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Newsletter Nr. 48 vom 6. Oktober 2020
Liebe Leserinnen und Leser! Es ist soweit! „Lasst uns über Fankultur sprechen“ (auf Russisch: Pogovorim pro fankulturu) - So heißt unser neuestes Projekt, das wir seit Juni 2020 umgesetzt haben. Da wir aufgrund der Corona-Krise in diesem Jahr keine physischen Seminare und Workshops zur „Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft“ für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Belarus, Russland und der Ukraine durchführen können, ist die Idee einer virtuellen Wissensplattform zur engagierten Fankultur entstanden. Für die Filme haben wir uns mit Institutionen, Initiativen, Akteurinnen und Akteuren aus der vielfältigen Fankultur getroffen, die uns ihre Arbeit erklären und von ihren Projekte berichten. Die zehn Filme sind jeweils rund 20 Minuten lang und werden in den nächsten Wochen nacheinander auf unserem YouTube-Channel präsentiert. Sie sollen einen Eindruck von der vielfältigen Fankultur und deren zivilgesellschaftlichen Bedeutung in Deutschland vermitteln – für aktive Fans, Vereins- und Verbandsmitarbeiter, Journalisten und andere Interessierte in Osteuropa. Für den Pilotfilm, der aus zwei Teilen besteht, haben wir uns mit unserem langjährigen Partnern vom Fanprojekt der Sportjugend Berlin getroffen (siehe Foto) und uns mit dem Leiter des Fanprojektes, Ralf Busch, und Mitarbeiter Thomas Jelinski über deren Arbeit unterhalten.

In den nächsten Teilen berichten die Eiserne Hilfe, Fan:tastic Females, der Blog Textilvergehen oder der Berliner Verein Gesellschaftsspiele von ihrer Arbeit und ihrem Engagement. Die Filme werden von Alesja Belanovich-Petz moderiert. Umgesetzt wurden sie von Alexfilm Berlin. Das Projekt wird aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert und zusätzlich von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) und dem Fanprojekt der Sportjugend Berlin unterstützt. Den ersten Film präsentieren wir am morgigen Mittwoch auf unserem YouTube-Channel dAch TV und über die sozialen Medien wie Facebook etc.. Und nun Vorhang auf: für den Trailer der Filmreihe.


Foto: Alexfilm Berlin

In unserer neuen Newsletter-Ausgabe beschäftigen wir uns wieder eingehend mit der Rolle des Fußballs und Sports bei den Protesten gegen das Regime Lukaschenka. Wir schauen nach Russland, wo Fans, die sich mit der Bewegung in Belarus solidarisiert haben, nun von Polizei und Staatsapparat verfolgt und bestraft werden. Und in der Ukraine macht die Corona-Krise weiterhin dem Fußball das Leben schwer, während die Dynamo-Ultras dem neuen Trainer das Leben schwer machen.

Viele Erkenntnisse bei der Lektüre!
 
BELARUS


Auch fast zwei Monate nach den offensichtlich gefälschten Präsidentschaftswahlen in Belarus hält Machthaber Aljaksandr Lukaschenka immer noch an seinem nicht mehr legitimierten Posten fest, während es im Land Land im Wochentakt zu Massendemonstrationen und Massenfestnahmen kommt. Wie wir im vorangegangenen Newsletter berichteten, kann sich auch der belarusische Sport im Allgemeinen und der Fußball im Besonderen in dieser Situation nicht gänzlich neutral verhalten. Wir wollen deshalb hier nochmal in vollem Umfang von Aktionen berichten, in denen Fußballer und Fußballjournalisten in den vergangene vier Wochen staatlicher Willkür ausgesetzt waren oder Fans und Spieler gegen den Gewaltexzess der Sicherheitsbehörden und den Bruch verfassungsgemäßer Grundsätze protestierten. Am Ende stellen wir das neue Trikot eines belarusischen Erstligisten vor, auf das sich wohl kaum unabsichtlich Symbole der aktuellen Oppositionsbewegung geschlichen haben.

 

Fast 100 Fußballer protestieren gegen Gewalt
Wie auf der Sportseite von tut.by zu sehen ist, veröffentlichten Mitte September nahezu 100 Fußballer der ersten und zweiten belarusischen Liga, belarusische Kicker, die im Ausland aktiv sind, sowie verschiedene Akteure der Jugend- und Junioren-Nationalmannschaften ein Video, in dem sie sich gemeinsam gegen die Grausamkeit der staatlichen Sicherheitskräfte während der Protestaktionen nach den offenbar gefälschten Präsidentschaftswahlen aussprechen. Unter ihnen sind Jegor Filipenko, Stanislaw Dragun, Pawel Nekaitschik, Witaly Gaidutschik, Dmitry Baga, Pawel Rybak und Wladimir Buschma. In der Erklärung der Initiatoren heißt es: „Wir haben dieses Video aufgenommen, weil wir nicht schweigen können. Schweigen, wenn sie unsere Leute, Freunde, Kollegen schlagen. Wir sind Fußballer verschiedener Mannschaften, aber desselben Landes.“ Die Fußballer sprechen in dem Video den Familien der Opfer ihr Beileid aus, schicken den Misshandelnden unterstützende Worte zu und fordern ein Ende der Gewalt. Die Spieler stellen in dem Video außerdem fest, dass sie „wie alle anderen Menschen in Belarus in der Verfassung verankerte Rechte besitzen.“

Auffällig ist, dass in dem Video keine Fußballer des aktuellen Meisters Dinamo Brest auftauchen. Eigentümer Aleksandr Zajtsev gilt als Freund und Unterstützer Lukaschenkas und versucht offenbar,  jede Teilnahme an Protesten seines Vereins im Keim zu ersticken. Wie auf dem Twitter-Kanal von Tribuna.by zu lesen ist, kommentierte der Cheftrainer von Dinamo Brest, Sergei Kowaltschuk, die Abwesenheit seiner Spieler in dem Video so:„Niemand hat mich angesprochen. Ich weiß, dass es einen Appell gab. Aber ich habe keine Ahnung, warum er ohne unsere Spieler gemacht wurde.“

Wenige Tage vorher hatte sich der Mittelfeldregisseur des Erstligisten FK Sluzk, Juri Kaslou, mit einer Videobotschaft an seine Follower gewandt und das sofortige Ende von Verhaftungen und Gewalt gefordert.

Die Aktionen wurden auch von Walery Isajew kommentiert, der als einer der einflussreichsten Spielerberater in Belarus gilt und schon in unsren beiden vorhergegangenen Newslettern eine Rolle spielte. Auf der Facebookseite der in Belarus mittlerweile komplett blockierten Webseite von Tribuna.by erklärt Isajew unter anderem: „Natürlich ist die Unterstützung von Fußballern aller Ligen und aller Mannschaften für die Belarusen jetzt wichtig. Doch bisher hat unser wichtigster und unpolitischster Verband den Fußball des Landes hart im Griff … die Helden des Landes sind aber längst Inhaber anderer Berufe: Bergleute, IT-Spezilisten, Kellner, Eisenbahner oder Ärzte. Heute sind die Helden unsere Mütter, Schwestern und Töchter!“

 

Wassily Khomutowski erklärt Entlassung bei Dinamo Brest
Ebenfalls auf der Webseite Tribuna.by ist ein Interview zu lesen, welches der ehemalige Nationaltorhüter und mittlerweile entlassene Torwart-Trainer bei Dinamo Brest, Wassily Khomutowski, dem belarusischen Video-Kanal „Жизнь-малина“ („Das Leben, eine Himbeere“) gegeben hatte. Darin spricht Khomutowski unverblümt über die Situation in Belarus und erklärt als aller erstes: „Ich habe eine bürgerliche Position und werde diese nicht aufgeben.“ Er habe erst vor kurzem einen Anruf der Clubleitung bekommen, worauf es ein Gespräch und die folgende Entlassung gegeben hätte. „Vielleicht haben sie alle meine Statements gesammelt. Aber ich habe dem Club immer erklärt, warum und wofür ich was gesagt habe. Wir sind jetzt zwar im Jahr 2020, aber all das erinnert eher an 1937, als Stalin alle abholen ließ, die irgendwie abweichender Haltung waren. Khomutowski, der aus einer Familie voller Polizisten kommt, erklärte außerdem: „Ich habe meinen Vater, seine Brüder und meinen Großvater, die alle bei der Polizei waren immer sehr respektiert und bewundert für ihre Tätigkeit. Wäre ich nicht Fußballer geworden, dann wäre ich in jedem Fall in einer Polizeiakademie gelandet.“ Er sei, so der ehemalige Profifußballer, nun aber froh, dass seine Altvorderen alle im Ruhestand seien, denn das was die Sicherheitskräfte jetzt gerade zeigen, sei eine Schande. Abschließend sagte Khomutowski hinsichtlich seiner privilegierten Stellung: „Während meiner Karriere habe ich mehr als eine Million Dollar verdient. Aber ich habe im Ausland Geld verdient, dort Steuern gezahlt und in Belarus investiert. In unserem Land gibt es viel zu viele Menschen, die hart in Fabriken arbeiten und im Verhältnis zum Arbeitsaufwand wenig verdienen. Ich schäme mich nicht, ihnen in die Augen zu schauen, weil ich mein ganzes Geld im Ausland verdient habe. Ich möchte den Betrag nicht nennen, weil ich verstehe, dass die Menschen in unserem Land viel weniger verdienen, als sie sollten.“

Dass es für protestierende Spieler und Funktionäre auch Unterstützung gibt, zeigt diese Foto auf Twitter. Hier wird die Solidarität mit sowohl Khomutowski als auch Mihail Zalewsky erklärt. Letzterer ist ehemaliger Polizei-Offizier und Generaldirektor bei BATE Baryssau. Er warf als einer der Ersten seine einstige Uniform in einen Müllcontainer und erklärte: „Ich schäme mich für diese Brutalität gegenüber friedlichen Demonstranten“. Wie Pressbol nur wenige Tage nach dem Protest berichtete, war der Vertrag von Zalewsky mit BATE am 1. September, angeblich in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst worden. Der Klub erklärte: „Der Vertrag wurde mit Zustimmung der Parteien gekündigt. Mihail Leonidowitsch traf diese Entscheidung im Zusammenhang mit dem Wunsch, maximale Zeit für die Erlangung einer zusätzlichen Ausbildung im Bereich Fußball zu brauchen. Wir danken Mihail für die fruchtbare Arbeit zugunsten der „Gelb-Blauen“ und werden uns immer freuen, ihn wiederzusehen!“

Eine eher unfreiwillige Kehrtwende in Sachen Ausbildung und Karriere musste auch die ehemalige Pressesprecherin von Dinamo Brest, Olga Khizhinkova, vollführen. Wie auf dem Sport-Portal von tut.by zu lesen ist, musste sie die sogenannte „National School of Beauty“ verlassen, wo sie eine Ausbildung zur Kosmetikerin und Stylisten absolviert hatte. Khizhinkova, die sehr sichtbar an zahlreichen Proteskundgebungen teilgenommen hatte, erklärte dazu: „In jüngster Zeit wird die berufliche Eignung der Belarusen ausschließlich aufgrund ihrer politischen Ansichten bestimmt. Das ist das besondere Verständnis unserer Regierung zu dem Begriff „Gleichheit“.

 

BATE-Spieler erklären Bewunderung für inhaftierte Baketballspielerin
Zahlreiche Solidaritätsbekundungen für die Protestbewegung von Seiten in Belarus aktivier Fußballer sind sind bekannt. Dennoch, so ist es auf tut.by zu lesen, erklärten die beiden Nationalspieler von BATE Baryssau, Stanislaw Dragun und Nikolai Signevitsch, in Videobotschaften ihre Unterstützung für die inhaftierte Basketballspielerin Elena Lewtschenko. Dragun schrieb auf Instagram: „Lena, halt aus. Ich habe deine Leistung für die Nationalmannschaft immer bewundert. Jetzt bewundere ich, was Du für das belarusische Volk tust.“ Und Signewitsch sagt: „Ich bin stolz darauf, was du für die Belarusen tust.“. Elena Lewtschenko ist eine der besten Basketballerinnen in der Geschichte von Belarus. In Protestmärschen zeigte sie sich stets in vorderster Front und war deshalb dafür Ende September zu einer Haft von 15 Tagen verurteilt worden. Mit ihr ist die bisher populärste Sportlerin des Landes mit einer drakonischen Strafe belegt worden. Das hat nun auch andere Fußballer zu Solidaritätsbekundungen veranlasst:

Wie Pressbol berichtet, sind die Spieler des Zweitligisten „SMIavtotrans“ bei ihrem jüngsten Spiel mit Bildern und Spruchtafeln zum Fall Elena Lewtschenko aufgelaufen. Auch vor dem Startpfiff hielten die Spieler eine Aktion der Solidarität ab. Die Teams blieben eine Weile still stehen und klatschten dann. Eine Art Protest, der, so ist es auf Facebook zu sehen, sogar erst 16-jährige Nachwuchsspieler aus Gomel und Minsk bei einem Aufeinandertreffen zeigten.

 

Der FK Krumkrachy bei Protesten immer vorn dabei
Wie das Portal tut.by zeigt, ist es in der zweiten Liga von Belarus bisher vor allem der FK Krumkrachy gewesen, der sich in irgendeiner Form gegen das gewalttätige Regime von Machthaber Lukaschenka positionierte. Schon Anfang September war das Team im Pokalspiel gegen Dynamo Minsk mit einem T-Shirt aufgelaufen, auf dem ein Slogan gegen Gewalt gedruckt war. Dafür und für eine einminütige Gedenkaktion für die Opfer gewalttätiger Übergriffe von staatlichen Organen auf friedliche Demonstranten unmittelbar vor dem Spiel hatte der nationale Fußballverband eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 1.200 Euro ausgesprochen.

Beim Pokalspiel gegen den Erstligisten FK Isloch ließen nun beide Fangruppen keine Frage offen, wem ihre Sympathie in den politischen Auseinandersetzungen gehört. Wie Fotos auf dem Twitterkanal von Tribuna zeigen, stellten sich die Fans beim Abspielen der Nationalhymne nicht nur mit dem Rücken zum Spielfeld sondern zeigten auch die Hand-Symbole der Opposition.

Wie das Portal tut.by berichtet, wendeten sich auch zahlreiche Anhänger von Krumkrachy vom Spielfeld ab und ahmten die Pose von Verhafteten nach. Diese Geste wurde auch von Anhängern des Zweitligisten FK Lida kopiert und wohl erstmals beim Zweitligaspiel FK Krumkrachy gegen Lokomotive Gomel am 12. September gezeigt.



Banner bei Dynamo für die Toten der Proteste
Dass es auch beim Hauptstadtklub Dinamo Minsk noch Protestpotential gibt, davon kündet ein Artikel auf Pressbol. Beim Heimspiel gegen Meister Dinamo Brest hatten die Heimfans vor dem vollständig verwaisten Fanblock ein unübersehbares Banner mit den Namen Artem Parukow und Alexeij Demidow gespannt. Parukow und Demidow waren beide aktive Fans von Dinamo Minsk und im Zuge der Massendemonstrationen aus bisher ungeklärter Ursache ums Leben gekommen. Nach dem Spiel war die gesamte Mannschaft von Dynamo Minsk auf den leeren Sektor zugelaufen und hatte in Richtung der Transparente applaudiert.
 

Auch Sportpresse in Belarus unter Druck
Auch die Fußballfachpresse in Belarus steht, nachdem sie offen über Protestaktionen berichtet und im Falle von Pressball sogar eine Unterschriftenaktion initiiert hatte, unter Druck. Die Online-Seite von Tribuna.by, einem Ableger der in Russland überaus populären Sportseite sports.ru ist mittlerweile komplett in Belarus blockiert. Und auch die zweimal die Woche erscheinende Sportzeitung Pressball wird versucht von staatlicher Seite aus zu schwächen. Mittlerweile ist es staatlichen Unternehmen verboten, dort Anzeigen zu schalten oder Abonnements abzuschließen. Den Höhepunkt stellte die Inhaftierung des populären Pressball-Reporters Sergej Schurko dar. Dazu erklärte der frühere Chefredakteur von Pressball, Sergej Kaiko: „Sergej Shchurko ist im Gefängnis in der Akrestina-Straße gelandet und wird dort 15 Tage festgehalten. Dass ist das klare Signal dafür, dass jeder gute Journalist in diesem Land gut beraten ist, in diesen Tagen ständig eine Zahnbürste und eine Hygienetasche bei sich zu tragen.“

Schurko, der mittlerweile wieder auf freiem Fuß ist, berichtet in einem Interview für Pressbol: „Ich verstehe mittlerweile, dass das Rechtssystem in unserem Land einfach zusammengebrochen ist. Die ständigen Rechtsbrüche werden von der anderen Seite begangen, aber komischerweise sind wir es, die sich dafür schämen." Und über die Haftbedingungen: „Ein großer Vorteil ist es, dass man in den Zellen Menschen aus den verschiedensten Bereichen unseres Lebens trifft. In jeder Zelle gibt es mindestens einen IT-Spezialisten. Das Land ist also auf dem richtigen Weg. Und es gibt immer etwas wichtiges zu besprechen. Wir befinden uns in einem historischen Moment, in dem sich die belarusische Nation bildet. Wir müssen gerade diese Leute auch als Journalisten begreifen. Und die vermitteln in diesen Zeiten eine besondere Würde“, sagte Schurko in einer Sendung des YouTube-Kanals von Radio Svaboda.

 

Wichtigster Fußball-Video-Blogger „CHESTNOK“ verliert seine Akkreditierung
Wie tut.by hat mittlerweile auch der wohl populärste Video-Blogger in Sachen Fußball in Belarus seine Akkreditierung verloren. Alexander Ivulin nennt seine Sendung „Chestnok“ (dt. Knoblauch) und ist für die junge Generation von Fußballfans in Belarus ein Held, der sich auch früh und offen mit der Oppositionsbewegung solidarisierte. Seine Videos laufen auf dem Twitter-Kanal von Tribuna und in einer seiner letzten Sendungen zeigte er einige Protestaktionen von Fußballfans und fragte Zuschauer nach ihrer Haltung zur Entlassung von Wassily Khomutowski und der Plakataktion der Dynamo Minsk-Fans. Vom Entzug seiner Akkreditierung zeigte sich Ivulin unbeeindruckt, wie seine jüngste Sendung beweist Sogar zweimal lief er dem mächtigen Chef des belarusischen Fußballverbandes Wladimir Basanow nach und befragte ihn nach dem Grund, weshalb seine Akkreditierung annulliert worden sei. Ivulin zeigte außerdem, wie ein kleinerer Angestellter der ABFF ihn bei der Ausübung seines Jobs versucht zu behindern und welche Solidarität ihm von Seiten seiner Fans im ganzen Land entgegenschlägt.
 

Solidarität auch von Fans aus dem Ausland
Inwieweit die belarusische Protestbewegung auch im Ausland und dabei vor allem bei ausländischen Fußballklubs Unterstützung erfährt, das hat eine Dokumentation mit vielen Videos auf Tribuna zusammengestellt. Darunter befinden sich nicht nur russische und ukrainische Fans, sondern sogar eine schwedische Fußballmannschaft. Die Facebook-Seite von Tribuna.by zeigt außerdem, wie Fans des deutschen Regionalligavereins Babelsberg 03 eine Grußadresse zu den demonstrierenden Menschen in Belarus schicken

Auf dem Instagram-Kanal von Tribuna.by ist außerdem ein Foto zu sehen, wie die beiden belarusischen Legionäre beim lettischen Erstligisten Liepaja, Jewgeni Berezkin (Nummer 8) und Walery Gorbatschik (Nummer 4) ein Tor in einem Ligaspiel mit den Handsymbolen der Opposition in Belarus bejubeln.

 

Wurde Nikita Kriwzow ermordet?
Den Fall des unter bisher ungeklärten Umständen verstorbenen Nikita Kriwzow rollt nochmnal in allen Details ein Artikel auf Nasha Niva auf. Der 28-jährige Fußballfan Nikita Kriwzow vom Zweitligisten Maladsetschna hatte im August an einer Demonstration gegen die gefälschten Wahlen teilgenommen und war erst eine Woche später an einem Baum hängend gefunden worden. Die Polizei behauptet, er habe sich wegen Eheproblemen das Leben genommen. Doch seine Freunde und viele andere glauben, er wurde von den Behörden umgebracht. Eine gute Zusammenfassung, die etwas Licht in die mysteriösen Todesumstände von Nikita Kriwzow bringt, zeigt auch ein Video auf YouTube.

 

Suprematistisches Design der neuen Shirts des FK Witebsk
Wohl nicht zufällig ist das neue Design des belarusischen Erstligisten FK Witebsk gewählt, dessen Spieler beim Pokalspiel am vergangenen Sonntag das neue Trikot erstmals trugen . Wie ein ausführlicher Artikel mit vielen tollen Fotos auf Telegraf zeigt sind die Muster an Stil und Ideen des Suprematismus angelehnt, der vor allem von Künstlern der Kunsthochschule in Witebsk entwickelt worden war. Die russischen Maler und Designer El Lissitzky und Kasimir Malewitsch waren 1919 in Witebsk eingetroffen, wohin sie vom damaligen Direktor, Marc Chagall, angeworben worden waren. Dort entwickelten sie maßgeblich einen Stil mit, der als Suprematismus in die Kunstgeschichte eingehen sollte und später vor allem die Richtungen „De Stijl“ und „Bauhaus“ stark beeinflusste. Das wohl berühmteste Gemälde des Suprematismus ist das „Schwarze Quadrat“ von Malewitsch. Als ein weiteres richtungsweisendes Werk wird das Gemälde „Triff die Weißen mit einem Roten Keil“ von El Lissitzky betrachtet. Und genau dessen Motive finden sich nun auf den Trikots des FK Witebsk wieder. Anlass dieser weltweit einmaligen Aktion sind der 100. Jahrestag des Künstlervereins UNOVIS, dem sowohl El Lissitzky als auch Malewitsch angehörten, der 60. Jahrestag des Fußballclubs FK Witebsk sowie der 130. Geburtstag des Künstlers und Architekten El Lissitzky. Das einzigartige Projekt wurde dank der Partnerschaft zwischen dem Zentrum für belarusisch-jüdisches Kulturerbe und der Firma "Nothing Usual" mit Unterstützung des Geschichtsmuseums der VNHU und des Fußballclubs FK Witebsk möglich. Die Trikots wurden dem Club gespendet. Laut den Veranstaltern soll mit diesem Zusammenspiel zwischen Kunst und Sport gezeigt werden, „wie stolz wir auf unsere Geschichte und den erstaunlichen kulturellen Kodex der Belarusen sind.“ Auch die Urenkelin von El Lissitzky, Valeria Lisitskaja aus Nowosibirsk kommentierte diese ungewöhnliche Hommage an ihren Ur-Urgroßvater: „Meiner Meinung nach ist dieses Projekt genau das - eine lebendige Erfahrung, die in die Gegenwart eingebaut ist, als Antwort und vielleicht als Herausforderung zur Zerstörung von Stereotypen. Als Teil des Prozesses der natürlichen und unvermeidlichen Transformation zu einem tieferen und klareren Verständnis der Realität, den wir hier und jetzt gerade erleben.“

 
UKRAINE
 

Leere Ränge in Kiew – Corona oder Fan-Protest?
Wie auf Sportarena zu lesen ist, werden die Spiele von Rekordmeister Dynamo Kyiv nun ab Oktober doch wieder vor leeren Rängen stattfinden. Und das obwohl die Hauptstadt in der sogenannten, unbedenklichen „gelben Zone“ liegt, in der im August und September bereits Spiele mit Fans stattgefunden hatten. Auf der Webseite der englischsprachigen Kyiv Post wird berichtet, dass nun auch zu Europapokal und Länderspielen wieder Zuschauer- unter Auflagen – zugelassen sind. Eine entsprechende Genehmigung erteilte das Gesundheitsministerium. Zur nun wieder bis aufs äußerste verschärften Regelung erklärte der Verein: „Der FC Dynamo Kyiv respektiert seine Fans zutiefst und betrachtet sie als einen wesentlichen Teil des Erfolgs des Teams. Die Lebenswirklichkeit zwingt uns jedoch, angemessen auf neue unerwartete Herausforderungen zu reagieren.“


Allerdings vermuten laut Sportarena Kritiker, dass dem Verein das gestiegene Infektionsrisiko sehr gelegen kommt, stehen doch die Brüder Surkis (Hryhorij Surkis zwischen 2000 und 2012 Präsident des ukrainischen Fuballverbandes und Ihor Surkis, seit 2002 Präsident von Dynamo Kyiv), aber vor allem der neue Cheftrainer Mircea Lucescu nach wie vor im Fokus massiver Protestaktionen von Seiten der Fans.

Wie wir im August-Newsletter ausführlich berichteten, bildete sich gegen den langjährigen Trainer von Erzrivale Shakhtar Donezk vor allem bei den einflußreichen Dynamo-Ultras eine breite Front der Ablehnung. Und selbst die aktuellen Erfolge (Dynamo qualifizierte sich für die Gruppenphase der Champions League) können daran nichts ändern, wie auf UA-Football zu lesen ist. Noch Mitte September wurde eine weitere Erklärung veröffentlicht, in der die Ultragruppen erklärten: „Wer das noch nicht verstanden hat oder wer glaubt, dass Siege unsere Einstellung zur beschämenden Ernennung des neuen Trainers ändern werden, dem erklären wir, dass Ehre und Würde wertvoller sind als jedes Ergebnis. Wir werden Lucescus Figur unter keinen Umständen akzeptieren. Wir wünschen ihm nur eins: dass er Dynamo so schnell wie möglich verlässt.“

Wie Football24 berichtet, hatte sich Lucescu nur wenig vorher zu den Protesten gegen seine Person geäußert und gesagt, dass ihn die Dynamo-Ultras nicht interessierten, vor allem weil diese aus irgendeinem Rückraum gesteuert wären. Auch darauf reagierten die einflußreiche Fangruppe WBC Ultras Dynamo prompt: „Für uns ist es wichtig, dass der Cheftrainer des Teams eine Person mit einem guten Ruf ist, mit der es uns möglich ist, einen guten Kontakt zu pflegen, um gemeinsam neue Siege zu erringen. Offensichtlich wird Lucescu niemals in diese Kategorie von Trainern passen, daher ist die logische Schlussfolgerung, dass Lucescu keinen Platz bei Dynamo hat.“


Präsidialer Anstoss bei Krywbas Krywyj Rih
Mit Applaus, aber auch mit einem Schmäh-Banner wurde der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Heimat Krywyj Rih empfangen. Dort war kürzlich – darüber berichteten wir im vergangenen Newsletter – auf seine Initiative hin der Traditionsklub Krywbas Krywyj Rih durch Fusion neu entstanden und tritt nun in der zweiten ukrainischen Liga an. Der Anstoß zum ersten Spiel, im ukrainischen Pokal, so ist es auf Tribuna zu lesen, erfolgte durch Präsident Selenskyj höchstpersönlich, wobei allerdings sowohl Zuschauer als auch Spieler beider Mannschaften fast eine Stunde warten mussten. Laut dem Büro des Präsidenten war der Grund ein dringendes Telefonat mit US-Außenminister Mike Pompeo, in dem „eine Vielzahl von Fragen erörtert wurden, die sowohl im Hinblick auf die zwischenstaatlichen Beziehungen als auch im Hinblick auf die Entwicklung der Lage in unserem Teil Europas wichtig sind".

Der skandalumwitterte Präsident des ukrainischen Fußballverbandes Andrei Pavelko kommentierte die Wiederbelebung von Krivbass mit den Worten: „Eine solche Stadt, eine Fußballregion wie diese, hat lange auf die Wiederbelebung seines Vereins gewartet. Dies alles ist der Fußball-Schule und der Tatsache zu verdanken, dass die Verantwortlichen hier, mit der Ausbildung der neuen Generation auch in düsteren Zeiten nie den Kontakt zum Kinder- und Jugendfußball verloren hat.“

Fans des Vorgängervereins Gornyak schienen über die Fusion weniger glücklich zu sein. Sie zeigten ein großes Banner mit der Aufschrift: „Selenskyij - drei, zwei, eins - Schande über unseren „Kryvbas“.

 

Die Präsidenten der Ukraine und ihr Einfluß auf den Fußball
Dass Wolodymyr Selenskyj nicht der erste und einzige Präsident der Ukraine ist, der aus eigener Anhängerschaft unvergleichlichen Einfluss auf einen Fußballverein seines Landes ausgeübt hat, dass illustriert ein umfangreicher und mit zahlreichen Fotos und Videos gespickter Artikel auf der Sportseite Tribuna. Darin erfährt der Leser, wie der erste Präsident Leonid Kravchuk schon zu Sowjetzeiten für die Geschicke bei Dynamo Kyiv verantwortlich war, in den schwierigen 1990er Jahren die Brüder Surkis als finanzielle Retter mit dem Verein zusammenbrachte und deshalb immer noch von vielen als der wichtigste Dynamo-Fan bezeichnet wird. Kravchuk besitzt übrigens immer noch 0,66 Prozent der Anteile des Rekordmeisters. Oder sein Nachfolger, Leonid Kutschma, Schutz-Patron von Dnipro und Präsident der Euro-2012. Beschrieben wird auch, wie Viktor Juschtschenkos Schwiegersohn Oleksiy Khakhlyov den Verein Veres Rivne wiederbelebte und wie Viktor Janukowitsch Ehrenpräsident von Sewastopol wurde und seine ganze Kraft der Unterstützung Shaktar Donezks widmete, wo er häufig zusammen mit Klubeigner Rinat Achmetow die Europapokalabende verbrachte. Eine kurze Übersicht über den jeweiligen Einfluss des Landespräsidenten auf das Fußballgeschehen in der Ukraine bekommt man hier.


Kolos – das Fußballmärchen um eine Dorfmannschaft
Die unglaubliche Geschichte des ukrainischen Erstligavereins Kolos Kovalivka fasst ein Artikel auf Atlantic Council zusammen. Am 17. September traf die „Dorfmannschaft“ von Kolos in Saloniki in der der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League auf den griechischen Klub Aris, siegte und schied aber in der nächsten Runde nach einem 2:0 gegen HNK Rijeka aus. Trotzdem bezeichnet der Autor den „kometenhafte Aufstieg von Kolos“ als „seltenen Lichtschimmer in einer für den ukrainischen Fußball ansonsten dunklen Zeit.“ Der Verein aus einem kleinen, lediglich 1.600 Einwohner zählenden Dorf war erst 2012 gegründet worden und danach, nach einer unglaublichen Serie von sieben aufeinanderfolgenden Aufstiegen 2019 in der ukrainische Premjer Liha gelandet. Im Artikel wird dieser Weg noch einmal ausführlich nachgezeichnet und dabei vor allem die unglaubliche Leistung von Kolos-Manager Ruslan Kostyshyn gewürdigt. Unter dem Einfluss der landwirtschaftlichen Unternehmerfamilie Zasukha und ihres Familienpatriarchen und Kolos-Präsidenten Anatoliy Zasukha habe sich das Dorf, so schrieben es ukrainische Medien, zu einer „Mini-Schweiz“ entwickelt. Andere Einschätzungen waren hingegen weniger schmeichelhaft und nannten Kovalivka als Beispiel für den Feudalismus des 21. Jahrhunderts. Im Text heißt es abschließend, dass der Aufstieg von Kolos Kovalivka, ohne die Verwerfungen um zahlreiche Traditionsvereine der Ukraine in den vergangenen Jahren nicht möglich gewesen wäre, aber auch, dass „trotz der weit verbreiteten Kommerzialisierung des modernen Fußballs manchmal immer noch Wunder geschehen“.

Wie das erst kürzlich eingeweihte, neue 5 Millionen Euro teure und 5.000 Zuschauer fassende Stadion des „Dorfvereins“ Kolos aussieht, das illustriert dabei eindrucksvoll ein Artikel auf Tribuna.


Neues von Karpaty Lviw
Fast schon ein Dauerthema in unserem Newsletter sind die Neuigkeiten um den, in schweren Turbulenzen begriffenen Traditionsverein Karpaty Lviw. Auf UA-Football ist zu lesen, dass dem führenden Verein in der Westukraine nun von Seiten der FIFA verboten wurde, neue Spieler zu verpflichten, bevor Karpaty nicht seine Schulden beglichen hat. Dieses Verbot war bereits vorher für drei aufeinanderfolgende Transferperioden festgelegt und nun auf unbestimmte Zeit ausgedehnt worden. Derzeit tritt Karpaty ausschließlich mit Spielern aus den eigenen Nachwuchsmannschaften in der zweiten ukrainischen Liga an und belegt nach vier Spieltagen und drei Niederlagen den elften von dreizehn Plätzen. Wie turbulent die Entwicklungen bei Karpaty Lviw sind, das belegen die aktuelle COVID-Erkrankung des Neu-Eigentümers Oleh Smalijchuk, wie im Blog Karpaty Lviv Nachrichten nachzulesen ist. Sowie diverse Alarm-Statements von der Vereinsführung und ehemaligen Verantwortlichen.

 
RUSSLAND


Solidarität mit belarusischer Opposition wird bestraft
Auch in Russland bewegt das Schicksal von Belarus nach wie vor die Gemüter. Und während viele Journalisten ihre Meinung (kontra Lukaschenka und die von ihm angeordneten Gewaltexzesse gegen die eigene Bevölkerung) unverblümt äußerten und auch zahlreiche belarusische Fußballer oder Trainer zu Wort kamen, mussten russische Fußballfans für ihre Solidaritätsbekundungen für die Demokratiebewegung in Belarus empfindliche Strafen hinnehmen.

Wie wir in unserem vorhergehenden Newsletter berichteten, hatten vor allem Fans der vier Moskauer Vereine, ZSKA, Dynamo, Spartak und Lokomotive Banner aufgehängt oder Zhyvje Belarus- ("Жыве Беларусь")-Rufe skandiert. Laut dem Telegrammkanal Spb.Gov.no soll das Einsatz-Zentrum des Innenministeriums daraufhin den Auftrag erhalten haben, alle beaufsichtigten Fußballfangruppen zu überprüfen. Und natürlich gegebenenfalls anzuklagen.

Wie der Kommersant berichtet, wurden nun fünf ZSKA-Fans zu einer Geldstrafe von jeweils 3.000 Rubeln (35 Euro) und einem sechsmonatigen Stadionverbot verurteilt. Der Anwalt der Fans, Leonid Solowjew, erklärte gegenüber Kommersant, das Gericht habe sich auf die Seite der Polizeibeamten gestellt, die die Verhaftungsberichte erstellt hätten, und darin angaben, dass die weiß-rot-weiße Flagge „ein Symbol der belarusischen Opposition“ sei. Einer der kurzzeitig Inhaftierten erklärte unter der Bedingung der Anonymität gegenüber Kommersant, dass „alle Protokolle für jeden der fünfzehn in einer Kopie verfasst wurden“. Nun soll jeder der festgesetzten fünfzehn ZSKA-Fans eine weiß-rot-weiße Flagge gehalten und Zhyvje Belarus! skandiert haben. Kritik von Fangruppen und des Anwalts der ZSKA-Fans wies zum Beispiel Nikolai Grammatikow, Generalsekretär der Gewerkschaft der Fußballer und Trainer in Russland, zurück: Alles was von den Fans ins Stadion gebracht werde, müsse vorher angemeldet und genehmigt werden. "Diese Aktion ist die erste Manifestation politischer Parteilichkeit russischer Fans seit langer Zeit“.

Wie auf Sport24 zu lesen ist, wurden auch zwei Fans von Dynamo Moskau mit einer 3.000 Rubel-Geldstrafe und einem sechsmonatigen Stadionverbot belegt. Beim Spiel gegen Rotor Wolgograd war unüberhörbar und sicherlich von mehr als zwei Fans „Es lebe Belarus“ gerufen worden. Beim nächsten Heimspiel von Dynamo hatten Polizeibeamte – offenbar willkürlich - zwei Fans festgenommen. Als Beweis wurden unscharfe Fotos und ein verwackeltes Video aus den sozialen Netzwerken präsentiert. Einer der beiden Angeklagten konnte beweisen, zum Zeitpunkt der Rufe gar nicht im Stadion gewesen zu sein. Er wurde dennoch verurteilt. Es scheint, als wenn die russische Justiz Solidaritätsbekundungen mit der Opposition in Belarus mit aller Gewalt und auch mit den Mitteln der Rechtsbeugung verhindern will. Eine Schilderung dieses speziellen Falls sowie das Video, mit den Zhyvje Belarus-Rufen ist bei Sports.ru zu sehen.

 

„Ich werde weiterhin für die Nationalmannschaft von Belarus antreten“
Ebenfalls auf Sports.ru ist ein langes Interview mit dem belarusischen Erstligaspieler in Russland, Nikolai Zolotow, zu lesen. Zolotow spielte lange in seiner Heimatstadt in Witebsk, bevor er in diesem Jahr zu Ural Jekaterinburg wechselte. Zolotow gibt in dem Interview an, lange darüber nachgedacht zu haben, sich überhaupt zu der Situation zu äußern. Am Ende habe aber die Empörung über die unverhältnismäßige Gewaltorgie der belarusischen Sicherheitskräfte ihn dazu bewogen, sich umfangreich zu der Situation Zuhause zu positionieren. Zolotow sagt in dem langen Monolog, dass er noch nie eine solche Mobilisierung der Menschen in seiner Heimat erlebt habe und er Gänsehaut gehabt hätte, als er die Bilder aus Minsk gesehen habe. Unfassbar empört sei er aber über alles, was danach passiert sei. Für die Beschreibung der „Schweinereien“ der Sicherheitskräfte würden alle Obszönitäten der russischen Sprache nicht ausreichen. So etwas dürfe zu Friedenszeiten niemals passieren. Trotzdem werde er weiterhin für die Nationalmannschaft antreten, weil die ja für das Volk und nicht für den Präsidenten spiele. Zolotow sagt in dem Monolog auch, dass er nicht glaube, dass es zeitnah Veränderungen an der Macht in Minsk gäbe. Das Verhalten Lukaschenkas habe ihn spontan an die Niederschlagung der Proteste in Usbekistan 2005 erinnert. Damals hatte es nach Wahlen auch sechs Monate lang Proteste gegeben, bevor diese mit militärischen Mitteln und schätzungsweise 500 Toten endgültig niedergeschlagen worden wären. Abschließend wünschte sich der Nationalspieler vor allem eine Anhebung des Lebensstandards seiner Landsleute. „Meine Mutter verdient 400 Rubel. Davon kann man fast gar nicht leben. Ich hoffe, dass es in Zukunft aufwärts und nicht abwärts mit unserer Wirtschaft geht. Aber um ehrlich zu sein, ist die allgemeine Situation in unserem Land im Moment sehr sehr bedauerlich."

 

Solidarität für inhaftierte Kollegen von Pressbol
Eine ungewöhnlich deutliche Solidaritätsbekundung äußerte einer der renommierten russischen Sportjournalisten, Igor Rabiner, auf seinem Facebook-Kanal.Darin heißt es: „Mein langjähriger Kamerad Sergeij Schurko, ein wirklich großartiger Sportjournalist und einer der bekanntesten Gesichter der belarusischen Sportzeitung Pressbol wurde gestern verhaftet. Und dass nur, weil er wie Millionen seiner Landsleute offen und gleichzeitig friedlich für die Freiheit der Bürger seines Landes eintrat. Und gegen einen Tyrannen, der nach einer zynischen Wahlfälschung keine legitime Macht mehr hat.“ Und weiter: „Soweit ich verstehe, war Schurko noch nie ein politisch aktiver Mensch, aber die jüngsten Ereignisse haben die Geduld aller Belarusen erschöpft. Sergeij wurde 15 Tage inhaftiert und niemand weiß, was dort mit ihm geschieht. Lieber Serjoscha, halt dich aufrecht. Ich wünsch dir Stärke und Gesundheit. Egal was der Drecksack Lukaschenka macht, du wirst gewinnen und er wird sich in Den Haag verantworten müssen.“

 

Zweite Corona-Welle in russischen Profiligen erwartet
Wie auf Sports Daily zu lesen ist, hat es im vergangenen Monat lediglich bei einem Erstligaverein, nämlich bei Rotor Wolgograd Corona-Fälle gegeben. Rotor berichtete Mitte September, dass das Team neun Infektions-Fälle zu verzeichnen hatte: sieben unter den Spielern und zwei unter den Funktionären. Während die Verantwortlichen in Wolgograd noch auf die Durchführung des Ligaspiels gegen Krasnodar gehofft hatten, wurde die Partie letztlich abgesagt und 3:0 für den Gegner gewertet.

Auf Sports Daily sprach danach der Präsident des russischen Fußballverbandes Alexander Djukow über einen möglichen Stopp der RPL-Saison aufgrund von steigenden Infektionszahlen im Zuge einer zweiten Corona-Welle. Nachdem einige Länder wie zum Beispiel Italien das abermalige Aussetzung der Meisterschaft forderten, denke man, so Djukow, in Russland noch nicht über solche Maßnahmen nach. In Russland, so Djukow, hätten sich viele Fußballspieler mit dem Virus angesteckt, aber es gab – außer bei Pawel Pogrebnjak (wir berichteten) – keinen einzigen Fall eines schweren Krankheitsverlaufes. Auf der anderen Seite seien mehrere ältere Trainer im russischen Sport, darunter der Vater und Mentor von UFC-Weltmeister Khabib Nurmagomedow, Abdulmanap, an den Folgen von COVID gestorben. Ebenfalls auf Sports Daily ist zu lesen, dass der russische Fußballverband (noch) nicht über eine abermalige Beschränkung der Zuschauerzahlen nachdenke. Ende September waren bei einem Ligaspiel in Sankt Petersburg zum Beispiel schon wieder 22.000 Zuschauer zugelassen und die Insel Krestovsky buchstäblich voller Menschen. Djukow dazu: „Dies ist die Entscheidung der regionalen Behörden. Derzeit sehen wir keine Notwendigkeit für zusätzliche Einschränkungen. Wenn wir über den Besuch von Stadien sprechen, handelt es sich um große Räume unter freiem Himmel. Vorbehaltlich aller Maßnahmen ist der Besuch eines Spiels nicht gefährlich und verschlechtert die epidemiologische Situation in der Region nicht.“

Allerdings finden die Spiele der russischen Nationalmannschaft weiter ohne Zuschauer statt. Das berichtet Sports Daily. Dies gilt für das Freundschaftsspiele Russland - Schweden (8. Oktober) und das UEFA Nations League-Spiel Russland - Ungarn (14. Oktober). Im Sommer wurde davon ausgegangen, dass Zuschauer zugelassen werden, aber FIFA und UEFA beschlossen, alle Spiele bis November ohne Fans zu bestreiten. Djukow dazu: „Das ist schlecht für uns, denn die Unterstützung der Fans würde dem Team helfen. Wir hatten eine Fan-Zone in Nischni Nowgorod, die Fans mochten dieses Format. Jetzt planen wir, diese Praxis fortzusetzen. Für das Spiel Russland - Türkei (15. November) wird es eine Fan-Zone um das Zenit-Stadion und für das Spiel gegen Serbien (18. November) eine um das Stadion in Rostow geben."

 

Zahlreiche Coronafälle und -skandale in der zweiten Liga
Offiziell gibt es in Russlands erster Liga gerade keine Corona-Fälle. Ganz anders sieht es dahingehend in der zweiten Liga FNL aus. Wie auf Sports Daily zu lesen ist, waren bei Dynamo Brjansk Mitte September gleich elf Fußballer positiv auf COVID-19 getestet worden, worauf dem Verein sowohl Training als auch Spiele verboten wurden. Auch bei Jenisej Krasnojarsk wurde das gesamte Team unter Quarantäne gestellt. Wie ebenfalls Sports Daily berichtet, protestierte der Chef bei Jenisej, Alexej Iwakow, beim zuständigen Verband dagegen, dass das darauffolgende ausgefallene Auswärtsspiel gegen Shinnik Jaroslawl automatisch als Niederlage gewertet worden war.

Zu einem äußerst kuriosen Fall war es, so berichtet Sports Daily, in der südrussischen Provinzstadt Tuapse, bei Sotschi gekommen. Laut dem Insider-Kanal «Мутко против» („Mutko gegen ...“) war gegen den Drittligisten FK Tuapse ein Verfahren eingeleitet worden, weil der Verein verdächtigt wird, Corona-Fälle verheimlicht zu haben. Auffällig war das geworden, da das Team ohne einen einzigen Auswechselspieler angetreten war. Darüber hinaus sollen die Spieler in den Shirts von Ilja Kirilenko und Maxim Ermakow diesen überhaupt nicht ähnlich gewesen sein. Der russische Fußballverband will nun untersuchen, ob Tuapse wirklich Fremde eingesetzt und ob das Team gegen medizinische Vorschriften verstoßen hat.

 

Anklage gegen Roman Schirokow, wegen versuchten Mordes
Im vorhergegangenen Newsletter berichteten wir ausführlich darüber, wie der ehemalige Kapitän der russischen Nationalmannschaft Roman Schirokow in einem Traditionsturnier den jungen Schiedsrichter Nikita Danchenkow krankenhausreif geschlagen hatte. Auf Lenta kommt nun sein Anwalt zu Wort und erklärt, dass Schirokow eine zehnjährige Haftstrafe drohe. Laut Alexander Ostrowsky sollten die Handlungen des Athleten als versuchter Mord aus Hooligan-Motiven eingestuft werden. Ostrowsky fügte hinzu, dass es bis heute von Schirokow keine wirkliche Entschuldigung gegeben habe. „Wir warten bis heute darauf, von Schirokows Seite kontaktiert zu werden. Seinen Beitrag auf Instagram betrachten wir mithin nicht als wirkliche Entschuldigung“. In einem weiteren Interview für MK erklärt Ostrowsky weiterhin, dass Roman Schirokow sich weigere, „zu verhandeln“ und deshalb offenbar bereit sei, bestraft zu werden. Der einflussreiche Ex-Eishockeyspieler und jetzige mächtige Funktionär Wjatscheslaw Fetissow wäre auf ihn zugekommen, so Ostrowsky, und hätte eine Versöhnung in einem TV-Programm angeboten. Ostrowsky hätte ihm daraufhin erklärt, dass man Frieden schließen kann, wenn sich Menschen streiten. Doch wenn einer seine Arbeitspflichten erfüllt und der andere versucht, ihn zu töten, über welche Art von Versöhnung wäre dann zu sprechen? Vielmehr solle sich Schirokow bereit erklären die entstandenen finanziellen Schäden zu kompensieren. „Nikita wurde drei Wochen lang behandelt. In dieser Zeit konnte er nicht arbeiteten. Er wurde auf Kosten seiner Familie behandelt und hat natürlich finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Zum Hintergrund: Roman Schirokow gewann als Fußballspieler drei russische Meisterschaften und einen UEFA-Pokal. Bei einem Traditionsturnier hatte er einen Schiedsrichter krankenhausreif geschlagen. Nach Abschluss seiner Karriere wurde er Experte für das populäre TV-Programm, Match TV, wurde jedoch im Zusammenhang mit dem Vorfall aus den Sendungen entfernt. Mittlerweile wurde gegen den ehemaligen Nationalmannschaftskapitän ein Verfahren gemäß Artikel 115 („Vorsätzliche Zufügung geringfügiger Gesundheitsschäden“) des Strafgesetzbuchs der Russischen Föderation eingeleitet.

 

Das Derby der zwei Hauptstädte
Am vergangenen Wochenende stand das lang erwartete Spiel zwischen den Erst- und Zweitplatzierten der russischen Premier Liga, Zenit St. Petersburg und Spartak Moskau, an. Pünktlich zum sogenannten „Derby der zwei Hauptstädte“ erinnert ein Text auf KP an die Hintergründe einer legendären Fan-Rivalität. Obwohl Zenit-Fans bei ihren ersten Reisen innerhalb der Sowjetunion sich vor allem mit den oftmals regimekritischen Spartak-Fans angefreundet hatten, knüpften sie später vor allem bis heute anhaltende enge Bande mit den Fans von ZSKA-Moskau. Das führte zu einer unverbrüderlichen Feindschaft zwischen Spartak- und Zenit-Fans. Der Text erinnert mit zahlreichen Fotos nochmal an große Fan-Schlachten der 1990er und 2.000er Jahre, die als „der Knall“ legendär wurden. Aber auch daran, wie diese Hooligankämpfe ab den 2010er Jahren mit unnachgiebiger Härte des Staates verhindert und ihre Hauptakteure verfolgt wurden.

In diesem Zusammenhang ist auch ein Text auf Kommersant interessant. Darin wird versucht, die möglichen Hintergründe politisch motivierter Anschläge in Russland und dabei auch die Rolle der russischen Ultra- und Hooligan-Gruppen zu beleuchten. Nach Prügel-Anschlägen auf zahlreiche Regime-Kritiker, darunter den Leiter des Petersburger Hauptquartiers von Alexeij Nawalny, Alexander Shurschew oder den jungen Politik-Aktivisten Jegor Schukow hat sich der Korrespondent des Kommersant, Oleg Dilimbetow, die möglichen Protagonisten der Prügelattacken genauer angesehen, die auf den ersten Blick weit von der Politik entfernt aber bereit sind, den Staat im richtigen Moment in Wort und Tat zu unterstützen. Denn, so Dilimbetow, „Vertreter des Vereinigten Russlands wurden noch nicht geschlagen oder verfolgt.“ Im Text werden auch die politisch oder zumindest patriotisch gesinnten Fangruppen bei Zenit St. Petersburg unter die Lupe genommen. Das Fazit des Artikels: Fußballfans sind zwar oft rassistisch oder homophob eingestellt, aber an den innenpolitischen Konflikten in Russland beteiligten sie sich nicht.
 

Fußball-Marathon in Sotschi
Ein ungewöhnlicher Rekord wurde in einem Fußballspiel in Sotschi aufgestellt, so berichtet es die Webseite Bobruisk. 25 Stunden ging demzufolge ein Benefiz-Fußballspiel, welches laut dem Bürgermeister von Sotschi, Alexander Kopajgorodsky, die Aufmerksamkeit der Einwohner und Touristen von Sotschi auf sich ziehen, aber auch neue Rekorde aufzustellen sollte. Laut Championat erklärte Kopajgorodsky: „Sotschi liebt Fußball. Dank der Entwicklung der Sportinfrastruktur betreiben heute mehr als 20.000 Einwohner diesen Sport in dieser Stadt. Dieser Ultramarathon findet zum ersten Mal statt. Und wir hoffen, dass es das Interesse der Einwohner und Gäste der Resorts in Sotschi weckt, seinen rechtmäßigen Platz im russischen Sportkalender einnehmen und auch eine Reihe neuer internationaler Rekorde aufstellen wird.“ Das Spiel 7 gegen 7 dauerte 25 Stunden und ging 433 zu 422 aus. Am Spiel nahmen neben den Ex-Nationalspielern Oleg Kornaukow, Andreij Karjaka, Dinijar Biljaletdinow, Dmitry Sitschow, Dmitry Sennikow und Wladimir Fedotow auch der ehemalige Nationalmannschaftskapitän, Alexei Smertin, sowie der stellvertretende Direktor der Abteilung für Körperkultur und Sport der Stadtverwaltung in Sotschi, Igor Prin, teil. Die beiden letztgenannten stellten einen echten Weltrekord auf, da sie für ihre jeweiligen Teams die gesamten 25 Stunden auf dem Platz standen. Der Guiness-Rekord für das längste Fußballspiel konnte hingegen nicht gebrochen werden. Das hatte vor fünf Jahren in England stattgefunden, als zwei Mannschaften 102 Stunden lang ununterbrochen spielten. 36 Personen hatten an diesem Rekordspiel teilgenommen und dabei 1.635 Tore erzielt.

 
AUS DEUTSCHEN UND INTERNATIONALEN MEDIEN

 

Sport und Proteste
Mit starkem Bezug zu den Entwicklungen in Belarus und auch zu den Inhalten unseres September-Newsletters sind zahlreiche Artikel in deutschen Medien erschienen, die die Teilnahme der Sportler im allgemeinen und der Fußballer im Besonderen an den Protestaktionen gegen Lukaschenka und sein Regime beleuchten. So beschreibt unter anderem Ronny Blaschke in einem Text für den Deutschlandfunk, wie bei den Protesten in Belarus Sportler eine beachtliche Rolle spielen. Dabei weißt er darauf hin, dass mehr als 500 von ihnen einen offenen Brief für Neuwahlen unterzeichnet und einige deshalb ihren Job verloren haben. Aus dem Fußball seien indes nur wenige kritische Stimmen zu hören gewesen.

Eine ähnliche Beschreibung zeigt ein Text unseres ehemaligen Mitarbeiters Thomas Dudek auf Spiegel.de. Dudek weist darauf hin, dass die seit Wochen andauernden Proteste auch die Sportberichterstattung verändert haben, da deren Themen deutlich politischer geworden sind. Und das hätte, so ist es im Text zu lesen, auch Konsequenzen. Die Seite des Sportportals „Tribuna“ seien nun schon seit geraumer Zeit blockiert. Außerdem wäre „Tribuna“-Chefredakteur Berazinski auf dem Weg zu einer Demonstration im August aus einem Auto gezerrt, verhaftet und auf der Polizeistation mit Schlagstöcken verprügelt worden.

Gut zusammengefasst ist das Thema auch in einem Artikel, den unser Mit-Initiator Ingo Petz für das Neue Deutschland geschrieben hat. Wie zwei Fußballer des Zweitligisten FK Krumkachy („Die Raben“) von der Polizei schwer verprügelt worden, davon berichtet nochmal ausführlich ein Text auf der Schweizer Webesite Nau.ch. Pavel Rassolko und Sergey Koseka waren auf dem Heimweg nach dem Training mit dem FC Krumkachi, ihrem aktuellen Verein, bevor sie von der Polizei angehalten wurden. Kurz darauf waren nicht uniformierte Männer auf sie zugerannt und hatten auf den 27- bzw 33-Jährigen eingeprügelt. Die Folgen bei Koseka: Verletzungen an der Wirbelsäule, am Rücken und an den Nieren.


Aufstieg und Fall des FK Moskau
Wie Anfang der 2000er Jahre in Russlands Hauptstadt ein gänzlich neuer Verein entstanden und wenig später wieder verschwunden war, daran erinnert noch einmal ein Text auf These Football Times. 2004 war aus den verschiedenen Derivaten des Traditionsvereins und dreifachen sowjetischen Meisters Torpedo Moskau und unter Mithilfe des Rohstoffkonzerns Norilsk Nikkel und der Moskauer Stadtverwaltung ein Verein hervorgegangen, der sich FC Moskau nannte und sich aufmachte, den großen Stadtrivalen das Fürchten zu lernen. Wie dieser Verein den russischen Pokal gewann, kurz davor war, solche Größen wie Vicente del Bosque oder den blutjungen Angel di Maria zu verpflichten und sich stattdessen sieben Jahre später in die vierte Liga wiederfand und 2020 ganz aufgelöst wurde, davon berichtet dieser Artikel.


Fans von Hibernian Edinburgh unterstützen Waisen in Dniropetrovsk
Von einer auergewöhnlichen Fan-Initiative berichtet ein Artikel auf Edinburgh Live. Vor fünfzehn Jahren war der schottische Verein Hibernian Edinburgh in einem UEFA-Cup Spiel auf den ukrainischen Traditionsverein Dnipro Dnipropetrovsk gestoßen. Über 2.000 Hibs-Fans waren damals in die Ukraine gereist und dabei auch mit den Zuständen in ukrainischen Waisenhäusern konfrontiert worden. Der Artikel beschreibt mit zahlreichen O-Tönen und Porträts, wie ukrainische Waisen später zu Spielen in Schottland eingeladen wurden, eine enge Verbindung zwischen den Vereinen und den Städten bestehen blieb und es bis heute zahlreiche Patenschaften und finanzielle Unterstützung von Seiten der Hibernian-Fans gibt.


Krieg in Berg-Karabach – auch Nationalmannschaftskapitän will kämpfen
Ein etwas weiteren Bezug zum Fußball in Russland hat die Geschichte von Varazdat Haroyan, die auf dem Portal Sportnews zu lesen ist. Sie erzählt die unglaubliche Geschichte des 52-fachen Nationalspielers und derzeitigen Kapitäns von Armenien, Varazdat Haroyan. Dieser war bis vor kurzem Spieler des russischen Erstligisten Ural Ekaterinburg und sollte zur neuen Saison zum griechischen Erstligisten AE Larisa wechseln. Doch stattdessen soll er im Zuge des aufflammenden Konfliktes um die Region Berg-Karabach in die armenische Armee einberufen worden sein und kam deshalb nie in Griechenland an.

Wie auf Greek City Times zu lesen ist, sagte Haroyan: „Dass ich bereits in der Kriegszone Artsakh bin, ist nicht wahr. Ich bin jetzt in Russland, aber ich werde bald nach Armenien fliegen. Wie jeder andere Armenier werde ich jedoch meine Heimat auf alle möglichen Arten unterstützen. Ich und meine Teammitglieder aus der armenischen Nationalmannschaft haben bereits einen Währungsfonds eingerichtet, der zumindest einige Bedürfnisse unserer Soldaten befriedigt. Heute wird und muss jeder Armenier sein Land unterstützen, um diese schwere Zeit zu überwinden, die sehr bald enden wird.“ Wann und ob Haroyan überhaupt bei Larisa landen und wieder Fußball spielen wird, ließ er offen.

 
IN EIGENER SACHE

Wir in den Medien
Als Experte in Sachen Belarus und auch der dortigen Fan-und Ultraszene war unser Mit-Initiator Ingo Petz in den vergangenen Wochen geschätzter Gesprächspartner, nicht nur für deutsche Medien. So ist zum Beispiel auf der französischen Fußball-Website So Foot ein Interview mit ihm zu lesen, in dem er noch einmal auf den Tod von Nikita Kriwtsow und die Zerschlagung der belarusischen Fanszene nach dem ukrainischen Maidan im Februar 2014 eingeht.

Auch in zahlreichen anderen Publikationen – und dabei vor allem in den Artikeln des Sportjournalisten Ronny Blaschke - kommt Ingo Petz mit seinen Aussagen und Einschätzungen umfangreich zu Wort. In der
Berliner Zeitung zur Beteiligung oder Nichtbeteiligung der Fußballfanszene in Belarus an den Protesten gegen das gewalttätige Regime von Lukaschenka. Und auf der Webseite der Schweizer Zeitung NZZ darüber, wie die organisierten Fanszenen auch in Belarus gefürchtet werden, weil sie sich „schwerer kontrollieren lassen als die NGO der Zivilgesellschaft“.


Sportler kämpfen für ihre Grundrechte
Wer am vergangenen Freitag unsere Diskussion zum Thema "Belarus, Sport und Proteste" verpasst hat, kann das Schauen jetzt nachholen. Es lohnt sich. Denn die beteiligten Sportlerinnen und Sportler schildern in erschütternden und emotionalen Beiträgen, wie sie vom Regime Lukaschenka eingeschüchtert und drangsaliert werden, wenn sie das Recht auf Meinungsfreiheit und andere demokratische Werte verteidigen. Für die Basketballspielerin Elena Levchenko, die vergangenen Mittwoch verhaftet wurde, nahm ihre Mutter Ludmilla teil. Danke an die EU-Abgeordnete Viola von Cramon für die Organisation dieser wichigen Diskussion.
 
Unser neuer Newsletter erscheinnt dann Anfang November. Bis dahin: Euch allen viel Kraft und Gesundheit.

EURE FANKURVE OST