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Der aktuelle Newsletter

 

Newsletter Nr. 31 vom 27. Dezember 2018

Liebe Leserinnen und Leser! Wir hoffen, Sie hatten, Ihr hattet ein angenehmes und entspanntes Weihnachtsfest. 2018 war ein sehr intensives und spannendes Jahr für uns. Beginnend mit unserer Diskussionsveranstaltung im Januar zu der umstrittenen WM in Russland, die im Fanprojekt Berlin stattfand, über die Produktion des WM-Kulturreiseführers "Doppelpass mit Russland" für die DFB-Kulturstiftung zusammen mit n-ost und die Organisation von drei einwöchigen Seminaren zur "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" in Berlin, einem Workshop zu sozialpädagogischen Fanprojekten in Kiew, einem Arbeitstreffen bei einem entstehenden Fanprojekt in der Ukraine und einer Fanbegegnung zwischen Schachtar Donezk- und Hoffenheim-Fans beim Champions League-Rückspiel in Sinsheim. Dazu unsere Begleitung der deutschen Fanbotschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland und zahlreiche Newsletter, mit denen die gesellschaftspolitische Seite der WM und des Fußballs in Osteuropa hoffentlich ein Stück weit erhellt haben. Auch für das neue Jahr haben wir neue Pläne geschmiedet, wir haben frische Ideen und wir sind voller Tatendrang. Doch dazu in den kommenden Wochen mehr.

 

Auch für den letzten Newsletter in diesem Jahr begeben wir uns wieder in die Tiefen des osteuropäischen Fußballs, wo bereits seit geraumer Zeit die Winterpause eingekehrt ist. In Belarus endete der Ligabetrieb bereits Anfang Dezember mit dem letzten Spieltag in der höchsten Liga, die nicht - wie bei uns - jahresübergreifend spielt, sondern sich am Kalenderjahr orientiert. Wenig überraschend heißt der neue belarussische Meister: BATE Baryssau. Wir werfen einen Blick auf die Dominanz des Vereins in den vergangenen Jahren und liefern Zuschauerzahlen für die abgelaufene Saison. Ohne viel Tamtam ist der Vitali Mutko als Präsident des Russischen Fußballverbandes vor Weihnachten zurückgetreten, wozu wir einige Stimmen und Meinungen liefern. Zudem verfolgen wir weiterhin den Fall von Mamaev und Kokorin. Und in der Ukraine hat ein kanadischer Spieler (mit ukrainischen Wurzeln) ein interessantes Interview gegeben, in dem er sich auch zu politischen Fragen äußert. 


Viel Vergnügen bei der Lektüre! 

 

 

RUSSLAND
 

Mamaev und Kokorin weiter in U-Haft
Der Fall der beiden Fußballer Mamaev und Kokorin beschäftigt die russischen Medien auch im letzten Kalendermonat. Anfang Dezember hatte ein Moskauer Gericht verfügt, dass die beiden Spieler auch über den Jahreswechsel bis zum 8. Februar 2019 in Untersuchungshaft bleiben werden. Die Begründung des Richters: "Die Verbrechen wurden mit einem besonderen Zynismus und einer besonderen Grausamkeit gegenüber den Opfern begangen." Wie Tribuna berichtet, sei die Untersuchungshaft zwar lang, entspreche aber den russischen Gesetzen, wonach Beschuldigte bis zu zwei Monaten festgehalten werden können. Wenn allerdings eine besondere Schwere der Tat festgestellt wird, kann die Haftzeit bis zu einem Jahr verlängert werden. Der Moskauer Jurist Sergej Galkin hatte bereits im Oktober gemutmaßt, dass die beiden Fußballer bis zu einem halben Jahr festgehalten werden könnten, bevor es zum eigentlichen Prozess kommt. Nur bei 0,2 Prozent aller Fälle kommt es im Vorhinein zu einer außergerichtlichen Einigung. Beobachter aber sind der Meinung, dass Mamaev und Kokorin aufgrund des gesellschaftlichen Drucks, der sich im Zuge dieses Falls entfacht hat, letzen Endes von einem Gericht verurteilt werden. 


Mutkos verlässt den Fußball
Der große und auch höchst umstrittene Mann des russischen Sports, Vitali Mutko, hat vor Weihnachten sein Amt als Präsident des Russischen Fußballverbandes niedergelegt. Auf dem Sportportal Championat kommentiert der ehemalige CSKA-Spieler Evgenij Adlonin Mutkos Verdienste um den russischen Fußball und hebt die Arbeit Mutkos für die Organisation der Weltmeisterschaft in den Jahren zwischen 2008 und 2018 hervor. "Vitali Leontevich hat unseren Fußball nicht in den besten Jahren übernommen und im Großen und Ganzen hat er für eine erstaunliche Entwicklung gesorgt. Wir haben nun etwas in unserem Fußball, auf das wir tatsächlich stolz sein können. Hinsichtlich der Infrastruktur ist das unzweifelhaft. Wir haben nun tolle Stadien in verschiedenen Regionen des Landes. Das darf man einfach nicht unter den Tisch kehren - das ist ein großes Plus." Die Novaja Gazeta kommentiert indes: "Von dem leicht ironischen Spitznamen Medaillen-Leontevich ist nach den Doping-Enthüllungen von Sotschi, die immer noch andauern, nicht mehr viel geblieben. Mutko hat mit dem olympischen Betrug höchstwahrscheinlich nur indirekt etwas zu tun. Aber dass der olympische Sport kurz vor der totalen internationalen Isolation stand, ist auch sein ,Verdienst´. Vielleicht hätte er sich ausschließlich mit seinem Lieblingskind Fußball beschäftigen sollen. Denn dort hatte er - wie auch als Manager - ausreichend Verdienste, von denen vor allem die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft 2008 und das Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land in Erinnerung bleiben werden, was man ohne Mutko wahrscheinlich nicht erreicht hätte. Als Chef der RFU war er der vielleicht dynamischste und erfolgreichste, auch wenn es ihm nicht um Fußball ging. Daran kann man nichts mehr machen. Nun werden andere den Fußball entwickeln und ruinieren." Mutko war zwischen 2005 und 2009 Präsident der RFU, und von 2015 bis 2018. Die Wahlen für einen neuen Präsidenten der RFU sind für den 22. Februar 2019 geplant. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Aleksandr Djukov, Generaldirektor von Gazprom Öl.


Stalins Stadion
Einer unserer Lieblingsblogs box2box auf Sports.ru, der sich vor allem mit historischen Themen rund um den Fußball in Russland und in der Sowjetunion beschäftigt, hat mal wieder ein besonderes Thema ausgegraben. Diesmal geht es um das Zentralstadion, das Stalin unter Eindruck von Hitlers Berliner Olympiastadion in Moskau errichten lassen wollte. Bis zu 200.000 Menschen sollten in dem Monumentalbau Platz haben, zuzüglich einer eigenen Metrostation. Allerdings kam den hehren Plänen dann der Sowjetisch-Finnische Krieg im Jahr 1939 dazwischen, sodass nur ein Bunker für Stalin und Tribünen für rund 10.000 Zuschauer errichtet werden konnten. Diese existieren heute noch. Die Macher des Blogs haben den Ort im Moskauer Bezirk Izmajlowo, der heute als kleines Stadion genutzt wird, besucht.


Feldmans Spartak-Buch
Als Spartak Moskau in der Saison 2016/17 zum zehnten Mal russischer Meister wurde, widmete der Fotograf Evgeny Feldman dieser außergewöhnlichen und überraschenden Saison ein Buch. Dieses war nach Erscheinen ruckzuck vergriffen. Nun hat der Moskauer, der auch an unserem WM-Buch "Doppelpass mit Russland" mitwirkte, die digitale Version zur freien Verfügung ins Internet gestellt - zum Staunen, zum Schwelgen, zum Feiern, zum Lieben!


Union ist Union
In einer anderen Ausgabe des Blogs berichten die Autoren von der Geschichte des Sportkomplexes "Olimpiyskij" in Moskau, der für die Olympiade 1980 gebaut wurde - und zwar auf dem Gelände eines Fußballstadions, das den Namen "Burevestnik" trug. Davor, bis zum Jahre 1923, hatte das Stadion einen anderen Namen: Union. Der Autor des Beitrags, Vadim Anisimov, war in Berlin bei unserem Seminar "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" auf die Idee zu diesem Artikel gekommen - bei einem Besuch des Spiels beim Zweitligaverein 1. FC Union Berlin. Gab es eine Verbindung zwischen dem Ostberliner Verein und dem Moskauer Stadion? Anfang des 20. Jahrhunderts seien es Engländer und Deutsche gewesen, schreibt der Autor, die für die Popularisierung des Fußballs in Russland verantwortlich waren. Eine Initiative deutscher Elektrotechniker aus Hannover sei es gewesen, die 1908 einen Moskauer Verein mit Namen Union gründete. Solche Union-Vereine wurden auch in anderen Städten gegründet. Und 1914 wurde dieser Amateurverein immerhin Vizemeister der Moskauer Liga. Die Verbindung zum heutigen 1. FC Union Berlin ist allerdings eine eher vage. Einer der Väter des Moskauer Union-Klubs sei der Berliner Verein Union 1892 Berlin gewesen, der im Bezirk Tempelhof sein Zuhause hatte und der 1905 deutscher Meister wurde. Diesem Verein schloss sich der erste Vorläuferverein des heutigen Berliner FCU an, und zwar 1906. Als dieser sich 1909 als SC Union 06 Oberschöneweide selbstständig machte, übernahm man das Union der Tempelhofer für den neuen Vereinsnamen.

 

UKRAINE 

"So aber verlierst du die Demokratie"
Andrej Sen´kiv, Reporter bei Tribuna, hat ein spannendes Interview mit dem Kanadier Aramis Kuzin geführt, der in der zweithöchsten Klasse der Ukraine für den Verein FK Obolon Kyiv spielt. Kuzin hat eine kanadische Mutter. Sein Vater ist Ukrainer. In seiner ersten Frage will Sen´kiv wissen, warum Kuzin ein Angebot in der Ukraine angenommen habe, obwohl er Englisch spricht. "Viele Ukrainer können aus einem Grund nicht in Europa spielen - sie sprechen kein Englisch." Kuzin meint, dass sich das zufällig entwickelt habe. Er sei bei den Großeltern im Urlaub gewesen und habe, ums sich fit zu halten, bei Obolon trainiert und schließlich von dem Verein ein Angebot erhalten. Kuzin berichtet, dass er in Kanada von einer Trainerin das Fußballspielen erlernt habe, dass er zuweilen aufgrund seines schlechten Russisch und der kulturellen Unterschiede Probleme in der Ukraine habe, bei denen ihm aber seine Großeltern helfen. Sen´kiv erwähnt, dass es in der Ukraine Probleme mit Homophobie und Sexismus im Fußball gebe. Er fragt Kuzin, ob er ein Comingout für einen Fußballer in der Ukraine für realistisch halte. Kuzin: "In meinen Mannschaften gab es niemanden, der darüber offen gesprochen hätte. Aber in Amerika geht auch niemand hinaus und veröffentlicht eine Erklärung dazu. Vielleicht in gesellschaftspolitischen Fällen, wenn es um den Kampf gegen Diskriminierung geht... wenn ich hypothetisch darüber nachdenken soll, was in Kiew passieren würden, wenn sich jemand outen würde, dann weiß ich das auch nicht so ganz... In der Ukraine bin ich damit noch nicht konfrontiert worden." Sen´kiv: "Als Sie in die Ukraine gefahren sind, hatten Sie keine Angst wegen des Krieges?" Kuzin: "Natürlich, als 2014 die Revolution war, das mit der Krim passierte, und das in der Ostukraine, wusste ich davon - das war ja alles in den Nachrichten. Großvater, Großmutter, die Familie meines Onkels waren ja davon betroffen. Als ich schon das zweite Mal in die Ukraine kam, verstand ich, dass die Leinwand, über die das Leben der Ukrainer abläuft, durch diese Ereignisse sehr eingeschränkt ist. Aber für einen Menschen, der in Kiew lebt und der nicht voll und ganz den Kern vieler Fragen versteht, spüre ich keine Gefahr, und auch Bedrohungen habe ich nicht erlebt. Angst habe ich jedenfalls nicht." Dann erklärt Sen´kiv, dass viele ukrainische Fußballer sich nicht über den Krieg äußern wollten, da sie versuchen, sich "außerhalb der Politik" zu positionieren. Kuzin erwidert darauf: "In der Ukraine sowie in jeder anderen Gesellschaft sollte man danach streben, ein eigenständiger Teilnehmer in Entscheidungsprozessen zu sein. Wenn alle die Position von Fußballern einnehmen würden, wäre das sehr seltsam. Stellen Sie sich vor - "Sport außerhalb der Politik", "Maschinenbau außerhalb der Politik", "der Dienstleistungssektor außerhalb der Politik" und so weiter. So schaffst du doch nur Sinnlosigkeit, wenn es da ein Land gibt und alle ihren Kopf in den Sand stecken, Dann verlieren wir die Fähigkeit, eine demokratische und gerechte Gesellschaft zu schaffen. Wir ziehen uns als einzelne daraus zurück - aus der Politik, die aber nichts anderes ist als die Interaktion von Meinungen, Sichtweisen und Positionen. So aber verlierst du die Demokratie."


Die Rückkehr der Königsklasse
In der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat es schon seit längerer Zeit kein Spiel der Champions League mehr gegeben, da Dynamo Kiew mittlerweile Stammgast in der Europa League ist. 2016/17 spielte man das letzte Mal in der Königsklasse, schied aber bereits in der Gruppenphase aus. Anders als Schachtar Donezk, die seit geraumer als Dauergast in der Champions League spielen. Da in einigen Gebieten der Ukraine das Kriegsrecht gilt, musste das Spiel Shachtar Donezk - Olympique Lyon am 12. Dezember 2018 in Kiew ausgetragen werden, und zwar im Olympiastadion. Eigentlich spielen die "Maulwürfe" ihre Heimspiele in Charkiw. Tribuna-Reporter Danil Vereitin, ehemaliger Teilnehmer unseres Seminar "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft", war vor Ort und hat sich die Stimmung vor und im Stadion angeschaut und mit Fans gesprochen. 


Die Kiew-Liga
Einen humorvollen Artikel bringt ein Blog auf dem Sportportal Tribuna. Was wäre, wenn sich der hochklassige Fußball in der Ukraine lediglich auf die Hauptstadt Kiew konzentrieren würde? Welche Vereine würde an diesem Wettbewerb teilnehmen? In welchen Stadien würden sie spielen? Welche Rivalen hätten diese Teams? Dass es in Kiew keine spannenden Derbys auf höchstem Niveau wie in beispielsweise in London gebe, so schreibt der Autor, liege daran, dass die Dominanz von Dynamo von Seite des zentralistisch organisierten Sowjetstaates in den 1950er Jahren etabliert wurde. In den 1930ern habe es diese Kiewer Derbys noch gegeben. Die teilnehmenden Vereine in der Kiew-Liga wären: natürlich Dynamo, das allerdings wieder im altehrwürdigen Lobanowski-Stadion spielen würde. CSKA Kiew, ein Verein, der 1934 als Armeesport-Klub gegründet wurde, der 2001 in FC Arsenal Kyiv umbenannt wurde und der seit 2013 seine Wiederauferstehung als Amateurverein lebt. Dann: FC Arsenal Kyiv, ebenfalls ein Verein, der in der Sowjetunion gegründet wurde, der nach dem Zusammenschluss mit CSKA zwischen der höchsten Spielklasse des Landes und der zweiten hin und her wechselte, der wie viele ukrainischen Vereine bankrott ging, und der heute in der Premjer Liha spielt. Weiter: Obolon Kyiv, ein typischer Bezirksklub, der der gleichnamigen Bierfabrik gehört und der atuell in der zweithöchsten Spielklasse des Landes spielt. Nummer 5 und 6 im Bunde: Lokomotiv Kyiv und Zirka Kyiv, ein Amateurverein, der 2000 aus einer Fußballschule heraus gegründet wurde. 

 

BELARUS


BATE, BATE, BATE!
Am Ende des Jahres sind die gesellschaftspolitisch relevanten Themen im belarussischen Fußball entsprechend rar gesät, so konzentrieren wir uns ausnahmsweise auf die sportlichen Belange. Denn am 2. Dezember 2018 ging die Saison 2018 in der höchsten Spielklasse von Belarus zu Ende, die außerhalb von Belarus nur die wenigsten interessieren dürfte. Nicht unerwartet holte sich BATE Baryssau die Meisterschaft, nach der Unabhängigkeit im Jahr 1991 zum 15. Mal insgesamt und zum 13. Mal (!) hintereinander. In einem Beitrag auf Tribuna lässt der Autor die Meisterschaften des Vereins, der von der staatlichen Automobilfabrik in der Stadt Baryssau gesponsert wird, seit 2006 Revue passieren. Während die Meisterschaft 2017 bis zum Ende sehr offen war, weil sich BATE gegen den Konkurrenten von Dinamo Minsk nur aufgrund des besseren Torverhältnisses durchsetzen konnte, gewannen die Blau-Gelben das aktuelle Turnier mit einem Abstand von neun Punkten gegenüber dem Zweitplatzierten, der diesmal Schachzjor Salihorsk hieß. Dinamo Brest, der Verein, dessen Geschicke wir aufgrund der bizarr-spektakulären Verpflichtung von Maradona als Präsidenten in diesem Newsletter näher verfolgt haben, landete am Ende auf einem enttäuschenden sechsten Platz.


Dinamo Brest bei Zuschauern auf Platz 1
Ebenfalls auf Tribuna findet sich ein Beitrag mit Zahlen und Fakten rund um die Zuschauerzahlen der abgelaufenen Saison. Diese sind interessant, weil sie zeigen, wie sehr der belarussische Fußball zu kämpfen hat, um die eigenen Leute ins Stadion zu holen. Anstatt den eigenen, lokalen Verein zu unterstützen verfolgt man lieber die Spiele von Real Madrid, Arsenal London oder Juventus Turin in der Champions League im Fernsehen. Für die Saison 2018 kann Dinamo Brest das beste Zuschaueraufkommen nachweisen, durchschnittlich fanden 6572 Anhänger den Weg in den Brester Sportkomplex, was 1,91 Prozent der Bevölkerung der Stadt am Bug ausmacht. BATE kommt in der Rangliste auf dem zweiten Platz, mit durchschnittlich 5200 Zuschauern pro Heimspiel, und FK Vizebsk belegt mit 3359 zahlenden Gästen den dritten Platz. Auf dem letzten Platz der Zuschauertabelle liegt der FK Minsk mit gerade mal 440 Anhängern. Das am besten besuchte Spiel der Saison war die Begegnung Dinamo Minsk gegen BATE mit 10800 zahlenden Zuschauern. Zuletzt noch eine Zahl aus der zweithöchsten Spielklasse, deren Spiele von durchschnittlich 420 Zuschauern besucht wurden.


Unions Weihnachtssingen
Seitdem wir unsere Seminare zur "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" veranstalten, begeistern sich nicht wenige unserer ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die lebendige Fankultur des 1. FC Union Berlin. So berichtet Yahor Khavanski beispielsweise für die Zeitung Nasha Niva seit zwei Jahren von dem Weihnachtssingen, das die Unioner in ihrem Stadion, der Alten Försterei, veranstalten und bei dem rund 28.5000 Menschen zusammen kommen. So auch in diesem Jahr. Der Artikel berichtet auch von der Entstehung des Weihnachtssingens, als 89 Unioner im Jahr 2003 über die Zäune des Stadions kletterten, um auf der Tribüne gemeinsam Union- und Weihnachtslieder zu singen. 

 

AUS DEUTSCHEN UND INTERNATIONALEN MEDIEN


Mutkos Abgang
Der Rücktritt des längst berüchtigten Vitali Mutko als Präsident des Russischen Fußballverbandes, der am 19. Dezember 2018 vermeldet wurde, war aufgrund der Gerüchte, die seit Wochen durch die russischen Medien waberten, nicht sonderlich überraschend. Während Mutkos Rücktritt als Chef des WM-Organisationskomitees Anfang 2018 auch von den deutschen Medien umfassend analysiert und erörtert wurde, sucht man nach solchen Kommentaren in der deutschen Presse nun vergeblich. Nur als kurze Nachricht fand die Entscheidung des 60-Jährigen Eingang in die deutsche Presselandschaft. Hajo Seppelt, der Mutkos mutmaßliches Dopingsystem, als Journalist aufgedeckt hatte, fragte auf Twitter: "War der Druck einfach zu hoch oder handelt es sich um einen strategischen Schritt - oder beides?"


"Die halbe Welt hat zugeschaut"
Am Ende des WM-Jahres hat die FIFA die TV-Zahlen und Einschaltquoten für das Turnier in Russland bekannt gegeben. Nach Angaben des Fußball-Weltverbandes sei das Turnier ein außerordentlicher Erfolg gewesen. Auf Deutschlandfunk ist dazu zu lesen: "Demnach haben fast 3,8 Milliarden Zuschauer die Spiele mindestens teilweise im Fernsehen, im Internet oder beim Public Viewing verfolgt. Allein das Finale zwischen Frankreich und Kroatien sahen gut 1,1 Milliarden Menschen."


Ein Mexikaner in Russland
Eine menschliche Geschichte zum Jahresausklang des WM-Jahres liefert die ARD-Sportschau in einem kurzen Stück. Die Sendung berichtet von einem mexikanischen Fan, der nach dem Turnier in Russland blieb und in Jekaterinburg zusammen mit zwei anderen Fans eine Kneipe eröffnete. Die Sport-Journalistin und Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein wiederum liefert in einem Beitrag für ZDF Sport Extra einen persönlichen Blick hinter die Kulissen ihrer Arbeit während der WM, bei dem man einiges über den Medienzirkus eines solchen Turniers erfährt. 


Spartak-Fans gegen Gluschakow
In seiner taz-Kolumne Russisch Brot beschäftigt sich der Journalist Andreas Rüttenauer diesmal mit dem russischen Fußballer Denis Gluschakow, seines Zeichens Kapitän der Mannschaft von Spartak Moskau, die vor zwei Jahren russischer Meister wurde, aktuell aber durch ein Tal der Tränen watet. Entsprechend wurde im Oktober - wir berichteten - der italienische Massimo Carrera entlassen, was zu Fanprotesten führte. Als Schuldigen für die überraschende Überlassung haben viele Fans aus Reihen der Ultras eben Gluschakow ausgemacht. Warum? "Nach einer peinlichen Niederlage gegen Achmat Grosny zu Beginn der Saison hatte Gluschakow ein Gedicht mit einem Herz versehen, das der Moskauer Volksschauspieler Dimitri Nazarow auf Instagram gepostet hatte. Indirekt verlangte der nach eigenen Angaben glühende Spartak-Fan darin die Entlassung des damaligen Trainers Massimo Carrera. Der Italiener war stinksauer und suspendierte den Kapitän umgehend. Auch Verteidiger Andrei Eschtschenko, der Nazarows Verse ebenfalls beherzt hatte, wurde von Carrera aus der Mannschaft geworfen. Seit der wohl einmaligen Entscheidung Carreras, Spieler wegen eines Likes in sozialen Medien rauszuschmeißen, ist die Kurve in Aufruhr. Um Gluschakow ranken sich die wildesten Verschwörungstheorien." Der Vorwurf der Fans: "Gluschakow soll sein Amt als Kapitän missbraucht haben, um Spieler dazu zu bewegen, gegen Carrera zu spielen, Spiele absichtlich abzuschenken, damit der Trainer seinen Job verliert."


Reise nach Poltawa
CNN erzählt die Geschichte des Portugiesen João Monteiro, der 2439 Kilometer reiste, um seinen Klub Sporting Lissabon beim Europa League-Spiel am 4. Oktober gegen den ukrainischen Vorskla Poltava zu sehen. Einen Trip, den er auf keinen Fall bereue, wie der 32-Jährige sagt. Von London ging es per Flug nach Kiew, wo sich Monteiro mit dem Mietwagen auf den Weg nach Poltawa machte. Er berichtet von der Gastfreundlichkeit der Einwohner von Poltawa, von den schlechten Straßen und natürlich von dem Spiel, das Sporting 2:1 gewinnen konnte. Außer Monteiro waren noch vier weitere Sporting-Anhänger im Stadion. 

 

IN EIGENER SACHE


Nachgereichte Berichte
Bereits in der letzten Ausgabe unseres Newsletters haben wir von unserer Reise in die Ukraine berichtet, wo wir ein Arbeitstreffen bei dem entstehenden Fanprojekt in der Kleinstadt Synelnikowe abgehalten haben. Unser Bericht erzählt von dieser spannenden Reise. Ebenso reichen wir den Bericht über unsere Fanbegegnung nach, die wir Ende November in Sinsheim organisiert haben. In der Kleinstadt, wo der Verein TSG Hoffenheim sein Stadion hat, und in der Region trafen 50 Fans des ukrainischen Klubs Shachtar Donezk auf Hoffenheim-Fans. 


Belebung der Fankultur in der Ukraine
Einen bemerkenswerten Beitrag hat der Ukrainer Volodomir Greb´onkin geschrieben. Er ist einer der führenden Köpfe der Fangruppe Lucky Fans um den Verein Veres Rivne, über den wir an dieser Stelle häufiger berichtet haben und der zurzeit in der dritthöchsten Klasse des Landes spielt. Zudem hat Volodomir an unserem Seminar "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" im November 2018 in Berlin teilgenommen, und an unserem Arbeitstreffen im selben Monat in Synelnikowe. Auf der Seite der Profesional´na Futbol´na Liga, die den unterklassigen Profifußball in der Ukraine organisiert, erörtert er auf Grundlage der Erkenntnisse, die er in Berlin gewonnen hat, was in der Ukraine passieren muss, um die Vereine und die Fankultur zu beleben. Dazu beschreibt er, wie die Fanszene des 1. FC Union Berlin sich selbst organisiert, um Auswärtsfahrten oder Choreographien zu bezahlen, um eigene Interessen durchzusetzen oder soziale Projekte umzusetzen. Er erklärt die Arbeit von sozialpädagogischen Fanprojekten und den Sinn einer Stiftung, die im Umfeld eines Fußballvereins gegründet wird. Volodomir schreibt: "Ukrainische Klubs müssen darüber nachdenken, ihren (potenziellen) Fans mehr als nur ein Spiel mit einem bestimmten Rivalen zu geben... Der Verein sollte Werte haben, deren Verkörperung sich nicht nur in der Stadt, in der die Mannschaft zeigen, sondern die auch das ganze Land zum Besten verändern."

 

Sieg bei der Jahresabschlussfeier
Beim gemütlichen Jahresausklang unserer Freunde vom Berliner Verein Gesellschaftsspiele, der am 17. Dezember 2018 in der Berliner Szenekneipe BAIZ stattfand, haben wir unser Projekt Fankurve Ost vorgestellt und unser Projektjahr Revue passieren lassen. Zudem konnte das Team, in dem zwei Leute von Fankurve Ost vertreten waren, das Pubquiz zum Thema Fankultur gewinnen, was natürlich, hüstel, für unsere geballte Fachkompetenz spricht. 

 

 

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir einen starken Start im neuen Jahr 2019. Wir bedanken uns bei unserem Träger, dem DRA e.V., für die konstruktive Zusammenarbeit, und bei allen, die uns immer wieder unterstützen - mit Zeit, Erfahrung und Wissen, mit Rat und mit Tat, mit finanziellen Zuwendungen und mit Zuspruch! Ohne Sie, ohne Dich, ohne Euch würde es Fankurve Ost nicht geben. Дякуemo, дзякуй, спасибо! DANKE! Wir sehen, wir hören, wir lesen uns - im neuen Jahr!

EURE FANKURVE OST