen, dass zwei Jahre nach der Weltmeisterschaft 2018 nur noch die wendigsten und störrischsten "Fans" in Russland verblieben sind, deren Identifizierung für die Strafverfolgungsbehörden mittlerweile ein ernstes Problem darstellt.“ Russland steht mit diesem Problem allerdings längst nicht alleine da. Länder, die Weltmeisterschaften oder Olympische Spiel ausrichten, sind seit Jahren mit ähnlichen Problemen konfrontiert.
 

Denkmal für Spartak-Legende Fjodor Tscherenkow
Wie unter anderem auf der Seite MSKAgency zu lesen und zu sehen war, wurde Ende Juni auf dem Friedhof Trojekurowo, im Südwesten von Moskau ein denkmalartiges Grab, mit lebensgroßer Statue für den einstigen Spieler von Spartak Moskau Fjodor Tscherenkow eingeweiht. Auf dem Friedhof sind zahlreiche Prominente, darunter auch der ermordete Boris Nemzow und die ebenfalls ermordete Investigativ-Journalistin Anna Politkowskaja begraben. Tscherenkow war in den 1980ern ein in der gesamten UdSSR beliebter Fußballer, der maßgeblich mit dafür verantwortlich war, dass Spartak sich vor allem in dieser Dekade als „Verein des Volkes“ etablierte und zum Liebling der Intellektuellen, Künstler und Kritiker des Sowjetregimes wurde. Der attraktive Angriffsfußball der 1980er galt als Antithese zur kühlen Rasenmathematik von Serienmeister Dynamo Kiew, unter Taktikgroßmeister Waleri Lobanowsky. Der exzellente Techniker Fjodor Tscherenkow war langjähriger Kapitän bei Spartak, gewann dreimal die Meisterschaft (1979, 1987 und 1989), wurde zweimal zum sowjetischen Fußballer des Jahres gewählt, nahm aber trotz seiner 34 Länderspiele nie an einer Europa- oder Weltmeisterschaft teil. Tscherenkow war bereits 2014 im Alter von gerade einmal 54 Jahren verstorben.


Die Geschichte des FK Asmaral - Fußball in den wilden 1990ern
Unter die Rubrik „Historie" fallen in diesem Monat gleich drei Artikel des in Russland bekannten Sportjournalisten Igor Rabbiner. So erinnert der Reporter in seinem Text auf Sport-Express noch einmal an einen nicht mehr existierenden Fußballverein, den FK Presnja Moskau, oder wie er später hieß, den FK Asmaral. Der 1978 gegründete Club zog sich während der Saison 2006 aus dem Spielbetrieb der dritten russischen Liga zurück und löste sich in der Folge auf. Schon in den 1980er Jahren hatte Presnja Moskau einen guten Ruf, was die Ausbildung junger Spieler betraf. Spartak Moskaus Trainerlegende Oleg Romanzew (acht Meistertitel) trainierte den Club während dieser Dekade. Richtig interessante Einblicke in den russischen Fußball der chaotischen 1990er Jahre gibt allerdings der Teil, in dem Rabbiner die vier Jahre beschreibt, als der Verein an einen Britisch-irakischen Investor verkauft und in FK Asmaral umbenannt worden war. 1992 und 1993 spielte der mit Petrodollar gepamperte Verein dann in der höchsten russischen Spielklasse, bevor ein beispielloser Abstieg folgte.


Wie es war in der UdSSR gläubiger Muslim zu sein
Ein weiterer Artikel von Rabbiner stellt die Erinnerungen der sowjetischen Torhüter-Legende Rinat Dassajew vor. Darin beschreibt Tatar Dassajew, wie er selbst auf dem Platz immer einen Koran dabei gehabt hätte, aber vor allem wie kompliziert es gewesen sei in der UdSSR als bekannte Persönlichkeit seinen Glauben zu praktizieren. Vor allem in den frühen Jahren der 1980er sei er mit seiner Familie häufig in Moscheen gegangen, worauf der KGB anfing, ihn einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Dassajew, so erinnerte sich der Torhüter, wurde aufgefordert keine muslimischen Gotteshäuser mehr zu besuchen. Immerhin kennen ihn spätestens seit seinen Glanzauftritten bei der WM 1982 in Spanien jeder Mensch und schon morgen würde darüber in der westlichen Presse und auf antisowjetischen Radio-Sendern berichtet.


Vor 18 Jahren – schwere Ausschreitungen und ein Mord in Moskau
Letztlich erinnert Rabbiner auf Sport Express an Nachforschungen, die er und ein Kollege vor 18 Jahren über eine Nacht (9. Juni) voller Ausschreitungen geführt hatten. An den gewaltsamen Auseinandersetzungen in Moskau, die zeitlich mit dem Ausscheiden der russischen Nationalmannschaft bei der WM in Japan und Südkorea 2002 zusammengefallen waren, hatten sich tausende junger Männer beteiligt. Dabei waren nicht nur Dutzende Personen zum Teil schwer verletzt, sondern der Jugendliche Andrej Trudenikow regelrecht hingerichtet worden.

 
UKRAINE 
 

Premier Liha mit Corona-Problem
Wie wir schon in unserem vorhergegangenen Newsletter berichteten, hat auch die ukrainische Premier Liha ihren Spielbetrieb nach der Corona-bedingten Zwangspause wieder aufgenommen. Während andere Ligen Europas allerdings von Infektionen und somit von weiteren Komplikationen im Spielbetrieb verschont blieben, mussten in der Ukraine vier Begegnungen der obersten Spielklasse und nun auch das Pokalfinale verschoben werden. Wie das ukrainische Sportportal Sportarena berichtet, wurden vor der geplanten Begegnung zwischen Karpaty Lwiw und Olimpik Donezk zwei Spieler zunächst positiv auf COVID 19 getestet, worauf das Spiel vorsorglich abgesagt wurde. Ein zweiter Test der Betroffenen brachte dann jedoch ein negatives Ergebnis. Der Grund für die ersten positiven Tests bei Olympik sei auf einen Fehler im Labor als auch auf die schlechte Qualität der Tests zurückzuführen, hieß es von Seiten des Vereins. Im Juni war bereits das Spiel zwischen Karpaty Lwiw und Mariupol und zwei weitere Spiele mit Beteiligung von Karpaty verlegt worden, nachdem 25 Spieler und Mitarbeiter des Lemberger Clubs positiv auf COVID-19 getestet worden waren.

Auf der Seite von 24 TV.ua war zu lesen, dass das Finale um den ukrainischen Landespokal nun schon zum zweiten Mal verlegt wurde. Ursprünglich sollte das Spiel zwischen Dynamo Kiyw und Vorskla Poltawa in Ternopol stattfinden, wurde dann aber aufgrund der ungünstigen epidemiologischen Situation rund um das Gebiet nach Lwiw verlegt. Doch Lemberg hat sich seitdem zur Region mit dem meisten Coronavirus-Infektionen in der Ukraine entwickelt. Nach einer Entscheidung des Exekutivkomitee der UAF (Ukrainian Football Association) vom 26. Juni wird das Spiel nun am 8. Juli in Charkiw stattfinden.

Laut UA-Football.com äußerte sich der ukrainische Gesundheitsminister Maxim Stepanow äußerst skeptisch darüber, ob in nächster Zukunft – ähnlich wie in Russland geplant – auch in der Ukraine wieder Zuschauer in die Fußballstadien gelassen werden. „Wenn wir bessere Zahlen haben, wird es möglich sein, auch über Fans auf Tribünen zu sprechen. Die momentane Tendenz im Land ist allerdings so, dass wir nicht mal darüber nachdenken sollten“, so Stepanow.


Skandalbanner bei Pokal-Halbfinale
Schon auf dem Weg ins Pokalfinale haben allerdings Fans des FK Mynai für einen handfesten Skandal der anderen Art gesorgt. Wie die Seite Sport 24 berichtet, wird das Spiel zwischen dem Zweitligisten und Dynamo Kiyw, trotz eines routinierten 0:2 für lange Zeit nicht vergessen werden. Zunächst gab es bei der Begegnung „Zuschauer ohne Zuschauer“. Das Stadion von Mynai ist so klein, dass es zumindest auf einer Seite keine Tribüne sondern nur einen Zaun in unmittelbarer Nähe zur Seitenausbegrenzung gibt. Dahinter tummelten sich zahlreiche Fans, ohne das Stadion formal zu betreten. Auch deshalb konnte im ukrainischen Fernsehen gut sichtbar ein Skandalbanner platziert werden. Über 90 Minuten war so der Slogan „#FreeDerekChauvin“ zu sehen. Derek Chauvin war jener Polizist, der den Afroamerikaner George Floyd während seiner Verhaftung getötet hatte, worauf es auf der ganzen Welt zu Solidaritätsaktionen gegen Rassismus gekommen war. Wer das Banner nahe der Mittellinie platziert hatte, konnte laut News Liga auch nach der Partie nicht ermittelt werden.
 

Karpaty Lwiw vor dem endgültigen Bankrott?
Wie oben schon erwähnt, hat sich die Region Lemberg zum ukrainischen Corona-Hotspot mit den meisten Infizierten entwickelt. Und dort im Zentrum steht der krisengeschüttelte Traditionsverein Karpaty Lwiw, der nach einigen Turbulenzen nun offenbar wirklich vor dem endgültigen Bankrott steht. Wie der Verein am 3. Juli den Verantwortlichen der Ukrainischen Premjer Liha mitteilte, wird die Mannschaft auch im zweiten Spiel gegen Mariupol nicht antreten, diesmal allerdings aus finanziellen Gründen. Hintergrund ist, dass der Verein aufgrund seiner wohl sowieso keine Lizenz für die kommende Saison bekommen würde und seine Führung daher offenbar beschlossen hat, die ohnehin katastrophalen Geldmittel nicht noch in eine schon jetzt sinnlose Beendigung der Saison zu stecken. Wie wir im letzten Newsletter bereits mitteilten, ist Oleh Smalijchuk seit Kurzem neuer Eigentümer von Karpaty. Allerdings gehören ihm nur 50 Prozent, und die andere Hälfte dem Oligarchen Ihor Kolomojskyi. Smalijchuk hält sich wohl zurzeit in der Ukraine auf und versucht bereits eine ganze Weile, mit Kolomojskyj einen Kompromiss zu erreichen. Dem Vernehmen nach ist es Smalijchuk dabei nicht einmal gelungen, überhaupt einen Vertreter des Miteigentümers zu treffen. Das fehlende Geld ist derzeit nicht aufzutreiben und somit bleibt Smalijchuk wohl nur die Bankrotterklärung und – hoffentlich – die Neugründung des Vereins. Gleichwohl ist derzeit völlig offen, wie es weitergeht, ob und wann unter dem Namen „Karpaty Lviv“ wieder professionell Fußball gespielt wird.

 

Fusionieren Olimpik Donezk und Tschernomorets?
Dagegen scheint der ukrainische Erstligist Olimpik Donezk mittlerweile müde zu sein im Exil zu agieren und erwägt laut seinem Präsident Wladislaw Gelsin drei Möglichkeiten den Verein nach Odessa zu verlegen. Gelsin erklärte auf Sportarena: „Wir haben unsere fußballerische Heimat verloren, kein eigenes Stadion mehr und unsere Fans sind im ganzen Land verteilt. Natürlich haben wir den Verein in dieser schwierigen Situation am Leben erhalten … aber wenn es schon vorher eine Möglichkeit gegeben hätte, mit einem anderen großen ukrainischen Verein zu fusionieren, hätten wir das wahrscheinlich schon viel früher gemacht.“ Olimpik Donezk trägt seine Heimspiele momentan noch im Kiewer Valerij-Lobanowski-Stadion aus, erwägt aber den Umzug nach Odessa in drei möglichen Varianten:

- Der Rückkauf des kürzlich verkauften Stadions (wir berichteten im Juni-Newsletter darüber) von Tschernomorets und die Gründung eines gemeinsamen Klubs unter der Marke „Tschernomorets“.
- Der endgültige Umzug von Olimpik Donezk nach Odessa, wobei der Name erhalten bliebe.
- Olimpik nutzt lediglich das Stadion von Tschernomorets, ohne seine Verbindung zu Donzek zu ändern.

Welche der drei Optionen am Ende gezogen wird, hängt wohl auch von einem möglichen Kauf des Stadions von Odessa durch den Verein Olimpik Donzek ab. Wladislaw Gelsin soll sich in dieser Angelegenheit in ständigen Verhandlungen befinden.

 

Salenko: „Unsinn zwischen Ukraine und Russland“ beenden
Bei der WM 1994 schrieb Oleg Salenko Geschichte, als er gegen Kamerun (Endstand 6:1) im letzten Spiel der Vorrunde fünf Treffer erzielte und damit nicht nur einen Rekord für WM-Spiele aufstellt, sondern auch zusammen mit dem Bulgaren Hristo Stoitchkow WM-Torschützenkönig wurde. Wie das Sportportal Sport.ua berichtete, machte Salenko im April zunächst Schlagzeilen, als er gegen die Quarantäne-Vorschriften verstieß, Polizisten und Journalisten daraufhin als „Idioten“ titulierte und bei einer Vernehmung großkotzig sagte: „für ein Interview mit mir müssen Sie normalerweise bezahlen.“

Laut Sport.ua hat er nun eine Äußerung des russischen Skandalfußballers Alexander Kokorin unterstützt, als der sagte, er wünsche sich bei der Euro 2021 eine Begegnung zwischen Russland und der Ukraine. Salenko, der Länderspiele sowohl für Russland als auch für die Ukraine machte, sagte: „Es ist Zeit, diesen Unsinn zwischen der Ukraine und Russland zu beenden. Ich biete an, ein Freundschaftsspiel zwischen den Traditionsmannschaften der beiden Länder auszutragen. Das könnte auch auf neutralem Boden stattfinden.“ Er wäre in ständigen Kontakt auch mit Freunden und ehemaligen Mitspielern in Russland, die diese Idee unterstützen würden. Aber der ukrainische Verband, so Salenko „wird das natürlich niemals zulassen. Und daran wird sich in den nächsten ein bis zwei Jahren leider auch nichts ändern.“

Der Vorstoß von Oleg Salenko ist in der Ukraine natürlich nicht unbeantwortet geblieben. Auf der Webseite Day Kyiv knöpft sich der renommierte Sportkolumnist Sergej Grabowsky den Landsmann vor und resümiert: „Oleg Salenko fordert zwar nicht die Aufgabe der Ukraine aber scheint eine teilweise Kapitulation zu wollen.“ Eine jetzige Aussöhnung mit dem Aggressor auf Krim und im Donbass – auch auf sportlicher Ebene – käme einer Kapitulation gleich und führe schnurstracks zurück in die Kollaborationszeiten von Kutschma und Janukowitsch. Oleg Salenko, so Grabowsky hätte in er Vergangenheit immer wieder betont, dass er weder russisch noch ukrainisch, sondern „sowjetisch“sei. Das würde wohl beinhalten, dass er Moskau als legitime Hauptstadt und Russisch als Amtssprache auch für seine ukrainische Heimat befürworte.

In diesem Zusammenhang ist auch ein langer Text auf der russischen Website von Argumenty i Fakty interessant. Darin kommen ukrainische Sportler zu Wort, die ihre Heimat in den vergangenen Jahren in Richtung Russland verlassen haben. Dazu zählten neben anderen auch die Fußballer Viktor Onopko, Andrej Kanchelskis, Sergej Juran, Ilja Tsymbalar, Juri Nikiforow, Oleg Salenko, Sergej Schtscherbakow oder Wladislaw Ternawski, die von Teilen der ukrainischen Medien daraufhin als „Verräter“ dargestellt wurden. Die jüngsten markanten Beispiele sind die Fußballspieler Jaroslaw Rakitsky und Ivan Ordets, die zuvor Spieler der ukrainischen Nationalmannschaft waren. Nachdem sie zu den russischen Vereinen Zenit und Dynamo gewechselt waren, wurden sie von Nationaltrainer Andrei Shewtschenko nicht mehr in die Auswahl berufen.

 

„Du bist kein Pole. Zurück in die Ukraine mit dir!“
Ähnliche Probleme, allerdings seitenverkehrt, scheinen ukrainische Fußballer zu haben, die ihre Heimat in Richtung Polen verlassen haben. Wie 24TV berichtet, ist der einstige ukrainische und jetzige polnische Fußballer Taras Romanschuk Ziel diskriminierender Äußerungen geworden. Romanschuk, der bei Erstligist Jagiellonia Bialystok spielt, hatte 2018 die Staatsbürgerschaft gewechselt und ist dafür nun schon zum wiederholten Male Ziel ausländerfeindlicher Attacken geworden. Beim Ligaspiel gegen Lechia Danzig rief ein Besucher aus einer VIP-Box dem ehemaligen Ukrainer immer wieder den beleidigenden Satz zu: „Du bist kein Pole. Hau ab zurück in die Ukraine.“ Romanschuk hat gegen den Zuschauer bei der polnischen Polizei Anzeige erstattet. Die Firma, welche die betreffende VIP-Box gemietet hatte, soll sich nun in klärenden Gesprächen mit dem Verein befinden. Bereits im Februar 2019 hatte es einen ähnlichen Vorfall gegeben, als Romanschuk bei einem Spiel gegen Wisla Krakau von Gegenspieler Dominic Furman permanent „Bandera“ genannt worden war. Stepan Bandera war ein nationalistischer ukrainischer Politiker und Partisanenführer, der im Westen der Ukraine als Nationalheld gefeiert, aber im Osten des Landes wie auch in Polen, Israel und Russland als NS-Kollaborateur und Kriegsverbrecher angesehen wird. Taras Romanchuk wurde in Kovel, in der Region Volyn, geboren. Er spielt seit 2013 in Polen und lief dort bisher einmal für die polnische Nationalmannschaft auf.

 
BELARUS

 

Corona-Fälle bei belarussischen Vereinen
Nachdem auch die übrigen Fußballligen Europas ihren Spielbetrieb wieder aufgenommen haben, ist die Wyschejschaja Liha dorthin zurückgekehrt, von wo sie in der Corona-Pause weltweit die Fernsehbildschirme erobert hatte: in die Dämmerzone des europäischen Profifußballs. Dass das Virus COVID 19 trotzdem keinen Boden um Belarus macht, zeigen vermehrte Corona-Fälle unter den belarussischen Erstligisten. Wurden Informationen über kranke Spieler bisher fast immer stillschweigend weitergegeben, sickert doch immer wieder etwas an die Presse durch. So zum Beispiel, dass der amtierende Meister Dynamo Brest aufgrund der Infektion drei seiner Spieler die Partie gegen FK Smolevichi am vergangenen Freitag verschieben wollte. Wie Tribuna schreibt, lehnte der nationale Fußballverband ABFF allerdings ab. Alexander Noyok, Denis Laptew und Wsevolod Sadowski hatten eine Woche vorher gegen Neman Grodno noch in der Startelf gestanden, waren gegen Smoleviochi aber durch jüngere Spieler ersetzt worden. Der Generaldirektor von Dynamo Brest, Sergej Worobijow kommentierte die Situation im Club unter zahlreichen Fragen von Medienvertretern und Fans zur Gesundheit der Spieler vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie: „Ja, in der Tat wir haben einige Corona-Fälle im Team. Mehrere Spieler aber auch Mitarbeiter des Vereins werden gerade überprüft. Es liegen allerdings noch keine Testergebnisse vor. Die Atmosphäre im Team ist gesund und positiv. Wir halten uns strikt an alle Empfehlungen des Gesundheitsministeriums. Heute haben wir beschlossen, jungen Fußballspielern die Möglichkeit zu geben, sich zu beweisen.“

Dass das Corona-Virus auch unter belarussischen Sportlern bereits Opfer gefordert hat, beweist der Tod des nationalen Powerlifting-Champions Sergej Kusnezow. Wie die ukrainische Seite Football.ua schreibt, war der 39-jährige Athlet am 7. Juni mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert und danach positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Am 15. Juni wurde Kusnezow an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Ab dem 19. war Sergej in einem ernsthaften Zustand und weitere acht Tage später tot. Die Todesursache des Powerlifter war eine akute Herzinsuffizienz.

 

Belarus und Corona - das sagt UEFA-Präsident Aleksander Ceferin
In einem Interview auf Tut.by beantwortete UEFA-Präsident Aleksander Ceferin einige Fragen zur Corona-Krise im europäischen Fußball und dabei auch solche zur Sonderrolle der belarussischen Wyschejschaja Liha. Ceferin erklärte unter anderem: „Die UEFA hat diesbezüglich keine offiziellen Empfehlungen abgegeben, aber unsere Position zu diesem Thema war äußerst klar - die Gesundheit und Sicherheit aller Spieler und anderer Spielteilnehmer sollte unsere oberste Priorität sein. … allerdings respektiert die UEFA den Grundsatz der Autonomie ihrer Mitgliedsverbände uneingeschränkt und kann sich nicht in ihren Zuständigkeitsbereich einmischen. Es war eine gemeinsame Entscheidung des belarussischen Fußballverbandes und der staatlichen Behörden, und wir respektieren ihn.“



Berühmter Sportjournalist verliert Medienakkreditierung
In Belarus werfen die anstehenden Präsidentschaftswahlen am 9. August auch ihre Schatten auf den Fußball. Und ins Visier der Systemhüter von Aljaksandr Lukaschenka geraten längst nicht mehr nur politische Konkurrenten, sondern vor allem auch Journalisten und dabei natürlich bevorzugt die von oppositionellen Medien, die sich mit ihren zentralen Büros ins Ausland zurückgezogen haben.

Wie die Seite des Belarussischen Journalistenverbandes berichtet, hat es nun auch den berühmten Sportkommentator Alexander Putilo vom Fernsehsender BELSAT erwischt, dessen Sitz sich in Polen befindet und der von der polnischen Regierung finanziert wird. Putilo berichtet seit über 30 Jahren von Spielen der belarussischen Meisterschaft und ist zudem Vater des erst 22-jährigen Stepan Putilo, der mit seinen Telegram-Kanal „Nexta“ einer der meistgelesenen, investigativen Blogger in Belarus ist. Vor dem Spiel zwischen Torpedo-BelAZ und Dynamo Brest wurde Alexander Putilo vom belarusischen Landesverband ABFF die Akkreditierung aberkannt, offiziell weil „ausländische Medien über das Außenministerium der Republik Belarus akkreditiert sein müssen". Etwas doppelzüngig dankte ABFF BELSAT „für zahlreiche Geschichten über den belarussischen Fußball“ und zeigte sich bereit, auf die Erneuerung der TV-Akkreditierung zurückzukommen, nachdem sich die betroffenen Journalisten beim Außenministerium der Republik Belarus akkreditiert hätten.
 

Spatenstich für neues Nationalstadion in Minsk
In Minsk möchte man sich ab 2024 mit einem neuen Nationalstadion und einer ebenso neuen Schwimm-und Sprunghalle schmücken. Dafür wurden, so berichtet es die Seite Naviny, alle notwendigen Vorbereitungs- und Erschließungsarbeiten am geplanten Standort, im Osten von Minsk, am Stadion „Traktor“ in unmittelbarer Nähe des legendären Traktorenwerkes „Belarus“ abgeschlossen. Am 30. Juni fand im ebenfalls nagelneuen Dynamo Minsk Stadium ein feierlicher Baubeginn statt, an dem neben dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Nikolai Snopkow auch der chinesische Botschafter in Minsk, Tsui Tsimin, teilnahmen.

Wie naviny in einem weiteren Artikel darstellte, sollte das Stadion schon um die Jahre 2007 bis 2009 gebaut werden, doch der damit beauftragte litauische Geschäftsmann Vladimir Romanov weigerte sich am Ende, das Projekt umzusetzen. Im Frühjahr 2015 gaben die Minsker Behörden dann eine Ausschreibung für den Entwurf und den Bau einer Arena für 94 Millionen Euro in der Nähe des Traktor-Stadions bekannt. Das interessanteste Angebot kam am Ende von einem chinesischen Unternehmen. Präsident Lukaschenka höchstselbst hatte im August 2019 bei einem Treffen mit der Leitung der Präsidialverwaltung und dem Exekutivkomitee der Stadt Minsk darauf gedrängt den Baubeginn des Stadions und der Schwimm- und Sprunghalle noch in der ersten Hälfte des Jahres 2020 sicherzustellen. Wörtlich sagte er: „Wir werden ein Stadion und ein Schwimmbad bauen, denn wir brauchen beides unbedingt. Du bist kein wirklicher Staat, wenn du nicht über solche nationalen Einrichtungen verfügst“. Gleichzeitig bemerkte er: „Ehrlich gesagt, wir wissen nicht, wie man Fußball spielt und wir haben vergessen, wie man schwimmt. Aber darüber werde ich ein separates Gespräch mit den zuständigen Ministern und anderen Sportorganisationen führen.“

 

UEFA finanziert neue Kunstrasenplätze zwischen Gomel und Grodno
Auch ein fußballerisch eher unbedeutendes Land wie Belarus kann sich mal über eine Geldspritze der UEFA freuen. Gleich mehrere Quellen wie beispielsweise Tribuna berichten über die Verlegung von elf Kunstrasenplätzen zwischen Gomel im Südosten und Grodno im Nordwesten des Landes. In Minsk (RGUOR), Gomel (Lokomotiv-Stadion, Kunstfeld), Grodno (CSK Neman, Kunstfeld), Borisov (Sportschule Nr. 2) und Orsha (Sportschule Nr. 2) werden neue Standardfußballfelder in voller Größe mit hochwertiger Beschichtung gebaut. In Svetlogorsk (Stadion "Wallet"), Kalinkovichi (Schule № 2) und Rechitsa (Stadion „Central“, Kunstfeld), in Mozyr, Salihorsk und Grodno werden im Rahmen des Projekts "Starting Eleven" neue nicht standardisierte Fußballfelder angelegt. Die Arbeiten an allen Einrichtungen sollten vor Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein. Die UEFA wird Mittel aus dem Hat-Trick National Associations Support-Programm bereitstellen. Es ist seit 2005 in Betrieb und tritt 2020 in den fünften Zyklus ein - zu Ehren eines solchen Jubiläums wurde eine deutliche Erhöhung der zugewiesenen Mittel angekündigt. Es wird darauf hingewiesen, dass die Kosten für die Vorbereitung der Fundamente und die Landschaftsgestaltung der angrenzenden Gebiete von den lokalen Behörden getragen werden.

 
AUS DEUTSCHEN UND INTERNATIONALEN MEDIEN

 

Corona-Gaga in Russlands Premier Liga
Mit den Protagonisten um die Corona-Fälle in der kürzlich wiedergestarteten russischen Premier Liga beschäftigt sich Andreas Rüttenauer in einem launigen Text in der taz. Darin geht er auf einige aktuelle Absonderlichkeiten des von zahllosen Coronafällen beeinträchtigten russischen Spielbetriebs ein und lässt auch die bei in unserem Newsletter bereits ausführlich porträtierten Spieler Alexander Kokorin und Pawel Mamajew als Quarantänesünder auftreten. Beide waren vergangenes Jahr in einen Justizfall verwickelt gewesen, der für viel Aufsehen gesorgt hatte. Rüttenauer schreibt: "Dem Eindruck, dass man es mit Hygieneregeln nicht allzu ernst meint, tritt die Liga indes entgegen. So wurde am Dienstag Rostows Pawel Mamajew zur Zahlung von knapp 130 Euro verurteilt, weil er das Stadion ohne Maske betreten, Abstandsregeln nicht eingehalten und sich die Hände nicht desinfiziert hatte. Mamajew ist übrigens jener Profi, mit dem Alexander Kokorin einst prügelnd durch Moskau gezogen ist. Aber dafür kann das Virus nun wirklich nichts."

 

Ukrainischer Betrüger in renommierter FIFA-Disziplinarkommission
Ein ins Englische übertragener Text des renommierten Investigativjournalisten Arnaud Bédat, welcher in der Schweizer L’illustré abgedruckt war, findet sich auf 112International. Hier wird der Chef des ukrainischen Fußballverbandes Andriy Pavelko vorgestellt. Und zwar als notorischer Betrüger und Schwindler, der es allerdings geschafft hat, sich bis in die renommierte FIFA-Disziplinarkommission vorzuarbeiten. „Es ist, als hätten wir den Wilderer gebeten, die Jäger zu beschuldigen, gegen die Regeln verstoßen zu haben“, kommentiert einer von Pavelkos alten Bekannten dessen fast unglaublichen Werdegang.


Fußballfotos aus Russlands Provinz
Sergej Nowikow hat sich im Vorfeld der WM 2018 auf weite Wege gemacht, um das Fußballleben in Russlands Provinz zwischen Wladiwostok im weiten Osten und Nishni Novgorod oder zwischen Krasnodar im Süden und Murmansk im arktischen Norden zu fotografieren. Seine Bilder, die jetzt noch einmal in einer Auswahl auf dekoder zu bewundern sind, zeigen Plätze wahrer Spielfreude und Leidenschaft und damit auch eine Betrachtung der stetig wachsenden Kluft zwischen der Welt der Profis und der Amateure.

 

Spartak – Russlands einzig wahrer Volks-Club
Ebenfalls auf dekoder findet sich ein interessantes Porträt von Spartak Moskau, welches den Verein zwischen landesweiter Verehrung und einem langen Warten auf eine Meistertrophäe zeigt. Der Artikel illustriert auf unterhaltsame Weise, warum Spartak mehr als Russlands erfolgreichste Fußballmannschaft ist und wieso vor allem mit diesem Namen zentrale Ereignisse der sowjetischen und russischen Fußballkultur verbunden sind.

 

Ukrainische Fußballer auf ihrem Weg durch Westeuropa
Mit der Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion befasst sich ein Text auf der Webseite Futbolgrad. Darin wird die Entwicklung des ukrainischen Fußballs seit 1990n skizziert, aber vor allem jene Fußballer vorgestellt, die das Land als Auslandslegionäre in den frühen 2000ern in Frankreich, Belgien, Spanien, Italien oder Deutschland repräsentiert haben.

 
IN EIGENER SACHE



Videochallenge und Diskussion

Die Corona-Pandemie zwingt auch uns, kreative Lösungen zu finden. Unsere Seminare können derzeit aufgrund des Reiseinschränkungen nicht stattfinden; aber so wie andere im Home Office arbeiten oder sich via Skype oder Zoom zu Videokonferenzen zusammenfinden, so nutzen auch wir ab sofort die Möglichkeiten der virtuellen Medien. Zum einen interviewen wir selbst interessante Protagonisten der deutschen Fanszenen, zum anderen fordern wir einstige Teilnehmer unserer Seminare und Freunde unseres Projektes dazu auf, an einer Videochallenge teilzunehmen. Unter dem Motto „PASS THE BALL - Videochallenge - Provoking Debate“ sollen Videoclips erstellt werden, die zu Diskussionen und Debatten anregen. Die Kontroversen sollen die Wiederaufnahme der Kommunikation ermöglichen, welche während der vergangenen Wochen zwangsläufig unter der Corona-Zwangspause zu leiden hatte. Unsere Videochallenge soll allerdings vor allem Spaß machen – und es gibt außerdem die Chance, ein paar Preise zu gewinnen. Den Opener von „PASS THE BALL“ lieferte Ingo Petz vom Stadion an der Alten Försterei. Nur unwesentlich später schickte uns Yuri Konkevych vom Fanproject Volyn seinen Beitrag

Seine Frage an die Freunde und Kollegen in Belarus: War es jetzt, etwa drei Monate nach dem Alleingang der Fußballverantwortlichen in Minsk dieses Risiko wert, die Liga mit Zuschauern in den Stadien weiterzuführen? Die Frage löste eine recht lebhafte Diskussion auf unserer Facebook-Seite aus und vor allem zwei Debattenbeiträge sind es uns wert, sie hier im Newsletter kurz wiederzugeben. Zum einen war da die Antwort von Anton Martysevich aus Minsk, der schrieb: „Es ist kein Geheimnis, dass es zahlreiche Corona-Infektionen in den belarussichen Vereinen gab. Doch Informationen über kranke Spieler wurden fast immer geheim gehalten und nur in seltenen Fällen an die Presse weitergegeben. Es wird angenommen, dass der nationale Fußballverband über alle kranken Fußballspieler Bescheid wusste, aber empfahl, dass die Vereine die Spieler von der Mannschaft isolieren und weiter spielen sollten. Dies fiel vor allem dann auf, wenn auf einmal doppelt so viele junge Spieler als sonst aufliefen und die Offiziellen keine Antwort auf die Frage nach den Gründen der Abwesenheit ihrer Routiniers gaben. Es gibt ein offizielles Dokument, das Maßnahmen für die Dauer der Epidemie vorschreibt. Einer der Punkte enthält eine Empfehlung, Journalisten nicht über erkrankte Fußballer zu informieren. Auch und vor allem deshalb wurden nur wenige Spiele in der Liga verschoben.“Unser Seminarteilnehmer und Social Media-Verantwortliche für den belarussischen Erstligisten FK Sluzk, Yahor Khavanski, schrieb hingegen: „Es scheint mir, dass es in unserem (belarussischen) Fall ziemlich schwierig ist, über die „Gewinne“ zu sprechen, die uns die Fortführung der Liga beschert haben. Denn die Entscheidung, Spiele zu leiten und sie mit dem Publikum zu führen, wurde nicht vom gesunden Menschenverstand und einer Art Logik diktiert, sondern widersprach ihnen. Fußballspieler und Fans sind mehr oder weniger zu Geiseln dieser Ausnahmesituation geworden. Für kurze Zeit stand unser Fußball und unsere Vereine im Rampenlicht und einige hatten einen geringen finanziellen Nutzen davon. Immerhin wurden Übertragungsrechte ins Ausland verkauft. Aber mit der Rückkehr der Top-Ligen ist das Interesse wieder auf das alte, mäßige Niveau zurückgekehrt. Und so fällt es schwer zu ermessen, ob sich diese irrationale Entscheidung sich für einen Sonderweg zu entscheiden am Ende richtig oder falsch war."

 

Yuri Konkevych zum Zweiten
Und noch einmal kam Yuri Konkevich vom Fanproject Volyn im vergangenen Monat zu Wort. Die Fan-NGO Football Supporters Europe gab er ein größeres Interview . Darin beschreibt er seine persönlichen Erfahrungen während der Corona-Krise und gibt tiefe Einblicke in das Uhrwerk der ukrainischen Premjer Liha in den vergangenen Wochen. So erklärt er beispielsweise, dass sich mit Ausnahme der großen Clubs fast alle ukrainischen Vereine aus guten Gründen gegen eine Fortsetzung der Profiligen ausgesprochen hätten. Allerdings sei die Macht der im Fußball involvierten Oligarchen groß genug, um sich auch mit einer Minderheit gegen den Rest der Premjer Liha durchzusetzen.

 
Nun heißt es: Ab in den Sommer. Genießt die Zeit. Erholt Euch. Bleibt gesund. Und Anfang August sind wir wieder am Start mit einer neuen Ausgabe von "Doppelpass und Grätsche".

EURE FANKURVE OST