Archiv

Der aktuelle Newsletter

Newsletter Nr. 15 vom 24. Mai 2018

 

Maradona im Anflug

 

Dobryj den'! Vitajemo vas! Vitajem vas!
Liebe Leserin, lieber Leser!


Kein Scherz. Die Fußballlerlegende Diego Maradona wird ab Herbst für einen belarussischen Verein arbeiten. Wir berichten über diesen Überraschungscoup von Dynamo Brest und die Reaktionen in den belarussischen Medien. Die vorübergehende Rücknahme des Visums für den ARD-Reporter Hajo Seppelt durch russische Behörden ist ein weiteres großes Thema, mit dem wir uns in diesem Newsletter beschäftigen. Wie auch mit dem Champions League-Finale, das am kommenden Samstag in Kiew stattfindet und das zu horrenden Unterkunftspreisen geführt hat. Ukrainische Fußballfans haben daraufhin spontan eine Initiative gegründet, über die sie anreisenden Fans aus Liverpool und Madrid kostenlose Schlafplätze anbieten.

Zudem zwei wichtige Hinweise in eigener Sache: Es sind nur noch drei Woche bis zum Beginn der WM. Themen und Informationen rund um das anstehende Turnier häufen sich. Deswegen haben wir entschieden, unseren Newsletter ab sofort wöchentlich zu veröffentlichen! Außerdem werden wir allen unseren Newsletter-Abonnenten im Laufe des heutigen Tages eine gesonderte Mal zusenden, in der wir um eine Einwilligung für den weiteren Erhalt unseres Newsletters bitten. Dies wird aufgrund der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung DSGVO, die am 25. Main Kraft tritt, notwendig. Nun aber geht es aber erst einmal um den Fußball.


Viel Spaß bei der Lektüre!
_______________________________________________________________

RUSSLAND 

 

Der Fall Hajo Seppelt
Die wohl größte mediale Welle in Bezug auf die Fußball-Weltmeisterschaft hat in der vergangenen Woche das Einreiseverbot des ARD-Journalisten Hajo Seppelt geschlagen. Am 10. Mai hatte ihn ein hochrangiger Mitarbeiter des russischen Konsulats in Deutschland zur „unerwünschten Person“ erklärt und das bereits ausgestellte Visum für die Fußball-WM für ungültig erklärt. Nach zahlreichen Protesten und einer Intervention von DFB und FIFA hat der Sportreporter sein Visum nun zurück. Ob er hingegen unbehelligt und frei in Russland arbeiten kann, ist damit allerdings nicht klar. Denn im Gastgeberland der kommenden Fußballweltmeisterschaft ist man sich einig: Hajo Seppelt, der maßgeblich an der Aufdeckung des Dopingsystems im russischen Sport beteiligt war und dessen Doping-Recherchen im russischen Fußball auch zu einer Untersuchung im Weltverband geführt hatten, ist weniger Journalist, sondern eher ein russophober Propagandist. Der Vorsitzende des russischen Journalistenverbandes Wladimir Solowjow etwa sprach sich für ein Visum für Seppelt im Sinne der Pressefreiheit aus, empfahl aber sarkastisch Begleitschutz „damit Kenner seines 'journalistischen Talents' nicht auf die Idee kommen ihn zufällig zu verprügeln“.
Sport-Express schlug in dieselbe Kerbe und titelte zunächst hämisch in Anspielung auf eine gängige Wendung: „Seppelt Kaputt! Den Entlarver Russlands lassen sie nicht zur WM."
Auch Echo Moskwy griff den Fall auf. Der Radiosender erklärte, Hajo Seppelt sei vor allem deshalb auf die Liste der in Russland unerwünschten Personen geraten, weil ein russisches Gericht seine im Film „Geheimsache Doping – das Olympiakomplott“ geschilderten Tatsachen als unwahr befunden habe. Russische Ermittlungsbehörden wollen den ARD-Journalisten vorladen, sollte er tatsächlich nach Russland reisen. Er solle dann im Fall des in Russland angeklagten Kronzeugen im Staatsdopingkomplex Grigori Rodschenkow (einst Leiter des Dopingkontrolllabors in Moskau) aussagen.
Zum Fall Hajo Seppelt äußerte sich auch die Iswestija und zitierte Maria Sacharowa, die Sprecherin des Russischen Außenministeriums. Diese hatte auf ihrem Facebook-Profil erklärt, Deutschland würde sich nur so energisch um den Fall Seppelt bemühen, weil dieser die antirussischen Ressentiments bedienen würde. Ginge es wirklich um Pressefreiheit, so Sacharowa, müsse man genauso deutlich über den Fall Kiril Wyschinskij reden. Der Leiter der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti in der Ukraine war am 15. Mai festgenommen worden. In Kiew heißt es, die Medienunternehmen würden als „Werkzeuge in einem hybriden Krieg“ gegen die Ukraine benutzt. Ukrainische Behörden drohen nun, Wyschinskij und seinen Kollegen die Presserlaubnis zu entziehen.

Chelsea-Besitzer Abramowitsch das Visum verweigert
Ganz andere Probleme, die notwendigen Einreisepapiere zu besorgen, hat Roman Abramowitsch. Denn so langsam scheint die außenpolitische Krise zwischen Großbritannien und Russland, auch die in London lebenden Oligarchen zu erreichen. Das britische Investoren-Visum des Eigentümers von Chelsea London ist abgelaufen, und Abramowitsch verpasste so auch den Sieg seines Teams im FA-Cup Finale. Der Milliardär wüsste, so die für die Visa zuständige Registrationsbehörde, allerdings schon seit März, dass es mit einer Verlängerung des Visums Probleme hätte geben können. Die damalige britische Innenministerin Amer Rudd hatte angeordnet, alle Inhaber eines Investoren-Visums zu überprüfen. Normalerweise könne jeder, der mehr als zwei Millionen Pfund im Jahr im Königreich investiert, mit so einem Visum einreisen. Vergangene Woche erklärte nun Außenminister Ben Wallace, dass man die Regeln für die Ausstellung so eines Visums verschärft habe. Ein Punkt, weswegen ein Visumsantrag abgelehnt werden könne, sei der dringende Verdacht, dass das angegebene Vermögen unehrlich verdient sei. In der russischen Presse wird der Fall als plumpe Masche in der diplomatischen Auseinandersetzung zwischen Russland und Großbritannien dargestellt. Für Dmitri Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten, sei dieser Fall ein neuerliches Beispiel für eine unfreundliche Haltung gegenüber der russischen Wirtschaft. Allerdings, so die meist geäußerte Mutmaßung, sei es kaum vorstellbar, dass man dem 13. reichsten Bewohner Großbritanniens das Visum komplett verweigern würde. Die Prozedur dürfte diesmal nur etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.
 

Schikanen gegen Ukrainer befürchtet
Eine ganz eigene Brisanz hat da die Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine. Und deren Informations- bzw. Desinformationskampagnen haben nun auch die Fußball-Weltmeisterschaft ins Visier genommen. Wie die ukrainische Fußballnews-Seite football24.ua, mit einem Verweis auf den Pressedienst der FIFA mitteilte, reisen - ungeachtet der politischen Auseinandersetzungen und Feindseligkeiten - mehr als 5.000 Ukrainer zur WM nach Russland. Noch vor wenigen Tagen hatte der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin seine Landsleute gebeten, von einer Reise ins Nachbarland aus Sicherheitsgründen abzusehen. Das russische Außenminister twitterte daraufhin auf Ukrainisch zurück, die Ukrainer sollen nicht auf jeden Trottel hören.
Was der ukrainische Außenminister für die ukrainischen Staatsbürger befürchte, seien alle möglichen Arten von Schikanen: „Man wird versuchen, die Ukrainer für jede noch so geringe Übertretung der Gesetze zu bestrafen“. Weiterhin, so Klimkin auf dem offiziellen Twitter-Account des Außenministeriums, würde man in Russland auch nichts unversucht lassen, um Ukrainer für anti-ukrainische Stimmungsmache zu gewinnen.
Wie weit die gegenseitigen Verunglimpfungen mittlerweile gehen, zeigt ein Beispiel der Webseite Svobodnaya Pressa. Diese berichtete über einen angeblichen Erpressungsversuch in Sankt Petersburg, der von Ukrainern gegenüber einem Hotel unternommen worden sei. Unter dem Titel „Die Ukraine bereitet eine Chemieattacke in St. Petersburg vor“ unterrichtete svpressa.ruüber den Fall, bei dem in einem großen Hotel unerträglicher Gestank aufgetreten sei. Anonyme Anrufe hatten daraufhin angeboten, die Geruchsbelästigung für entsprechende Gegenleistungen wieder abzustellen. In den vergangenen Wochen sei es in Sankt Petersburg gehäuft zu dieser Art von Erpressungsversuchen gekommen. Mittlerweile würden sich die staatlichen Sicherheitsbehörden für diese Fälle interessieren, die vor allem die ukrainische Herkunft der Anrufe bestätigen wollen. Der Generalmajor des Innenministeriums Arkadi Kamarew sagte laut Svobodnaya Pressa: „Diese Telefonattacken sind längst zum Bestandteil des politischen Spiels geworden. Anrufen kann wer will, von wo auch immer … vielleicht sind es ja wirklich nur irgendwelche Idioten, die mit ihren Telefonstreichen Politik spielen wollen.“

Wie Argentinier lernen sollen, russische Frauen aufzureißen
Für ein Rauschen im russischen Blätterwald sorgte auch eine bizarre Nachricht aus Argentinien. Dort bereiten sich Spieler und Journalisten offenbar auf ganz eigene Art auf die Fußball WM vor. Unter dem Titel „Was muss ich tun, um bei russischen Frauen eine Chance zu haben“ erhielten die Russland-Reisenden per Broschüre und Vorlesungen einige Flirt-Tipps. So solle man sich „gut kleiden, gut riechen und den Mädchen das Gefühl geben, etwas wert zu sein“. Der argentinische Fußballverband (AFA) entschuldigte sich umgehend und sagte, eine interne Untersuchung habe ergeben, dass ein Teil des Materials „versehentlich gedruckt“ worden sei. Der Ratgeber war nach ersten Protesten zwar umgehend aus dem Verkehr gezogen worden, jedoch gelangten Fotos wohl offenbar noch rechtzeitig auf den Twitter-Account eines Journalisten.
 

Angst vor Drohnen 
Mit dem Thema „Sicherheit“ versucht man in Russland, besondere Pluspunkte einzufahren. Das treibt zuweilen recht absonderlichen Blüten. So hat nun zum Beispiel das russische Verteidigungsministerium für alle Austragungsorte Manövergruppen für den Kampf gegen unbemannte Luftfahrzeuge, sprich Drohnen ,eingerichtet. Auch der FSB sei diesbezüglich mit besonderen Aufgaben involviert. In über 41 Zonen über Stadien und Trainingsplätzen der Mannschaften soll eine Technik zum Einsatz kommen, die solcherlei „ungebetene Gäste“ mittels der Störung von Verbindungskanälen steuerungsunfähig machen sollen.
 

Fanzonen werden trotz Protest eingerichtet 
Im vergangenen Newsletter berichteten wir von Protesten Moskauer Studenten gegen eine geplante Fan-Zone mitten auf dem Gelände der Universität MGU. Nach Berichten in den russischen Medien hatten die Demonstrationen und Aktionen aber keinen Erfolg. Die ungeliebte Fanzone wird den Protesten zum Trotz eingerichtet.
Einer besonderen Untersuchung werden in der Fanzone laut Agumenty i Faktydie zahllosen russischen Dönerbuden (auf russisch „Schurma“, abgeleitet von Schawarma) unterzogen. Mittels Kontrollen solle sicher gestellt werden, dass diese Imbisse den hygienischen und ernährungsbehördlichen Mindestanforderungen genügen.

Seminarteilnehmer als Fanbotschafter
Eine besondere Freude ist es uns, hier in diesem Newsletter auch auf die Arbeit eines unserer früheren Seminarteilnehmers hinzuweisen. Sergei Podgainy ist Präsident von „Fan Club Zenit“ und Koordinator des internationalen Projekts „Botschaft der Fans von Russland“. Der Psychologe und Therapeut hilft mit seinem Programm, Fankulturen in Russland zu verstehen, und unterstützt Fans in schwierigen Situationen. Bei der Petersburger Initiative Trava, über die wir ebenfalls schon berichtet haben, hat er seine Arbeit nun vorgestellt.

 

 

_____________________________________________________________


UKRAINE

 

CL-Finale in Kiew wirft seine Schatten voraus

In der Ukraine und vor allem in der Hauptstadt Kiew steht schon seit Tagen alles im Zeichen des kommenden Champions League Finales zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool. Und den größten Ärger gibt es – wie soll es anders sein – um die explodierten Hotel- und Ticketpreise. Fans beider Mannschaften würden bereits verzweifelt versuchen, ihre Tickets zu verkaufen, berichtet Football24.ua, weil die Hotelkosten um fast das zehnfache gestiegen seien.
Wie Znaj.sport berichtet, seien - trotz der gewaltigen Kosten - bereits 90 Prozent der Hotelplätze in Kiew verkauft. Auch deshalb haben sich einige Fanklubs des FC Liverpool entschieden, in Lwiw zu bleiben und auch alle ausländischen Fans ihres Vereins zu sich in den Westen der Ukraine einzuladen. Die Stadt sei bedeutend billiger als Kiew und deshalb viel geeigneter, um gemeinsam zu feiern.
Solidarität erhalten die Besucher aus Madrid und Liverpool aber auch von einheimischer Seite. Eine vor wenigen Wochen eingerichtete Facebook-Gruppevermittelt für Fans kostenlose Übernachtungen in Kiew. Die Seite hat mittlerweile 8.000 Mitglieder und über 150 Posts täglich.
Die Seite dsnews.ua berichtet dagegen etwas sarkastisch von der Fan-Zone auf Kiews Prachtstraße Chreschtschatyk, wo das Spiel zwar nicht übertragen wird, dafür aber alles für zwei Wochen gesperrt ist. Es wird  außerdem erwähnt, dass beide Klubs ihre Ticketkontigente verkauft hätten, jedoch weitere Fans in die ukrainische Hauptstadt reisen wollen. Für diese wurden von den Kiewer Behörden weitere Treffpunkte in der Stadt eingerichtet.
Außerdem meldeten ukrainischen Medien, dass die ukrainische Fluglinie Aero UA von einem Mitarbeiterstreik bedroht sei, der die Anreise für das CL-Finale beeinträchtigen könnte. In einem Bericht vom 19. Mai verwies die Fluglinie diese Informationen allerdings ins Reich der Legende und erklärte, dass dies lediglich eine hybride Manipulationskampagne sei, um die Ukraine zu verunglimpfen.
 

Veres Rivne wird in FK Lwiw umbenannt
Nach zahlreichen Turbulenzen in den vergangenen Jahren zeichnet sich bezüglich des ukrainischen Traditionsvereins Veres Rivne nun eine Perspektive ab, die allerdings etwas seltsam ist und in dieser Form wohl nur in der Ukraine möglich ist. Wie der Präsident Bogdan Kopytko in einem Brief mitteilte, kehrt der momentan in Lwiw spielende Fußballklub zwar in seine etwa 200 Kilometer entfernte Heimatstadt Rivne (250.000 Einwohner) zurück, fusioniert aber mit dem 2006 gegründeten FK Lwiw und nimmt in Zukunft dessen Namen an. Der zu Sowjetzeiten Avanhard genannte Verein hatte in den 1990er Jahren ein bedeutende Rolle in der obersten ukrainischen Fußball-Liga gespielt. Veres war aufgrund des verfallenen Stadions in Rivne gezwungen gewesen, die Heimspiele seine Premjer Liha-Saison 2017/18 in Lwiw zu spielen. Die weite Anreise zu den Heimspielen hatte die alte Fanbasis allerdings reduziert. Veres Rivne selbst dagegen wird eine neue Vereinsstruktur gründen und in Rivne in der kommenden Saison in der dritthöchsten Klasse des Landes starten, wie Sport.ua berichtete.

 

 

 ____________________________________________________________

 

BELARUS

 

Maradona als Retter des belarussischen Fußballs?

Der 15. Mai 2018 wird aller Voraussicht nach in die jüngere Geschichte der Republik Belarus eingehen. Denn an diesem Tag twitterte der belarussische Fußballverein Dynamo Brest unter der russischen Überschrift "Ein historisches Foto" vier Bilder, auf denen die Fußballlegende Diego Maradona zu sehen ist. Auf einem sieht man den Argentinier bei einem Akt, den man unmissverständlich als Vertragsunterzeichnung deuten konnte. Und tatsächlich: Der 58-Jährige hat bei dem westbelarussischen Verein einen Dreijahresvertrag unterschrieben, der ihn zum Vorstandsvorsitzenden des Klubs macht. Arbeitsbeginn ist wohl der kommende September. Vorher hat Maradona schließlich noch andere Verpflichtungen: Während der WM arbeitet er als TV-Kommentator bei einem Sender aus Venezuela. In der vergangenen Wocheunterstützte er den venezuelanischen Präsidenten Nicolás Maduro bei dessen Wiederwahl in einem Land, in dem die wirtschaftliche Not grassiert und das Maduro in eine harte Autokratie verwandelt hat. Unter Hugo Chavez, der 2013 verstarb, wurden die autokratischen Regierungen von Venezuela und Belarus zu engen Partnern. Dass Maradona eine Vorliebe für autokratische Führungspersönlichkeiten und ebenselbe Strukturen hat, ist hinlänglich bekannt. Er spielte für Kadyrow Fußball, unterzog sich auf Fidel Castros Kuba einer Entziehungskur und 2011/12 war er Trainer des Teams Al-Wasl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Und dort führt ihn nun auch der neue Job hin. Denn der Vertrag wurde nicht etwa im historischen Brest unterschrieben, sondern in Dubai. Dort hat das Unternehmen Sohra Overseas seinen Sitz, das wiederum mit belarussischen Maschinen und Schwerlastfahrzeugen handelt und das seit 2016 Eigentümer des Vereins Dynamo Brest ist. Das Sagen im Klub hat allerdings ein Belarusse. Und zwar Aleksandr Sajzev, ein Geschäftsmann, der für das Außenministerium gearbeitet hat und ein Vertrauter von Viktor Lukaschenko ist, dem ältesten Sohn des 1994 amtierenden Präsidenten. Saizev soll die arabischen Investoren zu Dynamo Brest geholt haben.
Der Provinzklub muss seine Arbeit offensichltich erstmal an die internationale Aufmerksamkeit anpassen, die mit der Verpflichtung Maradonas begonnen hat. Bereits am Tag der Verkündung der Vertragsunterzeichnung meldeten sich hunderte spanisch- und englischsprachige Fans auf dem Twitter-Account des Vereins. Mehrfach empfahlen sie dem Klub, die Meldungen in den sozialen Medien künftig zumindest zweisprachig zu veröffentlichen. 
Was aber soll die Verpflichtung des einstigen Wunderfußballers und ehemaligen Trainers der argentinischen Nationalmannschaft? Das fragten sich auch zahlreiche Kommentatoren in Belarus, wo die nahende Ankunft des Argentiniers mit einer Mischung aus Verwunderung, kritischer Distanz und Humor aufgenommen wurde. Ein Blogger auf dem Sportportal Tribuna kommentierte: "Und es ist sogar gut, ganz offensichtlich, dass es in diesem Fall nicht um den Sport geht, sondern um PR und Werbung. In der Tat, Maradona unterzeichnete einen PR-Vertrag, wurde zum Markenbotschafter, und erlaubte den belarussischen Emporkömmlingen im Schatten seines großen Namens zu stehen." Selbst Sergej Kovalchuk, belarussischer Minister für Sport und Tourismus, äußerte sich im Staatsfernsehen Belarus1 sehr zurückhaltend über die Neuverpflichtung: "Ich denke nicht, dass er hier in einem tieferen Sinne etwas verändern wird." Maradona selbst, der bis vor kurzem noch den Verein Al-Fujairah SC in den Arabischen Emiraten trainierte, benutzte in einem Willkommensvideo auch das Wort "Trainer", als er seinen neuen Job beschrieb. Man darf gespannt sein, ob der Argentinier seinen Wohnort im Herbst tatsächlich an den Bug verlegen wird, um die Mannschaft von Brest zu trainieren, oder ob er lediglich als PR-Maskottchen eingekauft wurde. Allerdings, so fand die russische Zeitung Novaja Gazeta heraus, dürfte es nicht leicht sein, in Brest ein Grundstück und ein Haus zu finden, die den extravaganten Anforderungen von Maradona genügen. Die Brester Illustratorin Ania Redko nahm die Verpflichtung des Vereins ihrer Heimatstadt schon mal zum Anlass, Maradona unter der Überschrift "D steht für Diego!" ein visuelles Denkmal zu setzen. Und den ersten Titel hat Maradona in seiner Eigenschaft als neuer Vorstand des Vereins jedenfalls schon mal eingefahren. Am vergangenen Samstag schlug Dynamo im Landespokalfinale BATE Borisov mit 3:2 und verteidigte damit seinen Titel.

 

_______________________________________________________________

 

DEUTSCHSPRACHIGE MEDIEN
 

 

 Doping bei russischen Spielern?

In der deutschen und internationalen Presse sorgte in den vergangenen Tagen das Thema Doping für Schlagzeilen zur WM. Zunächst berichteten Deutschlandfunk und Sportschau von auffälligen Dopingproben russischer Nationalspieler. Die FIFA allerdings hat WM-Gastgeber Russland „mangels ausreichender Beweise“ von den Dopingverdächtigungen gegenüber seinen Fußballern des Landes entlastet. Wie der Weltverband am Dienstag mitteilte, seien bei Ermittlungen keine Beweise für Dopingvergehen der aktuellen russischen Nationalspieler im vorläufigen WM-Kader festgestellt worden. 
Der Kicker meldete, dass Ruslan Kambolov, Spieler von Rubin Kazan, aufgrund der Dopingermittlungen aus dem Kader der Nationalmannschaft gestrichen wurde.
 

Ermittlungen gegen russisches Geld 
Wie sie Süddeutsche Zeitung in einem Artikel berichtete, könnte es neben Chelsea-Eigentümer Roman Abramowitsch auch für weitere russische Oligarchen in London in Zukunft ungemütlich werden. Der russische Staat und seine Oligarchen verstecken offenbar dubioses Geld in der britischen Hauptstadt, so die Klage des englischen Parlaments. Wogegen die Behörden auf der Insel nun vorgehen wollen.
 

Wettskandal erschüttert ukrainischen Fußball 
Über eine landesweite Großrazzia der ukrainischen Polizei bei Vereinen der vier obersten Spielklassen in der Ukraine berichtete Spiegel Online. Wie der ukrainische Innenminister Arsen Awakow in Kiew mitteilte, ständen 35 von insgesamt 52 Vereinen unter dringendem Verdacht, Spiele manipuliert zu haben. An den illegalen Absprachen sollen mehr als 320 Menschen beteiligt gewesen sein, darunter Trainer, Spieler und Klub-Besitzer. Schiedsrichter hätten bis zu 3200 Euro für eine Spielmanipulation erhalten, hieß es. Aufgrund der Absprachen sollen jährlich knapp 4,2 Millionen Euro über Sportwetten in Asien verdient worden sein.

Leitfaden zu Menschenrechtsverletzungen
Die am 14. Juni 2018 beginnende Fußball-Weltmeisterschaft findet während der schlimmsten Menschenrechtskrise in Russland seit der Sowjetzeit statt, so Human Rights Watch. Die FIFA soll ihren Einfluss auf die russischen Behörden nutzen, um gegen Verletzungen der Arbeiterrechte, die Einschränkung grundlegender Rechte und die fortwährende Unterdrückung von Menschenrechtsaktivisten vorzugehen. Die Menschenrechtsorganisation hat einen 44-seitigen Leitfaden für Journalisten und Medien veröffentlicht, in dem die Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der WM in Russland eingehend dargestellt werden.

__________________________________________________________

IN EIGENER SACHE

Eine intensive Seminarwoche
Am gestrigen Mittwoch ist unser Seminar zur "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" in Berlin zu Ende gegangen. 16 Journalisten, Aktivisten, Fans und Vereinsmitarbeiter aus der Ukraine, aus Belarus und aus Russland verschafften sich während einer arbeitsintensiven Woche einen Eindruck von den Funktionsweisen und Herausforderungen der hiesigen Fankultur, dem Engagement von Fan-Initiativen und der Arbeit von Institutionen wie der Polizei beim Fußball. Da wir diesmal auch die ehrenamtliche und gesellschaftspolitische Arbeit von Amateur-Fußballvereinen zum Thema hatten, standen Besuche bei Vereinen wie Lichtenberg 47 (Foto) oder Türkiyemspor 1978 Berlin auf dem Programm. Gerd Liesegang, Vize-Präsident des Berliner Fußballverbandes, referierte über die Strukturen des Amateurfußballs und Themen wie Gewalt- und Rassismusprävention. Rico Noack vom Verein Gesellschaftsspiele erklärte die vereinsübergreifende und gesellschaftspolitische Arbeit im Fußballraum und Andreas Bock von der Zeitschrift 11Freunde diskutierte mit unserem Seminar die journalistische Aufarbeitung von Fankultur. Wir danken allen unseren Referenten und Gesprächspartnern, die ihr Wissen und ihre Zeit mit uns geteilt haben! 

Da ist das Ding!
Wie bereits in unserem letzten Newsletter angekündigt: Am Dienstag, 29 Mai, erscheint unser Buch "Doppelpass mit Russland. Ein Reiseführer in die russische Fußballkultur", das wir zusammen mit dem Berliner Osteuropa-Journalistennetzwerk n-ost für die DFB-Kulturstiftung konzipiert und produziert haben. Der Reiseführer hat 168 Seiten und erscheint in einer Auflage von 10.000 Stück. Innerhalb Deutschlands ist er kostenlos und portofrei bei der DFB-Kulturstiftung bestellbar. Er steht daneben elektronisch zum Download bereit. Außerdem liegt er an den Stützpunkten der deutschen Fanbotschaft bei der #WM18 für alle Fans und Fußballinteressierte aus. Alle Informationen rund um das Buch und den Bestellformalitäten gibt es es auf dieser Webseite, die wir speziell eingerichtet haben: https://doppelpass-mit-russland.de/.

Beiträge von uns zum Fußball in der Ukraine
Am Wochenende findet in Kiew das Champions League-Finale zwischen Liverpool und Real Madrid statt. Die Rückkehr des Hochglanzfußballs in die Ukraine haben wir zum Anlass genommen, um für das Projekt Ukraine verstehen des Zentrums Liberale Moderne in einem längeren Beitrag einen Blick hinter die Kulissen des ukrainischen Fußballs zu werfen. Wurden nach der Europameisterschaft 2012 noch große Hoffnungen in den Fußball des Landes gesetzt, befindet sich dieser aktuell in einer schweren Krise. Am heutigen Donnerstag erscheint auf Ukraine verstehen zum Thema auch ein Interview mit dem Ukrainer Igor Gomonai, einem ehemaligen Teilnehmer unserer Seminar zur "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft". Mit den Folgen des Krieges für den ukrainischen Fußball beschäftigt sich ein sehr empfehlenswerter Beitrag auf Deutschlandfunk von Ronny Blaschke, für den auch wir interviewt wurden.


Der nächste Newsletter erscheint - wie oben angekündigt - bereits in einer Woche, also am 31. Mai 2018. Bis dahin!



EURE FANKURVE OST