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Der aktuelle Newsletter

 

 
Newsletter Nr. 43 vom 20. Mai 2020

 

Liebe Leserinnen und Leser! In der ganzen Welt ruht (noch) der Ball. Nur in Belarus wird Fußball gespielt. Kein Wunder bei einem autokratischen Präsidenten, der sich in sowjetischer Tradition als starker Mann präsentieren muss, indem er verkündet, auch mit dem Virus fertig zu werden. Dabei gab Lukaschenka in den vergangenen Wochen absurde Ratschläge und Tipps, wie man dem Virus begegnen müsse - mit Wodka, Saunagängen und Traktorfahren - was für das Land und die Bevölkerung tragische Konsequenzen hat. Welche Auswirkungen das bizarre Schauspiel auf den Fußball im Land hat, zeigen wir in einem umfangreichen Dossier in dieser Ausgabe unseres neuen Newsletters, der das erste Mal unter der Trägerschaft unserer neu gegründeten dAch gGmbh erscheint (das Logo findet man am Ende des Newsletters, Die Webseite entsteht gerade). Damit geht auch die langjährige Zusammenarbeit mit dem DRA e.V. zu Ende, für die wir uns an dieser Stelle nochmals bedanken. Wir selbst werden mit unserem Projekt "Fankurve Ost - Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" auch in diesem Jahr weitermachen. Allerdings ist das Projekt zurzeit auch von den Kontakt- und Reisebeschränkungen im Zuge der Corona-Krise betroffen, sodass wir noch keine Seminare oder Workshops durchführen können. Wie es weitergeht, erfahrt Ihr in den nächsten Wochen.

 

Der Newsletter wird ab sofort wieder von Christian Henkel betreut, der bereits bis Ende November 2018 bei uns tätig war. Christian ist bekanntlich ein erfahrener Journalist, der für die taz, FAZ und andere Medien schreibt und sich bestens in Osteuropa auskennt. Auf dem Foto sieht man ihn im Stadion des FK Minsk. Die Redaktion des Newsletters verbleibt bei Ingo Petz. 



Wir hoffen, dass wir das Niveau unserer vorherigen Newsletter halten können. Wenn Ihr Anregungen habt, meldet Euch gerne bei uns. Über Facebook, Twitter oder via Mail. Für die erste Ausgabe nach der Pause haben wir uns ordentlich ins Zeug gelegt und hoffentlich ein paar interessante Geschichten für Euch ausgegraben.

Viel Vergnügen bei der Lektüre!

 

 
RUSSLAND
 

"Wir sind alle fußballkrank"
In Russland konnten die Infektionszahlen der Coronavirus-Pandemie irgendwann  nicht mehr ignoriert werden. Befand sich das Land anfänglich noch in einer Phase des Nichtstuns, so gelten seit dem 6. April rigide Ausgangsbeschränkungen. Auch die professionellen Fußball-Ligen stellten nach dem 22. von 30 Spieltagen am 15. März ihren Spielbetrieb ein. Nachdem Russland und vor allem die Hauptstadt Moskau aktuell die meisten Neuinfektionen in Europa verzeichnet, steht die Wiederaufnahme des Spielbetriebs mehr denn je in Frage. An eine Eskalation der Situation wollten beispiesweise die Fans von Zenit St. Petersburg nicht glauben, als sie beim 7:1 Kantersieg im letzten Heimspiel am 14. März gegen Ural Jekaterinburg eng gedrängt im Einheitslook auftraten und auf einem riesigen Banner, das man auf Sport-Ekspress sehen kann, verkündeten: "Мы все больны футболом и за «Зенит» умрем" (dt. „Wir sind alle fußballkrank und sterben für Zenit“)

In Gesängen wurde es noch etwas makaberer, wie man auf YouTube sehen kann. Dort hieß es immer wieder, „Мы все умрем!“ (dt. „Wir müssen alle einmal sterben!“).

Die kurz darauf einsetzenden harten Einschnitte ins alltägliche Leben und im Fußballalltag in Russland ließen die Zyniker unter den Fußballfans allerdings schnell verstummen. Vereine, Ultras und andere Fangruppen zeigten sich nun von ihrer solidarischen Seite und organisierten Hilfsmaßnahmen. So startete zum Beispiel Zenit St Petersburg zusammen mit dem Online-Lebensmittel-Service Yandex Lavka eine Wohltätigkeitskampagne, während der Lebensmittelpakete an die Wohnungen alter hilfsbedürftigen und behinderter Zenit-Fans geliefert wurden, wie man bei Anadolu Agency lesen kann.

Als einer der Auslieferer mit Maske: Russlands wohl bester Fußballer der Neuzeit und Zenit-Legende Andrei Arschawin, wie 360TV zeigt.
 

Einkaufsservice für Spartak-Fans und andere Aktionen
Den Ruf, der einzig wahre Volksklub Russlands zu sein, bestätigten die Fans von Spartak Moskau. Organisiert von den Betreibern des Telegram-Channels „Supporters Group News / Spartak Moskau“ wurde eine Lieferkette ins Leben gerufen, mittels derer hilfsbedürftige Spartak-Fans Zuhause mit Lebensmitteln versorgt wurden. Die Supporters Group erklärte dazu in einem bei Telegram veröffentlichten Statement: „Seit einem Monat rufen unsere Freiwilligen täglich Dutzende von Menschen an, gehen in Geschäfte, um einzukaufen, und eilen zu Adressen, an denen auf sie gewartet wird.“ Insgesamt seien in knapp 800 Paketen nahezu drei Tonnen an Lebensmitteln an ausgeliefert worden. Von dem Spartak-Corona-Service profitieren nicht nur über 50 ehemalige Spieler des Clubs, sondern auch Veteranen des 2. Weltkriegs, alleinstehende Rentner, Großfamilien und Fans mit Behinderungen. Unter den Auslieferern befanden sich auch mehrere aktive und ehemalige Spieler von Spartak, darunter der langjährige Kapitän Denis Gluschakow, wie das Medium Nevasport berichtet.

Doch die Spartak-Solidarität blieb offenbar nicht auf Moskau beschränkt. Unter anderem erhielten auch im 200 Kilometer entfernten Wladimir Spartak-Fans Hilfe aus der Hauptstadt. Mit finanzieller und organisatorischer Unterstützung von den Moskauer Spartak-Ultras konnten in Wladimir über 170 hilfsbedürftige Familien unterstützt werden, wie man bei VladOnline lesen kann.

Eine spezielle Danksagung der Spartak Supporters Group gab es auch an die Ärzte, welche in Russland, ohne große staatliche Unterstützung gerade unter besonders schwierigen Bedingungen arbeiten. Wie das Portal von Sport-Express berichtet, wurde für sie auf dem Rasen eines Trainingsstadions ein riesiges Transparent, mit den Worten: «Герои нашего времени» (dt. „Helden unserer Zeit“) ausgelegt.

"Was wollt ihr denn?"
Fan- und Supporter-Videos in leeren Stadien zu drehen, scheint während der Corona-Krise auch bei den ZSKA-Anhängern angesagt zu sein. Auf dem offiziellen YouTube-Kanal von ZSKA wurde während der Hochphase der Corona-Krise im vergangenen Monat ein Video mit einem ihrer bekanntesten Fans Dmitri Bugrow, Spitzname „Dima Lisy“, veröffentlicht. Darin steht er vor einer virtuellen Fan-Wand und scheint sich an einen westdeutschen Werbespott der 1980er Jahre von „Maoam“ zu orientieren, wenn er nacheinander fragt, ob die Fans die „Corona-Bombe“, „erhöhte Temperatur“ oder „Fan-Strafzahlungen“ haben, ob sie „belarussischen Fußball in einer Bar im Fernsehen“ sehen oder „mit dem Hund im Wald spazieren gehen“ wollen und jedes Mal ein „Nein“ bekommt. Der Katalog seiner Fragen ist ein Sammelsurium aus dem russischen Sprüche-Katalog und deswegen äußerst unterhaltsam in der langen Fußball-Pause. Das belarussische Medium Pressball berichtet über diese Aktion, die auf ein bekanntes Ritual bei ZSKA im Block zurückgeht und sich "Atomnaja bomba" (Atombombe) nennt. Hier die Originalversion dieses Fan-Wechselgesangs.

Torhüter übt scharfe Kritik an Putin
Während sich die russischen Fußballfans bezüglich der Kritik an den Corona-Maßnahmen der Staatsführung auffallend zurückhielten, lehnte sich der Torhüter des abstiegsbedrohten Vereins Krylja Sowetow Samara, Jewgeni Frolow, weit aus dem Fenster, als er in einem Video-Interview, welches er Ende April mit dem Sportjournalisten Sergej Jegorow führte, harsche Worte in Richtung Moskau sendete. Dabei beschuldigte er Präsident Putin im Fernsehen, vor allem bezüglich der finanziellen Unterstützung der Bevölkerung nur Unsinn zu erzählen. Staatliche Institutionen, insbesondere die in der Hauptstadt würden nur „für sich selbst und für diejenigen, die an der Macht sind“ arbeiten. Die normale Bevölkerung erwarte hingegen statt Hilfe Strafen und Repressalien. „Wir sind gezwungen, zu Hause zu bleiben, und es gibt keine Hilfe vom Staat“, so der 32-Jährige. "Die Leute werden im Mai den zweiten Monat kein Gehalt bekommen. Und was macht unsere Polizei? Sie verhängt Strafen von durchschnittlich 5.000 Rubel (60 Euro), dreht den Menschen die Hände auf den Rücken, schlägt ihnen ins Gesicht und nimmt ihnen das letzte Geld weg. Wie in den Tagen der Leibeigenschaft hat man keine Rechte oder Freiheiten. Gleichzeitig hat kein einziger in der Staatsduma angeboten, die eigenen Gehälter zu kürzen“

Sein Klub erklärte daraufhin, dass das Interview Frolows nicht autorisiert gewesen sei, er damit gegen die Bestimmungen seines Vertrages verstoßen und die Interessen des Teams verletzt habe. Weil das Video auf YouTube allerdings schnell große Wirkung entfachte und fast 700 meist zustimmende Kommentare verfasst wurden, nahm Krylia Sowetow die zunächst angekündigten „harten“ Disziplinarmaßnahmen wenig später wieder zurück und erklärte Jewgeni Frolow werde weiterhin für den Klub aktiv sein, für das Interview allerdings solle er noch bestraft werden, wie man bei Moscow Times und auf Championat lesen kann.
 

"Was ist das? Fußball?"
Ähnlich wie andere Fußballfans aus ganz Europa scheinen auch in Russland immer mehr die Lust am professionellen Fußball in ihrem Land im Zuge der Korona-Krise verloren zu haben. Für sie alle schrieb Dmitri Jegorow in seiner Kolumne auf dem Portal Championat.com

Jegorow ist in Russland einer der besten jungen Sportjournalisten. Er hat eine eigene Fernsehsendung beim Sportsender „Match TV“, arbeitete bei Olympia und großen Fußballturnieren und erhielt für seine Arbeit bei den Olympischen Spielen in Sotschi ein extra Dankesschreiben von Wladimir Putin. In seinem Text «Это не футбол» (dt „ das ist nicht Fußball“) konstatiert er nun resigniert: „Die Spieler, Agenten, Kollegen, Beamten und Richter. Die Bereitschaftspolizei und Minister, die mit fünf Schritten von ihrer VIP-Loge in den Mercedes zurück nach Hause springen - nein, das ist genug, ich gebe auf.“ Und weiter: „Es wird mir nichts fehlen, wenn ich Ramsan Kadyrow während der Erstliga-Spiele nicht mehr schreien höre und wenn sich die Spartak-Tribüne in Richtung ihres Besitzers Leonid Fedun kein schlechtes Wort mehr traut.“ Russische Profis in In- und Ausland würden mit einer teuren Flasche Wein das Gehalt eines normalen Eisenbahners versaufen und überhaupt sei es besser, von dem ganzen Geld, angesichts des maroden Gesundheitssystems Krankenhäuser zu bauen. „Staatliche Unternehmen und angeblich private Ölfirmen haben nicht das Recht, Milliarden in künstlich existierende Fußballvereine zu werfen, wenn ein normaler Arbeiter, der Tag und Nacht Schienen legt, nichts als Meerrettich frisst. Was sind Europapokale? Was ist die Champions League? Was ist der Sieg bei der Europameisterschaft? Wir gehen durch die Straßen, schauen uns die Stadien unserer Kindheit an. Und fragen uns: Was ist das?! Fußball?"

Rückkehr in die frühen 2000er Jahre
Dass es für den russischen Fußball nach der Corona-Krise allerdings kaum so weitergehen wird, wie bisher deutete der ehemalige Sportdirektor von Dynamo Moskau, Roman Oreschuk in einem langen Interview, das man auf Sportbox.ru oder auf Sports.ru lesen kann.

Laut Oreschuk werde der russische Vereinsfußball wieder in die frühen 2000er Jahre zurückgeworfen, als die guten russischen Fußballspieler ins Ausland gingen, um Geld zu verdienen. „Die Krise wird ein guter Anstoß sein, denn eigentlich verdienen die meisten russischen Spieler in der Premier Liga ihre hohen Gehälter nicht“, so Oreschuk. „Die Kluft zwischen den kleinen und großen Vereinen in Russland dürfte sich weiter vergrößern, auch wenn ich davon ausgehe, dass selbst die potenten Geldgeber Gazprom (Zenit St Petersburg), LUKOIL (Spartak Moskau), VTB (Dynamo Moskau) oder die Russische Eisenbahn (Lokomotive Moskau) ihre Strategie überdenken werden.“
 

Film über den „Russischen Pele“
In den Turbulenzen der Corona-Krise musste auch eine besondere Film-Premiere vom ursprünglich angesetzten Termin am 16. April 2020 auf den 17. Dezember 2020 verschoben werden.
Der Fim „Streltsov“ behandelt das Leben von Eduard Streltsow, der von vielen als der wohl beste russische Feldspieler aller Zeiten gesehen wird. Der „Russische Pele“ war der Posterboy der sowjetischen Jugend der 1950er Jahre, verbrachte aber aufgrund eines Vergewaltigungsvorwurfs im Alter zwischen 20 und 25 eine Episode seines Lebens in einem Gulag in Sibirien. Nach seiner Entlassung führte er Torpedo Moskau zur Meisterschaft und wurde noch zweimal Fußballer des Jahres in der UdSSR. Hier der Trailer. Auf Youtube gibt es diesen schönen Beitrag mit interessanten Bewegtbildern aus Streltsovs Leben.
 

Die „Gammler“ von Zenit
Ein weiteres interessanter Thema aus der Rubrik „Geschichte“ behandelt ein Artikel auf dem russischen Fußball-Portal Gol.ru. Darin geht es um die Geschichte der Fußball-Fans von Zenit St Petersburg und vor allem um ihren Spitzname «бомжи», welcher mit dem deutschen „Gammler“ oder „Müllsammler“ noch vorsichtig umschrieben ist. Der Text führt bis in die frühen 1980er Jahre zurück. 1984 gewann der Verein, damals noch unter seinem Namen Zenit Leningrad, seine einzige sowjetische Meisterschaft und besonders populär sei es deshalb gewesen, mit entsprechend bedruckten Plastiktüten durch die Stadt zu laufen. Außerdem seien Zenit-Fans die ersten gewesen, die in der UdSSR auf organisierte Weise durchs Land reisten. Viele von ihnen seien auf den Zugreisen stark betrunken gewesen und hätten die Nächte, nur mit Rucksack bekleidet auf Parkbänken und in Bahnhöfen verbracht.
 

 

Spartak-Fan wegen Aufruf zum Extremismus angeklagt
Ein Spartak-Ultra, der wegen schwerer Körperverletzung bereits eine Haftstrafe verbüßt, wurde laut dem russischen Portal zebra-tv.ru nun von der Staatsanwaltschaft zusätzlich angeklagt, weil er zwischen 2014 und 2015 auf seinem Account beim Netzwerk Vkontakte Material veröffentlicht hatte, welches zu Gewalttaten gegen Personen bestimmter Rassen und Nationalitäten aufrief. Der Beschuldigte soll seit 2006 aktives Mitglied der Spartak-Ultras sein. Wenn ihn das Gericht für schuldig erklärt, können bis zu 5 Jahre Gefängnis zu seiner derzeitigen Haftstrafe von dreieinhalb Jahren hinzugefügt werden.

 
UKRAINE 

"Der Krieg hat die Szenen verändert"

Auch in der Ukraine schlägt die drohende Verurteilung eines Ultras hohe Wellen. In einem großen Hintergrundbericht auf der Seite Ukraina.ru beschreibt der Journalist Egor Leev, warum diverse ukrainische Ultra-Gruppen den Behörden mit Unruhen drohen, sollte der Mordverdächtige Serhiy Stiernienka tatsächlich vor Gericht gestellt werden. Im Text, der mit „Gewalt als Ziel - Warum Ultras immer ein Feind des ukrainischen Staates sein werden“ überschrieben ist, versucht Leev den Fall „Serhiy Stiernienka” nochmal mit all seinen Hintergründen darzustellen. Serhiy Stiernienka, der frühere Anführer der Odessa-Zelle des Rechten Sektors, hatte im Mai 2018 in Odessa einen Mann erstochen, angeblich aus Notwehr.

Bis jetzt war der 25-jährige auf freien Fuß geblieben. Doch seit März bereitet die Staatsanwaltschaft offenbar doch noch eine Mordanklage vor. Stiernenka wird dabei von Fans der Dynamo-Fußballvereine Rodichi Block und Kiew, Metallurg Zaporozhye, Crystal Kherson, Karpaty Lviv, Volyn Lutsk, Tavria Simferopol und FC Kovel-Volyn Kovel unterstützt. In einem Post erklärten die Ultras von „Rodichi“: „Wir sind überzeugt, dass sie Serhiy dafür verantwortlich machen wollen, dass er es gewagt hat, in Odessa Ukrainer zu sein. Wenn er festgenommen wird, sind wir bereit, ihn mit massiven Straßenprotesten zu unterstützen!“. Unterstützung erhält Stiernienka allerdings auch von bekannten rechtsextremen Aktivisten wie Serhii Filimonov, der ebenso im ultra-nationalistischen Asovschen Bataillon im Donbass kämpfte wie Igor Malyar. Filimonov machte erst im Dezember Schlagzeilen, als er mit einer eigenen Neonazi-Gruppe nach Hongkong flog um dort die Massenproteste gegen die chinesische Zentralregierung zu unterstützen., wie man hier auf der Seite einer dänischen Zeitung lesen kann.

Igor Malyar ist auch kein Unbekannter. Er geriet 2015 in die Medien, als er einen farbigen Fan des englischen Klubs Chelsea attackierte und ihn dabei fast tötete. Nach Egor Leev sind die Drohungen der Ultras auch darauf zurückzuführen, dass nicht nur Malyar und Filimonov sondern auch andere Teile der ukrainischen Ultra-Bewegung im Zuge einer möglichen Verurteilung Serhiy Stiernienkas ebenfalls mit Anklagen wegen politischem Extremismus rechnen müssten.

Bewegung in die Sache “Sternienka” ist vor allem durch die Generalstaatsanwältin der Ukraine Iryna Venediktova gekommen, die den Fall im Oktober des vergangenen Jahres dem ukrainischen Parlament Verkhovna Rada vorgetragen hat. Gegen Venediktova hat der Beschuldigte nun seinerseits einen Antrag beim Nationalen Korruptionsbekämpfungsbüro der Ukraine (NABU) gestellt. Auf seiner Facebook-Seite schrieb Serhiy Stiernienka am 15. April, dass Venediktova in ihrer Funktion als Generalstaatsanwältin eine Edel-Uhr von Hublot im Wert von 10.000 Dollar geschenkt bekommen und diese nicht als Geschenk deklariert haben soll.
 

Dnipro Dnipropetrovsk wird Meister
Das Sport-Portal Tribuna.ua hat derweil die Corona-Pause genutzt, um ein spekulatives Szenario zu verfassen, in dem die Frage gestellt wird: „Wie würde unser Fußball aussehen, wenn Dynamo (Kiew) und Shachtar (Donezk) anstelle von Dnipro (Dnipropetrovsk) und Metalist (Charkiv) das Zeitliche gesegnet hätten?
Der Traum beginnt mit dem Erwachen von Andriy Stetsenko, dem Chef des Pleitevereins Dnipro Dnipropetrovsk. Es ist das Jahr 2015 und es haben sich über Nacht ein paar entscheidende Dinge im ukrainischen Fußball verändert. Dargestellt wird exakt, was momentan gerade der Fall ist: ein neuartiger Virus legt den Fußball lahm, ein Ex-Komiker ist Präsident und in der Meisterschaft spielt statt dem ruhmreichen Dnipro Dnipropetrovsk ein Team mit der obskuren Bezeichnung „Dnipro-1“. Danach folgen die Entwicklung allerdings einer anderen Logik. Denn Milliardär Rinat Achmetov zieht sich endgültig bei Shachtar Donezk zurück, Brasilianer gibt es dort wegen Corona bald nicht mehr und Dynamo Kiew erreicht zwar 2015 noch das Champions League-Finale (was sie 2:5 krachend gegen den FC Sevilla verlieren) wird aber danach so von Strafzahlungen der FIFA stranguliert, dass es schon wenig später absteigen muss. Und wie zu erwarten: Dnipro verpflichtet den Deutschen Domenico Tedesco und wird 2017 Meister. Das Fantasie-Stück ist überaus umfangreich geraten und gibt, trotz absurder Spekulationen einen guten Überblick über die Entwicklungen und Protagonisten des ukrainischen Fußball in der Gegenwart.
 

Vor 50 Jahren – in Odessa bricht die Cholera aus, die Stadt wird unter Quarantäne gestellt
Was zur Folge hat: der Fußballklub Tschernomorets Odessa muss nach Kiew umziehen und steigt, wohl auch wegen eines einmonatigen Trainingsausfalls aus der ersten sowjetischen Fußball-Liga ab, wo sie sich zwischen 1936 und 1991 immerhin 26 Spielzeiten aufhielten. Dieser Artikel auf Tribuna.ua erinnert an die 40-tägige Quarantäne in Odessa im Jahr 1970. Im Zentrum steht vor allem der Verein Tschernomorets und wie Spieler und Verantwortliche den erzwungenen Umzug nach Kiew erlebten.

 
 

BELARUS

Nur in Belarus rollt der Ball
Die Nachricht geht um die Welt: während in fast allen Ländern der Welt der Fußballbetrieb eingestellt wird, startet Mitte März die belarussische Wysschaja Liga unbeirrt in die neue Saison. Wie dieser Artikel auf der belarussischen Seite tut.by zeigt regt sich allerdings schon ab dem 2. Spieltag der Unmut der Fans über die ignorante Haltung der Regierung und des nationalen Fußballverbandes ABFF gegenüber den Gefahren der Corona-Pandemie. Fans von Dinamo Minsk, Schachtar Saligorsk. Neman Grodno, BATE Baryssau und FK Witebsk erklären, die Spiele ihrer Teams bis auf Weiteres nicht mehr zu besuchen. Eine Haltung, die allerdings längst nicht von allen Beteiligten geteilt wird. So zeigt sich Dmitry Dudar, Torhüter von Neman Grodno, in einem Interview mit der Sport-Seite Tribuna zwar beeindruckt von der Furchtlosigkeit der eigenen Fans ihre Anliegen als Bürger so offen vorzutragen, plädiert aber ansonsten für eine Fortsetzung des Spielbetriebs vor Zuschauern.

Die Zuschauerzahlen bei den Spielen der Wysschaja Liga, die ohnehin nicht sonderlich hoch sind (durchschnittlich rund 2200 in der vergangen Saison) sinken vom ersten auf den zweiten Spieltag um die Hälfte und verringern sich mit jeder weiteren Woche auf ein Minimum. Wie es Anfang April in den Stadien zwischen Brest und Witebsk aussieht, illustriert diese sehenswerte Video im Arthaus-Stil, aufgenommen vor dem Heimspiel von Meister Dinamo Brest gegen Slawija Masyr.

Eine sehr umfangreiche Zusammenfassung von unterschiedlichen Fan-Meinungen zum Thema Corona und der Fortsetzung der Wysschaja Liga ist auf der Seite von tut.by zu lesen. Dort kommt auch Anton Martysevych zu Wort, Fan des Vereins Krumkachy, der auch schon an unseren Seminaren teilgenommen hat. Er sagt: "Ich verbringe mein Leben in ständiger Bewegung: Früher gab gab es jeden Abend zahlreiche Veranstaltungen, Unterhaltungen, Treffen mit Freunden, Kino oder Sport. Selten verlief ein Wochenende ohne Ausflüge, besonders zu Beginn der Fußballsaison. Eigentlich habe ich zu Hause nur die Nacht verbracht, aber jetzt lerne ich jeden Abend nach der Arbeit Zeit in der Wohnung, lerne selbst kochen, um nicht verrückt zu werden vor Einsamkeit." Da nur noch wenige ins Stadion gehen, sei es auch nicht schwierig, die notwendige Distanz zu anderen einzuhalten: "Tatsächlich ist die einzige Person, mit der man Kontakt haben muss, wenn man zum Fußball geht, ein Polizist, der einen am Eingang abtastet. Mein Herzensverein Krumkachy hat auch begonnen, Mundschutzmasken zu verkaufen. Früher war es verboten, Gesichter im Fußball zu bedecken, jetzt sind sich alle darüber einig. Ich bin froh, dass überall die Möglichkeit besteht, Hände zu desinfizieren. Manchmal wird die Temperatur am Einlass gemessen - dies ist ein wenig beruhigend, obwohl man versteht, dass asymptomatische Träger des Virus in der Nähe sein können, sodass man versucht, sich von allen fernzuhalten."

Auf der Seite svaboda.org lässt die belarusische Rock-Legende Lavon Volski seine beiden Protagonisten Grishka und Sauka über die Fortsetzung der Fußball-Meisterschaft und das Beharren auf der Sieges-Parade am 9. Mai in Minsk debattieren. Wobei Grishka den Quarantäne-Versteher und Sauka den Corona-Ignoranten gibt. Eine Trash-Variante des Corona-Liedgutes präsentiert dagegen das Trio „White Russians“. Alle Mitglieder sind leidenschaftliche Fans des FK Isloch und erklären in ihrem Lied allen Viren und Krankheiten den Krieg.

In Ermangelung der Fußball-Aktivitäten in anderen Ländern fangen ausländische Fans an, ihre Sympathien auf belarussische Vereine zu lenken. Wie Tribuna berichtet, formen Fans vom englischen Drittligisten Ipswich Town einen Fanclub für den FK Witebsk und solche aus Yorkshire und Glasgow einen für Neman Grodno. Sogar Gary Lineker wird mit Fragen nach seiner Meinung über Neman bombardiert und beschwert sich darüber mittels eines Tweets: "Stop tweeting me about Belarusian Football!"
Und Neman Grodno gewinnt auch eine internationale Wahl zum schönsten Shirt der Wysschaja Liga, wie man auf Tribuna sehen kann.

Wie das Sport-Portal Presbol schreibt, hat es am 28. März durch Anhänger des FK Krumkachy auch den ersten Live-Kommentar in der Geschichte des belarussischen Fußballs gegeben. Die Übertragung auf Youtube erreichte fast 4.000 Aufrufe und wurde von Fans in Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien und anderen Ländern verfolgt.


We love our Slutsk, greatest team in Belarus“
Doch das Team, welches im April ein regelrechtes Popularitätswunder erlebt, ist mit Sicherheit der FK Sluzk, was wohl auch mit der Ähnlichkeit des Namens zu einem bestimmten englische Wort zu tun hat.. Ende März gründet der Australier Jason Robinson auf Facebook die Fanseite „FK Sluzk Worldwide“ und hat damit am 5. April bereits 3.000 Mitglieder. Mittlerweile wird dort die 7000er Marke angepeilt. Über den Australier und seine Initiative berichtet die Seite svaboda.org ausführlich.

Der New Yorker Andy Bajana komponiert sogar eine eigene Hymne, die sofort zum Markenzeichen der ungewöhnlichen Supporter-Gruppe wird.

Spätestens ab dem dritten Spieltag erfahren auch die Spieler des FK Sluzk von ihrer Popularität. Wie der frühere Krumkrachy- und jetzige Sluzk-Spieler Jegor Semenow in einem Interview mit Pressbol erklärt, würde die Unterstützung von tausenden Fans auf der ganzen Welt der Mannschaft einen gewaltigen Motivationsschub verleihen. Im Interview sagte Semenow außerdem, dass man offenbar Glück mit dem Clubnamen gehabt habe. Denn in der englischen Transliteration erinnere das an das englische Wort „Sluts“, welches im deutsch mit „Schlampen“ recht treffend übersetzt ist.

Ein weiteres Wortspiel sicherte dem FK Sluzk auch die aktive Unterstützung einer bekannten russischen Fußballpersönlichkeit. Leonid Slutzky gilt als der beste russische Trainer der Neuzeit, war in England und den Niederlanden aktiv, trainierte lange die russische Nationalmannschaft und ist jetzt bei Rubin Kasan angestellt. In einer Videobotschaft an den Verein FK Sluzk nahm er in seinem Wohnzimmer vor dem Spiel gegen den FK Witebsk eine sehr amüsante Mannschaftsaufstellung vor, die wir Euch nicht vorenthalten wollen.

Interessanterweise erhält der FK Sluzk die unerwartete Unterstützung in der größten Krise seiner erst 22-jährigen Geschichte. Schon vor dem ersten Spieltag der aktuellen Saison stand der Verein vor dem Aus. Der Direktor des Sluzker Zuckerkombinats sitzt wegen Korruptionsvorwürfen in Gefängnis und dem Klub wurde in Zuge dessen der Sponsorenvertrag gekündigt. In einem langen Interview auf Presbol schildert Klub-Direktor Witaly Bunos die prekäre Lage. Unter der Überschrift „Wir essen und leben hier auf Pump, wir fahren mit dem Bus auf Pump – aber der Verein lebt“, beschreibt Bunos, wie die ungewöhnliche Unterstützung durch die Gruppe „FK Slutsk Worldwide“ dem Verein neue Lebensenergie vermittelt hat. Zum Dank wurde vor dem Heimspiel gegen den FK Vitebsk ein Banner für die neuen Unterstützer installiert und durch unseren Seminar-Teilnehmer und langjährigen Sluzk-Fan Yahor Khavanski eine australische Flagge gehisst. Bunos sieht die Lage allerdings realistisch und geht davon aus, dass 90 Prozent der internationalen Aufmerksamkeit spätestens dann verschwindet, wenn in Europa die großen Ligen wieder ihren Spielbetrieb aufnehmen.

Einen besonderen Einblick in den Klub und die Lebensumstände seiner Protagonisten gibt Alexander Iwulin, mit seinem Youtube-Kanal „"Честнок"“ (dt. „Knoblauch“) einer der derzeit populärsten Video-Blogger in Belarus.

Und wer sich mit der Geschichte des Fußballs in der Stadt Sluzk beschäftigen möchte, dem sei dieser umfangreiche Artikel auf der Seite kurjer.info empfohlen.
 

 

"Er wurde 42 Jahre, aber nie wirklich erwachsen"
Ganz weit weg von Sluzk und der Korona-Krise erinnert die Seite Tribuna ein Jahr nach dessen viel zu frühem Tod an einen der Gründer des Vereins KK Krumkachy, Juri Blinow. In diesem Zusammenhang erinnern sich in diesem Text enge Freunde und Weggefährten an einen ungewöhnlichen Menschen. So erinnert sich beispielsweise der Journalist Boris Tasman: "Er wurde 42 Jahre alt, wurde dabei aber nie erwachsen. Yura war so ein erwachsener Junge mit allen Eigenschaften, die dem Jungen innewohnen - Spontanität, Emotionalität, lebhafte Reaktion und Mut. Und natürlich war er fantastisch talentiert. Ich habe fünf oder sechs seiner Konzerte besucht, es waren viele Leute aus dem Club. Wir waren alle so beeindruckt von dem Stück, dass wir nach einem der Konzerte, einer gemeinsamen Aufführung mit der russischen Pianistin Sofia Gulyak, alle hinter die Bühne gingen, um ihm zu gratulieren und ihm zu danken. Das war vor zwei Jahren, im April 2018, und wer hätte gedacht, dass Yura nur noch ein Jahr hat ..."


Mit Fußball gegen Stereotype
Zum Schluss noch eine mutmachende Geschichte aus Belarus: Zwar schon etwas älteren Datums aber für uns trotzdem mehr als erwähnenswert ist ein Interview auf der Seite 34mag.net, welches die Gründer des wohl ungewöhnlichsten Minsker Amateurklubs vorstellt. Urbanist Ales Krot, der bereits an unseren Workshops teilgenommen hat, und der Journalist Yahor Kolesnik haben den Fußballverein „Avtozak“ gegründet, um Spaß zu aber aber auch um Menschenrechte zu thematisieren und Stereotype zu bekämpfen. Der Name des Vereins bezieht sich satirisch auf die Gefangegentransporter, die für gewöhnlich bei Demonstrationen zu sehen sind und die dazu da sind, Protestierende abzutransportieren. Die Motivation den Verein zu gründen, erklärt Ales in dem Interview so: "Irgendwie kamen wir zu dem Schluss, warum nicht etwas zusammen machen? Warum nicht unsere Werte in verschiedenen Sphären verbreiten? Schließlich kommen wir aus sehr unterschiedlichen Bereichen: Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Geschäftsleute, sogar ein Schmied und ein Geologe. Ich bin Baumeister von Ausbildung, habe aber nur einige Jahre in diesem Bereich gearbeitet. Dann arbeitete ich im öffentlichen Raum, also in Jugendorganisationen, und jetzt bin ich bei der städtischen Initiative ´Gute Stadt´verbunden. Egor arbeitet in ganz anderen Bereichen, er hat sogar eine Weile versucht, Sportkommentator zu werden. Dann verließ er den Sportjournalismus und begann, verschiedene audiovisuelle Inhalte zu erstellen."

 

 

AUS DEUTSCHEN UND INTERNATIONALEN MEDIEN


Corona und der belarussische Fußball: "Why not?"

Natürlich schaute auch die internationale Presse in Sachen Fußball in den vergangenen Wochen vor allem auf Belarus und dessen nach wie vor laufende höchste Spielklasse, die Wysschaja Liga. Der englische Guardian schrieb von „Last league standing“ und berichtete von der ungewöhnlichen Popularität, die der belarussische Fußball während der Corona-Krise zufiel.

Die New York Times berichtete bereits Ende April von der Fortsetzung der Liga unter allen Umständen und schrieb in einem Teaser: „When the authorities were asked why, they replied, “Why not?“

Und auch in der deutschen Presse arbeitete sich nahezu jede Zeitung und Internetseite am europäischen Ausnahmefall ab. Einer der wohl faktenreichsten Artikel schrieb Simone Brunner in der Zeit. Darin kamen neben dem österreichischen Profi Darko Bodul vom FK Schachzjor Salihorsk („Als wir hörten, dass die Liga startet, war es ein harter Schlag“) und dem ehemaligen Trainer von Dinamo Minsk, Anatolij Baidatschnij („Die ganze Welt guckt jetzt die belarussische Meisterschaft“) auch Ingo Petz von Fankurve Ost zu Wort. Über die plötzliche Berühmtheit des FK Sluzk sagte er: „Fußball ist eine große Illusionsmaschine, die Illusionen produziert, von einer Familie und Gemeinschaft, von einer Gleichheit unter den Menschen und von Erfolgen, die man wahrscheinlich nie haben wird. … Wahrscheinlich entspringt die neue internationale Fanliebe zum FK Slutsk auch einer Illusion. Nämlich der, dass der Fußballalltag irgendwo noch normal ist.“

 

Im Neues Deutschland zählte Denis Trubetskoy ein paar „überschriftsreife Aussagen“ des belarussischen Verbandspräsidenten Wladimir Basanow („Panik ist jetzt untersagt. Denn wir wissen nicht, was das Coronavirus ist, vielleicht testet jemand einfach eine neue Waffe“) und seines Stellvertreters Michail Wergejenko auf.

Einen wirklichen Insider-Look lieferte Christina Hebel auf Spiegel-Online, indem sie den Fußballer Jegor Semjonow vom FC Sluzk interviewte.

Und auf arte war ein kurzer Film über die Situation in Belarus zu sehen.

Bewegtbilder und O-Töne der Fans des Vereins Torpedo-BelAZ Schodsina lieferte das österreichische Portal krone.at.

Und auch das Portal 11Freunde.de taucht ein in die Welt des belarussischen Fußballs und zitiert dabei den Vorsänger von Dinamo Minsk:
„Weil sich die Regie­rung nicht um uns küm­mert, haben wir eine Ver­pflich­tung den Kin­dern, Alten und den Men­schen mit Vor­er­kran­kung gegen­über. Die müssen wir schützen.“


Spätes Fazit zur WM in Russland
Weit weg vom Thema Corona zog die englische Seite footballparadise zwei Jahre nach der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland eine nüchterne Bilanz über deren Auswirkungen auf die russische Außen- und Innenpolitik. Durch die erfolgreiche Umsetzung einer „zweistufigen“ Veranstaltungspolitik hätte Russland auf der einen Seite erfolgreich demonstriert, dass es von der EU und dem Westen nicht isoliert werden kann. Und auf der anderen Seite die innere Opposition geschwächt. Der Autor schreibt in seinem Resümee: „Zu sagen, dass diese Weltmeisterschaft als eine Form genialer politischer Haltung diente, wäre eine grobe Übertreibung. Es ist jedoch ein Symbol für die Art von nationalem Image, welches sich der Kreml auf der Weltbühne wünscht. Da sich Katar auf ein Turnier vorbereitet, das bereits von politischen und zivile Kontroversen bestimmt ist, sollten Fußballfans weltweit vorsichtig damit sein, welche Illusionen sie am Ende für bare Münze halten.“

 
IN EIGENER SACHE

Artikel ehemaliger Seminar-Teinehmer in Zeiten von Corona
Besondere Freude kommt auf, wenn immer wir einen Artikel früherer Seminar-Teilnehmer entdecken. Und dabei natürlich vor allem, wenn sie dabei die Fanarbeit und das Fan-Engagement in den Fokus nehmen. Während der Corona-Monate März und April gab es diesbezüglich einiges zu berichten. Alexander Petrow berichtet auf Eurosport.ru über die KickInn-Initiative und die äußerst erfolgreiche Facebook-Seite „Quarantäne? Ein Nachbar wird helfen! Er bilanziert, dass in Europa vor allem die deutschen Fangruppen ihre Solidarität gebündelt und gezeigt hätten und wünscht sich ähnliche Aktionen für Russland. Mit außergewöhnlicher Akribie und einer nahezu vollständigen Zusammenstellung aller deutscher Fan-Initiativen in Deutschland während der Corona-Krise beeindruckt der Bundesliga-Blog auf Sports.ru von Alya Sintezkaya.

Und unser ukrainischer Freund und ehemalige Kurs-Teilnehmer Yuri Konkewitsch, auch Gründer des Fanprojektes Volyn, informierte für das ukrainische Portal Sportarena schon am 22. März über die Lage der Fan-Gruppen in Deutschland in Erwartung komplizierter Zeiten.



Fansolidarität in Zeiten Coronas
Am 2. April 2020 waren wir virtuell beim ukrainischen TV-Kanal Futbol 1 zu Gast, wo wir über die Situation des Fußballs in Deutschland infolge der Coronavirus-Krise und über die landesweiten Fan-Hilfs- und Solidaritätsaktionen gesprochen haben. Dank für das Foto geht an Viktor Makarevych.

 
Wir hoffen sehr, dass Euch der Ausflug in die Welt des osteuropäischen Fußballs gefallen und neue Erkenntnisse und Einsichten beschert hat. In vier Wochen sind wir wieder am Ball, wenn es heißt: Doppelpass und Grätsche. Bis dahin wünschen wir Euch eine gute und gesunde Zeit.


EURE FANKURVE OST