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Der aktuelle Newsletter

 

Newsletter Nr. 35 vom 30. April 2019
Liebe Leserinnen und Leser! Anfang April fand unser insgesamt dritter Workshop zum Thema "Fanprojekte und Osteuropa" beim Fanprojekt Berlin statt, bei dem wir mit vielen Gästen und Teilnehmern aus Osteuropa sowie mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von deutschen Fanprojekten (siehe Foto) Szenarien für eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Fanprojekten in Osteuropa und in Deutschland diskutiert haben. Mehr dazu gibt es in diesem Newsletter in der Sektion "In eigener Sache".




In unserer aktuellen Ausgabe berichten wir zudem über den Fortgang des Falls der beiden russischen Fußballer Mamaev und Kokorin, deren Fall nun vor Gericht verhandelt wird. In der Ukraine schauen wir auf einen Fanmarsch, der vor fünf Fahren stattfand und der einen bis heute berüchtigten Fangesang hervorgebracht hat. Belarus gedenkt dem Beginn der ersten Spielzeit nach dem Ende der Sowjetunion. Zudem hat die neue Saison in der höchsten Spielklasse begonnen, die von April bis Anfang Dezember dauert. 

Viel Vergnügen bei der Lektüre!
 
RUSSLAND
 

Das Gericht wird bis zum Ende gehen“
Die unendliche Geschichte über die beiden russischen Fußballer Pavel Mamaev und Aleksandr Kokorin, die wegen einer Schlägerei in einem Moskauer Café im Oktober 2018 in Untersuchungshaft sitzen, fand auch im April seine Fortsetzung. Ein Fall, der in Russland äußerst kontrovers diskutiert wird und den wir im Rahmen unseres Newsletters bereits eingehend beleuchtet haben. Am 8. Februar 2019 hatte ein Moskauer Bezirksgericht die Haft um zwei weitere Monate verlängert. Am 9. April kam es nun zum ersten Verhandlungstag vor einem anderen Moskauer Bezirksgericht. Die Verhandlung beschreibt der bekannte Fotograf Evgenij Feldman in einer Reportage für das Sportportal Sports.ru, diesmal nicht nur mit zahlreichen eindrucksvollen Fotos, sondern auch mit einem Artikel, den er selbst geschrieben hat. Während der Verhandlung gaben die beiden ehemaligen Fußballer der russischen Sbornaja ihre Version des Vorfalls zu Protokoll und ihre Schuld teilweise zu. Allerdings wiesen sie ihre Schuld in Bezug auf den Anklagepunkt „Hooliganismus“ zurück. Dieser könnte ihnen eine Haftstrafe von maximal sieben Jahren einbringen. Ein Urteil in Sachen „Körperverletzung“ dagegen maximal zwei Jahre. Beide Anschuldigungen wurden von der Staatsanwaltschaft aufrecht gehalten. Das Ergebnis der Verhandlung: Mamaev und Kokorin bleiben in Untersuchungshaft, diesmal bis zum 25. September. Die Anwälte der beiden Angeklagten legten daraufhin Berufung ein. Ab Mitte April gingen die Anhörungen weiter. In seiner Kolumne in der Zeitung Sport-Express schlägt der ehemalige Generaldirektor von Dinamo Moskau, Dmitrij Ivanov, vor, den Prozess zu nutzen, um die russische Gesellschaft und ihren Blick auf Fußball und Fußballer zum Positiven zu ändern, indem die Angeklagten und die Opfer zu einer Einigung kommen. Ivanov schlägt vor, eine Stiftung zu gründen, die genutzt werden könnte, um soziale Projekte zu unterstützen. Denn solche Stiftungen würde es bis heute nicht in Russland geben. Das erste Geld sollte von Mamaev und Kokorin eingezahlt werden. Ivanov schreibt: „Diese Geschichte könnte der Liga und dem Russischen Fußballverband zum Nutzen gereichen. Um die Wahrnehmung unseres Fußballs zu verändern, sollten genau solche Schritte möglich sein. In Russland, wo das Image eines Fußballspielers alles andere als ideal war, zerstörten ihn Kokorin und Mamaev mit ihren Aktionen vollständig. Es wäre fair, dass sie beginnen, es wieder herzustellen. Und für besonders zynische Leser werde ich erklären: Suchen Sie in diesem Satz nicht nach Versuchen, die Jungs frei zu sprechen. Für Ihr Verständnis: Ein Abgleich zwischen den Parteien (auch wenn dieser gemäß dem vorgeschlagenen Szenario besteht) bedeutet nicht das Ende des Prozesses. Und das Gericht wird ganz sicher bis zum Ende gehen. Wir können nur auf Gerechtigkeit und Barmherzigkeit hoffen. Wann, wenn sonst über Gnade zu reden, wenn nicht in der Karwoche? Es ist keine Notwendigkeit, jemanden zu erledigen. Lassen Sie uns eine gute Tat auf den Ruinen erschaffen.“


Fußball und Minderheitsrechte
In einem Beitrag für Sovetskij Sport greift Autor Jaroslav Nikolaev eine Konferenz in London auf, die in Zusammenarbeit zwischen UEFA, dem Englischen Fußballverband und der Organisation FARE organisiert wurde und die unter der Losung #EqualGame stand. Thema war die Rolle des Fußballs, um Rechte von Minderheiten zu thematisieren und zu schützen und gegen jedwede Form von Diskriminierung vorzugehen. Dort präsentierte UEFA-Chef Aleksander Čeferin eben jenen neuen Hashtag #EqualGame, der wohl künftig die alte Losung #SaynotoRacism bei Veranstaltungen der UEFA ersetzen soll. Der Autor erörtert die Idee, sich für die Rechte von Minderheit über den Fußball einzusetzen, in seinem Beitrag. Er schreibt: „Solche Konferenzen mit Schlussfolgerungen aus den Reden und ihren abschließenden Empfehlungen werden sehr schnell zu Anlässen für Änderungen der Regulierungsstandards. Schließlich geht es nicht nur um Trainer und Funktionäre in Verbänden, sondern auch darum, wer unter den Vertretern bestimmter Länder ihre Vereinigungen und Fußballverbände in internationalen Strukturen vertreten wird. Unsere Gesellschaft, in der es oft intolerante, homophobe Gefühle gibt, kann man nicht so leicht umstrukturieren. Aber der Fußball sollte dabei helfen. Es ist der Fußball, der am Ende eine Revolution im Bewusstsein bewirken kann.“ Sovetskij Sport erhielt daraufhin nach eigene Worten sehr viele Briefe, Mails und Kommentare, die sich mit dem obigen Beitrag beschäftigten. In einem Gastkommentar unter dem Titel „Warum die Initiative der UEFA nichts für unsere Gesellschaft ist“ antwortet Sergej Adamov seinem Kollegen. Adamov argumentiert, dass er es für falsch halte, Menschen anderer Hautfarbe zu beleidigen. Aber: „Aber wir hatten absolut monströse Sanktionen, die die russische Kultur und unsere eigenen Traditionen nicht berücksichtigten. Denken Sie daran, wie das Stadion in Sankt Petersburg geschlossen wurde wegen der Tatsache, dass die Fans die Zeilen ,der Neger wird getötet´ der einst populären Gruppe ,Verbotene Schlagzeuger´ gesungen haben. Nun, bei diesem Song geht es nicht darum, dass ein Neger zu sein, etwas Schlechtes ist. Es ist nur ein lustiges und komisches Lied. Kennen wir viele Schwarze, die wegen der Existenz dieses Textes beleidigt sind? Ich persönlich habe solche nicht getroffen.“ Er schlussfolgert, dass die Betonung auf die Entwicklung professioneller Strukturen im Fußball gesetzt werden sollte: „Im Allgemeinen hoffe ich, dass unsere Funktionäre keine Nachahmer der europäischen Mode werden und den Profis Vorrang eingeräumt wird. An erster Stelle. Und nicht denen, die sich missachtet fühlen sollen.“
 

Blick in die Geschichte: Sevidovs gewollter Sturz
Der aktuelle Fall von Mamaev und Kokorin inspiriert auch russische Journalisten und Medien, tief in der sowjetischen und russischen Fußballgeschichte nach ähnlichen Fällen zu suchen. In unserem letzten Newsletter berichteten wir von der sowjetischen Fußballlegende Eduard Streltsov, der in den 1960ern im Gefängnis saß. In einem aktuellen Beitrag des Blogs Pjat uglov (Fünf Ecken) auf Sports.ru beschäftigt sich der Autor mit dem russisch-sowjetischen Fußballer Jurij Sevidov (1942 -2010), der zwischen 1960 und 1965 zur Legende bei Spartak Moskau wurde, später aber auch bei Karpaty Lviv oder Shakhtar Donezk spielte. Der Beitrag erzählt die Geschichte Sevidovs, dessen Vater selbst ein berühmter Fußballer beim Verein Krylja Sovetov in Samara und ein erfolgreicher Trainer war. 1962 schoss Sevidov 16 Tore für Spartak. Im Alter von 22 Jahren fuhr er einen Westwagen, einen Ford, und er liebte die Musik von Louis Armstrong. 1965 verursachte Sevidov einen Autounfall, bei dem ein Fußgänger zu Schaden kam: Dmitrij Rjabtschikov war ein zu jener Zeit berühmter Chemiker, der den Stalin-Preis erhalten hatte. Bei der Operation verstarb er, wie sich später herausstellte, durch einen Fehler der Ärzte. Sevidov allerdings wurde daraufhin zu einem politischen Bauernopfer. Selbst Juri Gagarin, die Legende der sowjetischen Raumfahrt, urteilte harsch über Sevidov. Man verurteilte den Fußballer zu zehn Jahren Haft, die nach vier Jahren aufgehoben wurde, weil die sowjetischen Autoritäten zu Ehren des 50. Jubiläums der Oktoberrevolution eine große Amnestie erließen. Sevidov sagte später dazu: „Zunächst wurde mein Fall von der Verkehrspolizei verfolgt, danach wurde ein politischer Fall konstruiert. Da kommt jemand zu mir und sagt: Ich fahnde in einer besonders gewichtigen Sache gegen Sie. Er stellt idiotische Fragen. Woher ist das Auto? Trinken Sie Wein? Mögen Sie Frauen?“ Nach seiner Haft konnte Sevidov nicht zurück zu seinem geliebten Verein Spartak, da die Autoritäten dies verhinderten. Deswegen ging er in die Ukraine.

 
UKRAINE 


Debatte am Spielort von Dynamo Kyiv
Die Debatte bei den ukrainischen Präsidentschaftswahlen, die am 19. April 2019 zwischen Präsident Petro Poroschenko und seinem Herausforderer Volodymyr Zelenskyj stattfand, hat nichts mit Fußball zu tun. Allerdings fand sie im Kiewer Olympiastadion, und damit an der Heimspielstätte von Dynamo Kyiv, statt. Das ukrainische Nachrichtenportal Kyiv Post gibt in seinen Beiträgen zur Debatte einige visuelle Eindrücke vom Ort des Geschehens in der ukrainischen Hauptstadt. Zu der Debatte waren über 22.000 Zuschauer gekommen.
 

Vor 5 Jahren: Fans erfinden populären Gesang
Am 26. April 2018 taten sich die Fans von Metallist Charkiv und Shakhtar Donezk in der Stadt Charkiv zusammen, um bei einem Fanmarsch ihren Unmut gegenüber der Annexion der Krim und den von Russland befeuerten Vorgängen in der Ostukraine kund zu tun. An den Protestmarsch erinnert das Nachrichtenportal Tribuna in einem kurzen Beitrag. Der Marsch wurde vor allem bekannt, weil dort ein Gesang geboren wurde, der seitdem bei fast allen Fußballspielen in der Ukraine angestimmt wird: „Putin chuylo!“ - Wir weisen ausdrücklich daraufhin, dass wir die Übersetzung selbstverständlich nur liefern, weil der Gesang zu einer Art geistigkulturellem Denkmal geworden ist, in dem sich die politischen Vorgänge einer tragischen und bewegten Zeit widerspiegeln. „Chyulo“ entstammt der russischen bzw. ukrainischen Schimpfwortsprache, Mat genannt, und geht auf das Wort „chuy“ zurück, was das männliche Geschlechtsorgan bezeichnet. Übersetzt heißt der Gesang also so viel wie: „Putin ist ein Schwanzkopf!“


"Es ist wichtig, dass die Leute die Ukraine nicht verlassen"
Der ukrainische Journalist Andrej Sen´kiv, der an mehreren unserer Veranstaltungen teilgenommen hat, veröffentlicht auf dem Sportportal Tribuna Interviews mit Fußballern, in denen man mehr erfährt als in den üblichen Sportlerinterviews. Häufig geht es auch um Gesellschaftspolitik. In einem aktuellen Gespräch spricht er mit dem ukrainischen Torhüter Artjom Krichak, der aus der Jugend von Dinamo Kyiv kommt und der nach Anstellungen bei Volyn Luzk oder Olimpik Donezk nun in Ungarn bei MTK in Budapest spielt. Auf die Frage, wie "europäisch" die ungarische Gesellschaft sei, antwortet Krichak: "Es fühlt sich so an, als seien sie in den 90ern stecken geblieben. Wir haben uns davon entfernt. In der Ukraine ist klar, dass wir nach Europa wollen. Obwohl wir so viele Jahre in der Sowjetunion gelebt haben und es unrealistisch ist, die sowjetische Mentalität völlig aus unserem Volk zu vertreiben. Unsere Generation und unsere Kinder sind aber schon unterschiedlich. Mit den Eltern ist es schwieriger. Selbst in mir fühle ich etwas Sowjetisches." Sen´kiv will wissen, was bei Krichak noch an "sowjetischer Mentalität" übrig geblieben sei. Die Antwort: "Ich glaube, dass diejenigen, die vor dem Jahr 2000 geboren wurden, definitiv etwas Sowjetisches in sich haben. Es hängt auch von den Eltern ab. Wenn sie ihr ganzes Leben in der Union gelebt haben, bleiben 30 bis 40 Prozent davon in dir. Da kann man nichts machen. Ich versuche, das loszuwerden. Zum Beispiel, was die Leute denken und sagen, wenn ich mich in einer bestimmten Art und Weise benehme. Oder wenn ich etwas machen wollte und es auch getan habe, aber jemand von oben gesagt hat: ´Nein, nein.´ Das treibt einen um. Ich versuche, meine Tochter nicht damit zu impfen." Zum Schluss spricht Krichak auch über die aktuelle Ukraine: "Die Ukraine ist ein sehr entwickeltes Land. Wenn alle bei sich selbst anfingen und sich glauben machen würden, dass das, was auch immer er tun würde, von Vorteil wäre, könnte die Ukraine zu einem der führenden Länder in Europa werden. Wir haben die mitunter besten Leute in der IT-Technologie, sie bekommen Arbeitsplätze in allen Ländern der Welt und verlassen die Ukraine. Wir haben sehr kluge Leute, die wissen, wie man lernt. Ich hoffe, dass sich etwas ändert, und wir werden ein neues Land aufbauen und entwickeln. Es ist notwendig, dass sich die Menschen hier entwickeln und nicht weg gehen."


Fußball auf der Krim
Der Blog Pole chudes (Feld der Wunder) auf Tribuna beschäftigt sich in einer Fotoreportage mit dem Fußball auf der Krim vor 10 Jahren, vor 5 Jahren und in der Gegenwart. In der Qualifikationsrunde der Europa League 2010/11 spielt Tafriya Simferopol noch gegen Bayer Leverkusen. Ein Spiel, das 10.700 Fans in Simferopol verfolgten und bei dem auch Stars wie Arturo Vidal oder René Adler aufliefen. 2013 war das letzte Jahr, in dem der FC Sevastopol in der höchsten Spielklasse des Landes gegen die Stars von Dinamo Kyiv und Schakhtar Donezk antrat. Nach der Annexion der Krim durch Russland im März 2014 wurde der Verein aufgelöst und unter gleichem Namen neugegründet. Tafriya existiert mittlerweile in zwei Varianten, eine auf der besetzten Krim und eine im Kernland der Ukraine. Auf den Fotos aus der Zeit nach der Annexion ist zu erkennen, dass nur noch wenige Fans den Weg zu den einst bekannten Traditionsvereinen finden. Die Vereine auf der Krim spielen in einer eigenen Liga, da der Russische Fußballverband aus der UEFA und FIFA ausgeschlossen werden würde, wenn er die Klubs aufnehmen würde.
 
 
BELARUS



Erstes Spiel im unabhängigen Belarus
Der belarussische Verein Dynamo Minsk erinnert mit einem Facebook-Post an den Beginn der ersten Saison in der höchsten Spielklasse des Landes nach dem Ende der Sowjetunion. Am 18. April 1992 trafen die Blau-weißen im ersten Spiel auf Metallurg Molodechno (Foto oben). Bei dem Spiel im Dynamo-Stadion von Minsk kamen 6000 Fans zusammen, um die beiden Mannschaften zu unterstützen. Das Spiel allerdings endete torlos 0:0, immerhin ein historisches 0:0.


Fans eröffnen die Saison in Belarus
Seit Anfang April rollt auch in Belarus der Ball wieder. Für die höchste Spielklasse des Landes ist die Saison 2019 angebrochen. Und nach fünf Spieltagen sieht es an der Tabellenspitze noch etwas anders aus als in den vergangenen Jahren: Auf Platz 1 steht Schachzjor Salihorsk, gefolgt von Dinamo Brest und Torpedo Schodzina. Die beiden dominierenden Teams der vergangenen Jahre, Dinamo Minsk und BATE Baryssau, folgen auf Platz 4 und 5. Aber es ist ja noch früh in der Saison. Das Sporportal Tribuna hat zum Saisonstart einige Fotos der Fansektoren im Land zusammengestellt. Erstaunlich, dass es bei dem Druck, der von staatlicher Seite auf die organisierte Fanszene ausgeübt wird, überhaupt noch Aktionen mit Choreograhien in den Fanblöcken gibt. 


Fußballfeld selbst gebaut
Im Gegensatz zu Eissporthallen, die selbst in Kleinstädten gebaut werden, um den Eishockey zu fördern, fehlt es in Belarus an Fußballplätzen. In Borovljanij, einem Erholungsort für Touristen haben Bewohner des Ortes nun selbst zu Schaufel und Harke gegriffen und in einem nahegelegenen Waldstück ein Fußballfeld angelegt. Allerdings hat sich das staatliche Forstamt bereits zu Wort gemeldet und die unrechtmäßige Nutzung des Waldstückes kritisiert. Man darf hoffen, dass die staatliche Behörde ein Einsehen hat. Schließlich ist das Fußballfeld äußerst gut gelungen, wie man auf den Fotos des Nachrichtenportals Onliner sehen kann. 
 
AUS DEUTSCHEN UND INTERNATIONALEN MEDIEN


Ende des PFC Sumy wegen manipulierter Spiele
"Match fixing", also manipulierte Spiele, ist eines der größten Probleme im ukrainischen Fußball. Der TV-Sender Futbol 1 berichtete nun, dass der Verein PFC Sumy an 30 manipulierten Spielen in den vergangenen 18 Monaten beteiligt gewesen sein soll. Nun hat der ukrainische Fußballverband dem Verein, der in der zweithöchsten Spielklasse des Landes zuhause war, die Profilizenz entzogen. Damit ist das Ende des Klubs besiegelt. Manuel Veth, Chefredakteur von Futbolgrad, berichtet in einem längeren Beitrag über die Hintergründe der Spielmanipulationen, hinter denen die asiatische Wettmafia stecken soll. 10 Millionen Euro sollen mit Hilfe der Spiele des PFC Sumy laut Angaben des ukrainischen Fußballverbandes in asiatischen Wettbüros verdient worden sein. Der Verein weist alle Vorwürfe von sich und will gegen die Entscheidung der FFU vorgehen.


Die Unzulänglichkeiten der russischen Gesellschaft
In einem anderen interessanten Beitrag auf Futbolgrad beschäftigt sich Manuel Veth mit einem weiteren Skandal im russischen Fußball, der den Fall um die Spieler Mamaev und Kokorin immer noch nicht verdaut hat. Ayaz Guliyev, Spieler von Spartak Moskau, war in einem Autounfall involviert, in dessen Folge er einem Passanten bei einem Streit nach dem Unfall die Nase brach. Mit Bekanntwerden des Vorfalls griff Spartak Moskau als Arbeitgeber von Guliyev zu harten Maßnahmen. Der Spieler wurde in das zweite Team verbannt, zudem musste er eine Strafe von umgerechnet 82.000 Euro zahlen. In einem offiziellen Statement äußerte sich der Verein wie folgt: "After the club has investigated the circumstances of the incident we have decided on strict disciplinary actions. Our club does not condone any form of violence and does not accept such conduct from any of our players,” Veth hält beide Fälle - den von Mamaev und Kokorin und den von Guliyev - für Spiegel der heutigen russischen Gesellschaft. Im ersten Fall würden zwei Spieler die volle Härte des juristischen Systems zu spüren bekommen, weil unter den Opfern ein Vertreter des russischen Regierungsapparats zu Schaden gekommen sei. Dies sage viel über die Hierarchie in der russischen Gesellschaft und das Gerechtigkeitsverständnis aus - in einem Fall, den normale russische Bürger auf ihren Straßen schon selbst erlebt hätten, wobei der Täter dann ungeschoren davon komme. Guliyev bleibe für eine ähnliche Tat durch das Gesetz ungeschoren, nur weil es sich bei dem Opfer "nur" um einen amerikanischen Touristen handelt.


Ein Veganer in Russland
In seiner Kolumne für t-online.de berichtet Benedikt Höwedes, der mittlerweile seit fast zwei Jahren für den russischen Verein Lokomotive Moskau spielt, davon, warum er beschlossen hat, als Veganer zu leben. Als der Fußballweltmeister noch bei Schalke 04 unter Vertrag war, erlitt Höwedes häufiger Muskelbündelrisse. Er entschied sich deswegen dafür, komplett auf tierische Erzeugnisse zu verzichten, und fühlt sich seitdem besser. Auch die Verletzungsanfälligkeit sei geringer geworden, schreibt er. Allerdings sei er in Russland als Veganer ein Exot: "Alles in Allem war der Schritt zur veganen Ernährung wohl eine der besten Entscheidung meines Lebens. Wenn ich auch zugeben muss, dass ich hier in Russland wohl wirklich der Exot bin, der von den russischen Kollegen in die hässliche Veganerschublade geschoben wird. Der Koch meiner Mannschaft Lok Moskau war fassungslos, als ich ihm bei unserem ersten Treffen gesagt habe, dass ich keine tierischen Produkte esse. ,Was kannst du denn dann überhaupt noch essen?!´, fragte er mit einem so erschrockenen Gesichtsausdruck, als ob er Angst um mein Leben hatte."


Unter russischen Hooligans
Der russische Fotograf Pavel Volkov ist seit sieben Jahren mit russischen Hooligans unterwegs, um sie zu fotografieren. Entstanden sind Fotos von einer rauen und teilweise abstoßenden Schönheit, die die russische Realität dieser Zeit eindrücklich widerspiegeln. Das Internetmagazin Vice.com hat mit Volkov ein Interview geführt. Zudem zeigt das Portal eine Auswahl seiner Fotos. Im Interview wird Volkov gefragt, wie sich die Hooliganszene in den vergangenen Jahren verändert habe. Seine Antwort: "I think more people just prefer to watch the football matches than fight each other now. It’s now possible to divide the football hooligans from the ordinary fans, whereas it used to be all the same. The subculture of football hooligans that existed seven to eight years ago just aren't around any more, and a lot of that is also due to the police. The World Cup that took place in Russia proved that the police are having an effect. There were no serious clashes with Russian football hooligans during the entire event."


Dynamo St. Petersburg lebt!
Und noch ein Artikel von Futbolgrad, in dem es um den Verein Dynamo St. Petersburg geht, der im vergangenen Sommer aufgelöst und nach Sotschi transferiert wurde, wo er nun als FC Sochi in der zweithöchsten Klasse des Landes spielt. Nun vermeldete der Petersburger Verein FC LAZ Luga, der in der Amateurliga der Stadt spielt, dass er in der nächsten Saison unter dem Namen Dynamo St. Petersburg starten werde. Ob hinter der Umbenennung bzw. Neugründung ein Sponsor steht, der größere Ambitionen mit der Marke "Dynamo" hat, lässt der Artikel offen. Saul Pope, der Autor des Beitrags, beurteilt die Entwicklung wie folgt: "It is good to have Dinamo back, without question – even though an old club taking a newer club’s spot is only marginally better than when it happens the other way round. And with every iteration of Dinamo that appears, the original club drifts a little further away – it’s not a successor as such, but rather a photocopy of a photocopy of a photocopy."
 
IN EIGENER SACHE



Workshop: Netzwerken und kooperieren
Vom 3. bis 6. April 2019 fand unser dritter Workshop zum Thema "Fanprojekte für Osteuropa" in Berlin statt, bei dem wir zusammen mit 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Belarus, aus der Ukraine und aus Russland sowie mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von deutschen Fanprojekten diskutierten, inwieweit eine künftige Kooperation zwischen den entstehenden Projekten in Osteuropa und den Fanprojekten hierzulande aussehen könnte. Dabei wurde auch ein wenig der 5. Geburtstag unseres Projektes gefeiert. Peter Liesegang, Mitinitiator von Fankurve Ost, dankte dabei dem Faprojekt Berlin für die langjährige Unterstützung und überreichte als Geschenk eine Auswahl an Schaschlikspießen aus Belarus, aus Russland und aus der Ukraine. Mehr zum Workshop gibt es in unserem Bericht.


Teilnehmer berichten in ihren Videoblogs über uns
Leonid Ltv Litvinchuk aus der ukrainischen Stadt Luzk hat an unserem Seminar "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" im März in Berlin teilgenommen und ein kleines Video für seinen Blog darüber gedreht, in dem auch alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Seminars zu Wort kommen. Der belarussische Videoblogger Zhenja Rudyj, ebenfalls Teilnehmer unseres Seminars im März, berichtet in seinem Blogbeitrag auf "BulbaBall" von Fanprojekten, von der Organisation des Berliner Amateurfußballs und von der Arbeit der Polizei bei Fußballspielen.


Wir im Podcast von 120 Minuten
In der vierten Ausgabe des Podcast der Webseite 120 Minuten.net, die sich eingehend mit gesellschaftspolitischen Themen rund um den Fußball beschäftigt, wurde Ingo Petz, Mitinitiator von Fankurve Ost, eingeladen über die Auswirkungen des Krieges in der Ostukraine und des Euromaidan auf den Fußball in der Ukraine zu sprechen. Anlass war eine Reportage, die in der Zeitschrift ballesterer erschienen ist und die von Nicole Selmer, stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift, geschrieben wurde. Sie hatte uns im Februar bei einer Reise in die Ukraine begleitet, bei der wir uns in den Städten Luzk und Rivne angeschaut haben, wie sich die dortigen Fanprojekte entwickeln wollen.
 
Auch die Ligen in Osteuropa (außer in Belarus) gehen nun in ihre finale Phasen. Wir freuen uns auf neue spannende Themen im Mai und grüßen aus unserer Hirnschmalzmaschine des runden Leders.


EURE FANKURVE OST